Das aktuelle Wetter Duisburg 2°C
Demenzforschung

Duisburger Lehmbruck-Museum startet Forschungsprojekt mit Demenzkranken

26.12.2012 | 17:03 Uhr
Funktionen
Duisburger Lehmbruck-Museum startet Forschungsprojekt mit Demenzkranken
Sybille Kastner arbeitet in der Kunstvermittlung des Museums und will neue Zielgruppen für das Haus erschließen.Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  In einem Forschungsprojekt will das Duisburger Lehmbruck-Museum herausfinden, wie demenzkranke Besucher Kunst wahrnehmen. Dazu sucht das Museum noch betroffene Teilnehmer, aber auch gesunde Senioren.

Die neue Ausstellung im Lehmbruck-Museum heißt „Hey Alter“, doch auch ganz unabhängig von diesem Titel schicken sich die Mitarbeiter an, neue Zielgruppen für das Haus im Kantpark zu gewinnen.

Die Duisburger werden älter – das gilt auch für die Besucher des Lehmbruck-Museums. In den nächsten Jahren will sich Sybille Kastner – sie arbeitet in der Kunstvermittlung des Lehmbruck-Museums – mit einer speziellen Zielgruppe beschäftigen. In einem Forschungsprojekt, das gemeinsam mit der Medical School Hamburg durchgeführt und von der Bundesregierung gefördert wird, will sie mit Forschern herausfinden, wie demenzkranke Besucher Kunst wahrnehmen. Dazu sucht das Museum noch betroffene Teilnehmer, aber auch gesunde Senioren.

„Hey Alter“ zeigt Beispiele

Eberhard Warns hat im Alter, als er an Demenz erkrankte, mit dem Malen begonnen. Seine Frau hat dafür gesorgt, dass ihm eine Kunstlehrerin zur Seite gestellt wurde. Die Bilder sind nun im Lehmbruck-Museum zu sehen.Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool

„Demenzführungen bieten wir schon seit 2007 an. Das hat nicht viel mit intellektueller Kunstvermittlung zu tun, sondern meist geben wir den Personen kleinerer figürliche Plastiken in die Hand, damit sie die Kunst begreifen können“, erklärt Sybille Kastner. „Wenn man mit den Teilnehmern über die Kunst spricht, kommen da ganz überraschende Erkenntnisse heraus.“ Ein Museumsbesuch sei für viele Demenzkranke eine Abwechslung im Alltag und eine Führung biete einen geschützten Rahmen für Betroffene und Angehörige. „Es ist eine Möglichkeit, wieder am Leben teilzunehmen und ihnen ein positives Gefühl zu geben.“

In der Ausstellung „Hey Alter“ wird die Krankheit ebenfalls thematisiert. So wird beispielsweise ein Fotoprojekt gezeigt, das ältere Menschen in ihrem Alltag porträtiert. Daneben hängen die Gemälde von Eberhard Warns. Als er an Demenz erkrankte, begann er mit dem Malen. Seine Frau organisierte Leinwände und eine Kunstlehrerin, die ihm bei der Ausführung half.

Entstanden sind strukturierte, teils farbenfrohe Bilder – seine Art der Kommunikation mit der Umwelt. Im Zuge seiner Demenz hatte Warns nämlich nahezu komplett das Reden eingestellt. Die Gemälde boten allerdings die Möglichkeit, mit ihm über seine Gefühle und die Krankheit zu sprechen. Nach seinem Tod ging die Sammlung um die Welt – und ein Teil ist nun in Duisburg zu sehen.

Forschungsprojekt
Bei Interesse bitte anmelden

Wer Interesse an dem Forschungsprojekt hat und mitmachen möchte, kann sich im Lehmbruck-Museum unter der Rufnummer 0203/ 283 2195 melden oder an kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de schreiben.

Gleiches gilt auch, wenn Einzelpersonen oder Gruppen eine Demenzführung buchen möchten, ohne im Anschluss daran befragt zu werden.

Bisher ist das Angebot der Demenzführungen vor allem bei Einrichtungen wie Seniorenwohnheimen und Tagesgruppen auf Resonanz gestoßen. Aber auch Familien möchte Sybille Kastner Mut machen, mit Oma oder Opa ins Museum zu gehen. „Was diese Führungen angeht, haben wir einen deutlich größeren Einzugsbereich als normalerweise“, hat die Expertin beobachtet.

Wie verändert sich Wahrnehmung?

Im Rahmen des Forschungsprojektes können sich Gruppen und Einzelpersonen anmelden. An der Führung nehmen dann zusätzlich Wissenschaftler teil und beobachten die Besucher, wie sie auf die Bilder und Plastiken reagieren. Später findet dann eine Befragung statt.

„Wichtig ist, dass sich auch gesunde Personen melden, denn es geht auch um die Wahrnehmung von Kunst und wir wollen vergleichen, ob diese sich durch die Krankheit verändert". Bis 2015 soll das Forschungsprojekt laufen, dass in der Museums-Szene schon jetzt mit Interesse verfolgt wird – schließlich lassen sich daraus auch Erkenntnisse für andere Häuser ableiten.

Fabienne Piepiora

Kommentare
Aus dem Ressort
Sportlich, arm, laut - Das sagen Statistiken über Duisburg
Statistik
In der Stadt gibt's günstige Mieten und gute Ausbildungschancen, viele Duisburger sind aber auch arm. Zahlen und Fakten rund um das Leben hier.
Sieben Festnahmen bei Großeinsatz gegen Einbrecherbanden
Polizeibilanz
Bei einem Großeinsatz gegen Diebesbanden hat die Polizei in Duisburg am Donnerstag knapp 300 Fahrzeuge kontrolliert und sieben Personen festgenommen.
530.000 € sollen "Soziale Stadt" Duisburg-Marxloh aufwerten
Städtebauförderung
Um die Probleme mit Zuwandern im Stadtteil Marxloh zu lösen, nimmt die Stadt an einem Programm teil, das mit 530.000 Euro unterstützt wird.
Ratten am Duisburger Brandhaus nerven nicht nur Anwohner
Ungeziefer
Vor zwei Jahren brannte Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses. Seitdem gibt's ein Problem mit Müll und Ratten. Stadt sieht keinen Anlass zum Handeln.
„Duisburg gegen Darmkrebs“ will Zahl der Toten halbieren
Darmkrebs
200 Menschen sterben pro Jahr in Duisburg an Darmkrebs, obwohl es Vorsorgeuntersuchungen gibt. Der Verein "Duisburg gegen Darmkrebs" will das ändern.
Fotos und Videos
Pegida-Demo in Duisburg
Bildgalerie
Pegida
Was ist ein "Tacken" - Weisse Bescheid!?
Video
Ruhrgebiets-Sprache
Moscow Circus on Ice
Bildgalerie
Zirkus
Duisburg unter einer Schneedecke
Bildgalerie
Winterzauber
article
7424843
Duisburger Lehmbruck-Museum startet Forschungsprojekt mit Demenzkranken
Duisburger Lehmbruck-Museum startet Forschungsprojekt mit Demenzkranken
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/lehmbruck-museum-startet-forschungsprojekt-mit-demenzkranken-id7424843.html
2012-12-26 17:03
Demenz,Duisburg,Kunst,Sucht,Die Welt,Museum,MAN,Hamburg
Duisburg