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Laster der Nacht

14.09.2012 | 13:00 Uhr
Laster der Nacht
Birgit Pollok (li.) und Christiane Alt vom Cafe Glück ganz im Stil der 20er Jahre.Foto: Lars Froehlich

Glück ist, wenn man an einem lauen Sommerabend unterm Sternenhimmel seinem Laster frönt: Gut, dieser Sommerabend ist eher herbstlich als lau, aber für solche deutschen Nächte gibt es warme Gedanken, Decken und Kakao. „Glück“ heißt in diesem Fall der Friseursalon und das angegliederte Café und „das“ Laster ist eigentlich ein „der“ – ein alter Feuerwehrlaster nämlich, der in den 60er Jahren durch die Gegend düste und an dem nun eine Leinwand befestigt ist. Willkommen im Wanderkino.

Slapstick-Szenen

„Unser Geschäft gibt es seit einem Jahr, da haben wir gedacht, dass so ein Wanderkino ein schönes Bonbon wäre“, erklärt Christiane Alt. Sie und ihre Kollegin Birgit Pollok haben sich standesgemäß im Stil der 20er Jahre angezogen und verkaufen an der Kasse gemischte Tüten, Lutscher und Eiskonfekt. Auch die gut zwei Dutzend Besucher sind bestens vorbereitet, haben sich Decken mitgebracht und mit heißen Getränken versorgt.

Es knistert und knackt, wie früher, als es die Filme noch nicht auf DVD gab und man stets hoffte, dass die Rolle bloß nicht reißt. Über die Leinwand verfolgt sich gerade ein ungleiches Pärchen aus einem Buster-Keaton-Film. Einer ist auf der Flucht und plumpst in die Schweinegrube, der andere springt hinterher. Die albernen Slapstick-Szenen werden begleitet von den beiden Musikern Gunthard Stephan (Geige) und Tobias Rank (Piano). Mit Blick aufs Filmgeschehen fiedelt Gunthard Stephan und untermalt die Handlung mal rasant, mal betulich. „Wir improvisieren und komponieren auch selbst“, erklärt Tobias Rank. Zwar gebe es Filmmusik zu den Streifen, aber die klinge nur gut, wenn sie von einem Orchester gespielt wird. Das Interesse an Stummfilmen ist groß, in jeder Stadt kommen die Besucher gerne. „Ich finde es interessant zu sehen, wie wir hätten Leben können, wenn wir früher auf die Welt gekommen wären“, sinniert Rank.

Die Musiker suchten damals, als sie das alte Feuerwehrauto entdeckten, ein neues Betätigungsfeld. Der Magirus Deutz stand in einer Garage und sie beschlossen, aus dem Wagen ein fahrbares Kino zu machen. „Wir machen überall Station, wo es schön ist“, erklärt Gunthard Stephan. Dass es in Duisburger ein Parkplatz statt ein Park ist, nun ja. „Eigentlich wollten wir das Kino auf dem Mittelstreifen vor dem Kuhlenwall-Karree stattfinden lassen, aber der Antrag wurde abgelehnt, weil die Obermauerstraße so eine viel befahrene Straße sein soll“, erklärt Christiane Alt. Auch Anträge, eine Gastronomie in der Straßenmitte einzurichten, wurden abgelehnt. „Die Stadt ist vorsichtig geworden. Die Bedienung und die Gäste müssten die Straße überqueren“, erklärt Georg Puhe von der Stadt. Der benachbarte Parkplatz ist Privatgelände und wurde den Organisatorinnen von der angrenzenden Radiologiepraxis zur Verfügung gestellt.

Auch ein paar Mickey-Maus-Episoden haben die beiden Filmfreunde aus dem Archiv gebuddelt. Donald stellt Mickey ein Bein und macht sich lang. Dramatische Szene, dramatische Musik. Manche Geschichten altern eben nie.

Fabienne Piepiora



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