Lebensmittelmarkt für die Altstadt

Die Frist ist abgelaufen, mehrere Investoren haben ihr Interesse bekundet und in dieser Woche werden neben der Sichtung und Auswertung der vorliegenden Angebote die ersten Gespräche mit den Interessenten geführt. Dennoch sollte niemand erwarten, dass in absehbarer Zeit bereits die Bagger auf die Brache zwischen Beeckstraße und Steinsche Gasse rollen, auf der einstmals das Marientor Carrée entstehen sollte.

„Die Entwicklung des Geländes steht auf unserer Prioritätenliste sehr weit oben“, erklärt Stadtsprecherin Anja Kopka. Von Seiten der Stadt werde „keinerlei Verzögerung oder Verschleppung“ geben. Aber nach den Erfahrungen mit dem Kölner Entwickler Euroareal, der das Marientor Carrée hatte bauen wollen und dann abgesprungen ist, will die Stadt auch nichts übers Knie brechen, sondern sehr genau die Angebote prüfen.

Immerhin gehe es bei dem Gelände, dessen Kaufpreis mindestens 2,4 Millionen Euro beträgt, um eines, das entscheidende Auswirkungen für die gesamte Innenstadt haben kann. Von dem Konzept, dort ein Gesundheitszentrum anzusiedeln, hat man sich bereits verabschiedet. Laut Stadt sind in dem Bereich „kerngebietstypische Nutzungen zulässig und erwünscht.“

Genau diese Ausweisung stimmt Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Niederrhein, ziemlich optimistisch: „Kerngebietstypisch bedeutet neben Wohnen vor allem Handel und andere Dienstleistungen. Wir als Verband sehen da die große Chance, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Einerseits das Nahversorgungsdefizit in der Innenstadt zu beseitigen und andererseits das Entwicklungspotenzial, das in dem Quartier steckt, zu nutzen, um die Altstadt wieder nach vorne zu bringen.“

Gerade ein Nahversorger (sprich: Lebensmittelmarkt) bedeute Hochfrequenz, so Bommann. Das belebe die Straßen drum herum und könne andere Bereiche des Quartiers mitziehen. Zudem wären dann ausreichend Stellplätze notwendig, die wiederum das Defizit in dieser Hinsicht ausgleichen könnten und auch einem neuen Betrieb des Theaters am Marientor zu Gute kommen könnten.

„Rund 40.000 Einwohner gibt es in der Innenstadt, die Altstadt eingeschlossen. Es gibt aber nur vier Nahversorger in dem ganzen Bereich“, führt Bommann an. Dass es Bedarf nach mehr gibt, habe auch die öffentliche Diskussion im Januar dieses Jahres in der Reihe „Stadtentwicklung im Dialog“ gezeigt, bei der auch zwei Vertreter von Lebensmittelketten auf dem Podium mitgeredet haben. Bommann. „In dem Quartier steckt so viel Potenzial, das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.“

Unabdingbar ist für den Verbandsgeschäftsführer allerdings, dass ein Neubau auf dem Gelände zur Beeckstraße hin geöffnet sein muss. „Das Eingangstor muss in diese Richtung gehen. Eine Ausrichtung auf die Steinsche Gasse bringt für die Altstadt gar nichts. Die wäre dann ja wieder abgeschottet von der Innenstadt.“