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„Leben mit dem Feind“

20.02.2013 | 00:17 Uhr
„Leben mit dem Feind“

Über Jahrhunderte konnten die Amsterdamer Kaufleute und Bürger in ihren prächtigen Grachtenhäusern ungestört ihren Geschäften nachgehen. Doch als am 10. Mai 1940 die deutschen Nachbarn für viele Niederländer sehr überraschend mit Waffengewalt ihr kleines Königreich überfielen, da sollte schon bald diese friedliche Welt in Trümmern liegen. „Leben mit dem Feind“ lautet der Titel des Buches und des Vortrages von Barbara Beuys, die jetzt in der Stadtbibliothek an die deutsche Besatzung Amsterdams in den Jahren 1940 bis 1945 erinnerte.

Hat in den Niederlanden bereits der prominente Autor Geert Mak in seinem erfolgreichen Buch „Amsterdam“ die Zeit der Besatzung und der Judenverfolgung thematisiert, so veröffentlichte Barbara Beuys nun auch in Deutschland ein genau recherchiertes Geschichtsbuch, das sich mit den dunklen Jahren unter Hitlers Herrschaft auseinandersetzt.

Die 1943 geborene Barbara Beuys, Großnichte des Künstlers Joseph Beuys, hat sich als Schriftstellerin, Redakteurin und Historikerin einen Namen gemacht. Zunächst war sie unter anderem Journalistin bei der „Zeit“ und bei „Merian“. Später veröffentlichte sie Biografien  – etwa über Hildegard von Bingen, Annette Droste-Hülshoff oder Sophie Scholl.

Angenehm sachlich und ohne dramaturgische Überzeichnungen schilderte die Autorin die Situation der Niederlande am Vorabend des deutschen Überfalls. Da die Regierung lange glaubte, mit ihrer Kultur der politischen Neutralität verschont zu bleiben, hatte die jüdische Bevölkerung auf eine Flucht nach England verzichtet.

Doch dann standen die deutschen Truppen in der Stadt. Eine Bombe auf ein Haus an der Heren­gracht forderte 44 Tote und die totale Zerstörung Rotterdams mahnte die Niederländer, auf militärischen Widerstand zu verzichten.

In ihrer peniblen, aber immer sehr lebendig wirkenden Chronik der Ereignisse macht Barbara Beuys mehrere Personen zu Zeugen der Zeitgeschichte. So liegt ihr viel daran, auch das Leben der Menschen in der Stadt zu beschreiben, die sich vergeblich um Normalität bemühten.

Die Deportation der 80 000 Juden Amsterdams, die hier viele Jahrhunderte als niederländische Bürger friedlich gelebt hatten, war von Anfang an das grausame Ziel der Nationalsozialisten.

Barbara Beuys hat ein glänzendes Geschichtsbuch geschrieben, das auch Mahnung sein sollte, Faschismus und Rassismus rechtzeitig entgegenzutreten. Viel Beifall für Barbara Beuys.

Von Thomas Becker

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