Leidenschaftlich und kraftvoll

Drama, Leidenschaft, Liebe, Leid, Verrat: Das Stück „Carmen“, das die meisten in der Fassung der weltberühmten Oper von George Bizet kennen, bietet von alledem viel. Sucht man im Tanz eine Entsprechung für so viel Heißblütigkeit, findet man sie beim Tango und Flamenco. Das Ensemble des „Ballet Teatro Espanol“ von Rafael Aguilar tourt seit 20 Jahren mit der Version „Carmen Flamenco“ durch die Welt. Aguilars Fassung basiert ebenfalls auf der Erzählung von Prosper Mérimée. Bizets Musik wird ergänzt von sechs Musikern – Flamenco-Sängern, -Gitarristen und Percussionisten. Bei der Duisburg-Premiere wurden die 23 Tänzer und die Musiker im Stadttheater gefeiert – und musste nach dem Tod „Carmens“ noch ein paar Zugaben zeigen.

Mit Leidenschaft und Erotik wird die Geschichte der jungen Zigeunerin Carmen erzählt, die für Aguilar die Inkarnation einer teuflischen Frau ist. Carmen, die ebenso sinnlich wie kraftvoll gespielt wird von Maria López gespielt wird, will der Armut entkommen und frei sein. Sergeant Don José verfällt ihr, verhilft ihr sogar zur Flucht aus einem Gefängnis, was ihn selbst ins Gefängnis bringt. Eigentlich ein anständiger Mann, schließt er sich sogar den Schmugglern an, um Carmen nahe sein zu können. Er wird sogar zum Mörder. Als sich Carmen Lucas, dem erfolgreichen Torero in die Arme wirft, will Don José sie – er rast in diesem Moment vor Eifersucht – erstechen. Doch Carmen, der die Karten den Tod prophezeit haben, stürzt sich in das gezückte Messer – und stirbt.

Wenig Requisiten

Das Bühnenbild kommt mit wenigen Requisiten aus. Gesprochen wird nicht, die Geschichte dürfte als bekannt vorausgesetzt werden. Stattdessen wird mit wenigen Mitteln, etwa Stühlen und Körben, die Bühne in eine Fabrik verwandelt. Oder in einen Marktplatz. Die Sänger Noelia Heredia, Alejandro Cillaescusa und Caridad Vidal Bernal stimmen typische spanische Weisen an. Mit ihren Stimmen setzen sie den Schmerz und die Leidenschaft perfekt um. Begleitet werden sie von den Musikern Muiguel Lineares, Javier Romanos und Andoitz Ruibal. Auch wenn es oft ums Leid geht, ist die Musik doch wunderschön.

Im Mittelpunkt der Darbietung steht aber der Tanz. Eindrucksvoll, wie das Ensemble die Szenen umsetzt. Mal wird kraftvoll über die Bühne gestampft, dann sind die Bewegungen fein und anmutig. Zwischendurch spendet das Publikum immer wieder begeistert Szenenapplaus. Eine gelungene Interpretation, nicht nur für Tanz- und Spanienliebhaber.