Lange Zeit ohne Job

Foto: Tanja Pickartz / far

Fast drei Millionen Menschen sind bereits länger als vier Jahre auf Hartz IV angewiesen. Das ist nahezu die Hälfte (46,3 Prozent) aller Empfänger von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld. Kurzfristiger Leistungsbezug kommt dagegen eher selten vor: Nur 22,4 Prozent benötigen weniger als zwölf Monate Hilfe. Das zeigt eine Auswertung der Grundsicherungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2014. Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen(UDE) hat diese jetzt im Informationsportal Sozialpolitik aktuell veröffentlicht.

Die Dauer hängt eng mit regionaler Wirtschaftslage und Arbeitsmarktsituation zusammen: Langfristiger Leistungsbezug von vier Jahren und mehr ist in Ostdeutschland besonders ausgeprägt – an der Spitze liegt Sachsen-Anhalt mit 53,8 Prozent. In Süddeutschland fällt die Quote deutlich niedriger aus. Drastisch hoch ist sie in Städten mit hoher Arbeitslosigkeit, wie im Ruhrgebiet. So liegt der Anteil der Langzeitempfänger von Grundsicherung in Essen (52,5 %), Gelsenkirchen (51,7 %) und Bottrop (50,6 %) deutlich über dem NRW-Durchschnitt.

„Dass viele Menschen über mehrere Jahre hinweg abhängig von Hartz IV sind, weist darauf hin, dass es für einen großen Personenkreis äußerst schwierig ist, ein ausreichendes Einkommen zu erzielen und so aus der Bedürftigkeit herauszukommen“, stellt Prof. Dr. Gerhard Bäcker fest. Im Juni 2014 schafften dies lediglich 3,5 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, erneut auf Zahlungen angewiesen zu sein. Von allen, die zwischen Juli 2013 und Juni 2014 ihre Hilfebedürftigkeit beendeten, bekam jeder Vierte innerhalb von drei Monaten wieder Leistungen.

Grundlegendes Problem ist dabei, die lange andauernde Arbeitslosigkeit andauert. Trotz der günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt haben insbesondere ältere Langzeitarbeitslose nur geringe Chancen auf reguläre Beschäftigung.

Große Schwierigkeiten, die Abhängigkeit zu überwinden, haben Alleinerziehende. Zudem befinden sich unter den Langzeitbeziehern viele Aufstocker, die ihr niedriges Erwerbseinkommen durch Hartz IV-Leistungen ergänzen müssen, um das Existenzminimum zu erreichen.