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NS-Gewalt

Landesarchiv NRW zeigt die Bürokratie der Gestapo-Gewalt

27.02.2016 | 10:00 Uhr
Landesarchiv NRW zeigt die Bürokratie der Gestapo-Gewalt
Ausstellung zur neuen Quellenedition: Dr. Frank Bischoff , Prof. Kurt Düwell, Dr. Martina Wiech und Dr. Anselm Faust (v.l.n.r.).Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Das Landesarchiv NRW widmet sich der Gestapo-Geschichte. Eine neue Quellenedition und eine Ausstellung zeigen in Duisburg die Arbeit der Nazi-Behörde.

Düsseldorf, den 18. Februar 1936. „Abgesehen von einem verschwindend geringen Teil der ewig Unzufriedenen hat die Bevölkerung durch reiche Beflaggung der Häuser [. . .] erneut ihre Treue dem nationalsozialistischen Staate bekundet.“ Das schreibt die Geheime Staatspolizei des Regierungsbezirkes an die Berliner Zentrale.

Die monatlichen Lageberichte, die alle Gestapostellen von 1934 bis ‘36 verfassen mussten, geben Zeugnis von der Stimmung in der Bevölkerung, auch von Auflehnung und Widerstand gegen die NS-Herrschaft. Die Gestapo-Berichte des Rheinlandes sind ein rund 3000 Schreibmaschinenseiten umfassender Beleg für die Bürokratisierung der Gewalt und des Schreckens. Die überlieferten Bestände sind hier umfassender als in anderen Teilen Deutschlands. Die jetzt abgeschlossene Quellenedition des Landesarchivs NRW macht sie in drei Bänden zugänglich und durch Erklärungen leichter verständlich.

Junge Akademiker machten bei der Gestapo Karriere

In oft nüchternen Worten beschreiben die Gestapo-Beamten ihre Arbeit, bei der sie im katholisch geprägten Rheinland und den traditionell stärker kommunistisch geprägten Arbeiterstädten in den Anfangsjahren oft auf Widerstand stießen. Die Gestapo rekrutierte zunächst Kriminalbeamte. 1934 arbeiteten 170 Personen in der Gestapo des Regierungsbezirks Düsseldorf. In den Berichten klagen sie wiederholt über Unterbesetzung. Eines der Probleme im Rheinland – und dazu gehörten auch die Gebiete um Koblenz und Trier – sei die Sicherung der Grenze gewesen, weiß Prof. Kurt Düwell. Er ist Mitglied der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, welche die Quellenedition herausgibt.

Im Laufe der Zeit sei die Zahl der Gestapo-Beamten zunehmend aufgestockt worden, sagt Düwell. Vor allem junge Akademiker, die nach der Wirtschaftskrise keine Arbeit fanden, wurden rekrutiert und machten im NS-System Karriere. Ohne Denunziation aber hätte die Gestapo ihre Macht keinesfalls derart ausbauen können: „Die Präsenz der Gestapo wurde überschätzt“, meint Dr. Anselm Faust, der die Lageberichte für die neue Edition bearbeitet hat. „Wenn die Bevölkerung sich nicht gegenseitig bespitzelt hätte, wäre es vielleicht nicht ganz so schlimm geworden.“

Ausstellung zeigt Schicksale der NS-Opfer

Fünf Jahre arbeitete der Archivar an den umfangreichen Ausgaben. Erst im Ruhestand fand der 72-Jährige dafür die Zeit. Zuvor war Faust für die rund 72.000 Personenakten der Gestapo zuständig, die sich im Landesarchiv befinden. In Kombination mit den Lageberichten zeichnen diese Gestapo-Akten über einzelne Verfolgte ein dichtes Bild vom Rheinland in der NS-Zeit. Die neue Ausstellung im Landesarchiv macht es erfahrbar. Unter dem Titel „Der Dienst verlangt eine innere Härte“ – ein Zitat aus einer der vielen Gestapo-Akten – werden hier nicht nur der Aufbau und Einsatz der Geheimen Staatspolizei anhand vieler Dokumente dargestellt, sondern auch bewegende Einzelschicksale ihrer Opfer.

INFO: Das Landesarchiv NRW lädt am Dienstag, 1. März 2016, um 18 Uhr zur Vorstellung des Buches „Lageberichte Rheinischer Gestapostellen 1934-1936“ ein. Dr. Anselm Faust, Autor der Quellenedition, wird dort referieren. Eintritt: frei. In der ersten Jahreshälfte werden weitere Vorträge angeboten. Weitere Informationen: www.lav.nrw.de.

Anna Ernst

Kommentare
27.02.2016
21:12
Landesarchiv NRW zeigt die Bürokratie der Gestapo-Gewalt
von ulrics | #1

Durch Bundestrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Nacktscanner, Bestandsdatenauskunft, bräuchte es heute keine Spitzel mehr.

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2016-02-27 10:00
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