Licht am Ende des Matena-Tunnels
15.08.2012 | 11:42 Uhr 2012-08-15T11:42:00+0200
Duisburg. Kritiker könnten der Denkmalbehörde einen Tunnelblick vorwerfen: Ausgerechnet eines der schäbigsten Bauwerke des Ruhrgebiets soll unter Schutz gestellt werden - der Matena-Tunnel. Die 400 Meter lange Unterführung anno 1914 ist nichts für depressive Gemüter. Wenn man einen Albtraum in Beton gießen würde, sähe er genau so aus.
Doch der Grusel-Faktor hat die graue Röhre berühmt gemacht: Etliche Schimanski-Krimis haben hier ihr Schmuddel-Image gefeiert, seitdem wählt die Filmindustrie den Tunnel immer wieder als Charakterdarsteller . Historischen Wert hat der Matena obendrein, weil er einst zum Dorf Alsum führte, das 1965 der Stahlindustrie weichen musste.
Bröseliger Bau und Wasserschäden
Der Bau bröselt, Kacheln sind abgefallen, Wasserschäden sorgen für faulige Flecken. Weil die Straße abknickt, sieht man nicht mal Licht am Ende des Tunnels. Es läge nahe, dass der angeblich so bodenständige Ruhrpötter bollerte: „Wech mit dat olle Ding!“ Von wegen.
Als die Duisburger NRZ-Redaktion über die Denkmal-Pläne berichtete, kam eine Welle von wohlwollenden Leser-Briefen. Die Bürger stehen zu diesem dunklen Stück Duisburg wie damals James Joyce in seinen legendären Kurzgeschichten zu „dear dirty Dublin“, seinem „geliebten dreckigen Dublin“.
Dear dirty Duisburg! Jau, der Ruhri ist romantisch, sieht die Schönheit im Schäbigen, schwätzt nicht, wie die Münchner Filmleute, von „Location“ und „morbidem Schick“ und flieht dann hurtig zu Alpengipfeln und Geranien.
Ob der Tunnel denkmalwürdig wird, entscheidet bald die Bezirksvertretung. Längst entschieden: Die Liebe der Duisburger zu ihrer Stadt ist denkwürdig.
11:45
Ich kann auch nur noch mit dem Kopf schütteln!
Unbestritten ist der Erhalt von Denkmälern um jeden Preis nicht gerechtfertigt. Aber gibt es dazu Regeln und ein gewisse Logik einzuhalten, sonst verfehlt ein Denkmal seinen Sinn und Charme. Soviel zum Thema Geldverschwendung und Eisenbahnsiedlung.
Viel schlimmer ist noch die hier vorherrschende Intoleranz und Verständnislosigkeit gegenüber unserer Stadtgeschichte .... frei nach dem Motto, was ich nicht verstehe kann "weg". Vielen Dank!
16:43
Frau Maibaum, Sie sprechen mir aus der Seele. Ihre Beiträge sind immer lesenswert. Dass Sie sich hier an ein so brisantes Thema wagen, zeugt von hoher Charakterstärke.
Wenn man den Artikel über den Denkmalschutz in der denkmalgeschützten Eisenbahnersiedlung in Duisburg liest, und Vergleiche zieht, dann kann man sich nur noch an den Kopf fassen.
14:29
Wenn Duisburg sparen muss, dann sollen die mal bei der Behörde zum Denkmalschutz anfangen. Hier scheint es einen Haufen Leute zu geben, die neue Bauwerke als schützen lassen und der Stadt so zusätzliche kosten aufhalsen und eine gesunde Stadtentwicklung verhindern. Aber wahrscheinlich muss es immer neue Projekte geben, damit sich die Herrschaften ihren Beamten-Posten sichern können.
Neue Projekte sind das "Aushängeschild" eines Politikers! Was wäre Rainer Enzweiler ohne sein FOC? Jeder Parteifürst braucht SEIN Leuchtturmprojekt!
13:55
Früher fuhr dort eine Straßenbahn durch.
Da gab es ja noch Alsum.