Langes Warten führt zu Aggressivität

Aggressivität resultiert meist aus langen Wartezeiten, stimmen Klinikleitungen und Ärzte überein. Das Problem seien steigende Patientenzahlen. 28 000 Erwachsene und 12 000 Kinder wurden 2014 in der Notaufnahme der St.-Johannes-Klinik behandelt. Im Evangelischen Krankenhaus Duisburg-Nord waren es 42 000 – 6000 mehr als 2013. Und nicht alle Erkrankungen seien tatsächlich Notfälle.

„Manche könnten auch zu ihrem Hausarzt gehen, die haben in der Notaufnahme eigentlich nichts verloren“, sagt Dr. Andrea Kutzer, Leitende Ärztin der zentralen Notaufnahme im Evangelischen Krankenhaus Duisburg-Nord. Viele würden die Notaufnahmen als Serviceanbieter für Gesundheitsleistungen begreifen. Dass Patienten nach Dringlichkeit behandelt werden, sei ihnen nur schwer zu vermitteln.

Kutzers Kollege Frank Marx kann das bestätigen. „Das Anspruchsverhalten der Patienten ist größer geworden“, erklärt der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Feuerwehr Duisburg. Zudem steige die Zahl der Rettungsfahrten – jedes Jahr um drei bis vier Prozent. „Ein großer Anteil der Patienten ist keineswegs lebensbedrohlich erkrankt“, weiß Marx.

Auch er und seine Kollegen sind Aggressivität und Anfeindungen ausgesetzt. Dennoch seien solche Situationen Einzelfälle. „Wir haben 70 000 Fahrten im Jahr“, betont er, „meistens erleben wir große Dankbarkeit.“ Das steigende Patientenaufkommen beim Rettungsdienst und in den Klinik-Notaufnahmen sieht Marx als Resultat sich verändernder Sozialstrukturen. Krankenfahrten werden eingeschränkt, Notfallpraxen geschlossen. Er sagt voraus: „Dass Problem wird sich in Zukunft noch verschärfen.“