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Lackschäden auf PKW in Duisburg geben Rätsel auf

22.08.2012 | 06:00 Uhr
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Lackschäden auf PKW in Duisburg geben Rätsel auf
Sie sehen wie bläulich schimmernde Putzschlieren aus: In Duisburg-Meiderich beklagen sich zahlreiche Bewohner über Lackschäden an ihren Autos.Foto: Thomas Richter

Duisburg.   In Duisburg beklagen sich Einwohner seit zwei Jahren immer wieder über ominöse Lackflecken auf ihren PKW. Nicht einmal mit einer Spezialreinigung lassen sich die Schmierereien entfernen. Zunächst hatten die Betroffenen den Konzern Arcelor-Mittal im Verdacht - der wiederum ein entlastendes Gutachten vorgelegt hat.

Manfred Both ist stocksauer. Auf dem Lack seines grünen Skoda machen sich seit einigen Wochen ominöse Flecken breit. Die einen schimmern bläulich und sehen aus, als hätte jemand mit Billardkreide den Pkw beschmiert. Andere erinnern eher an Putzschlieren bzw. ein Haut-Ekzem. Was sie alle vereint, ist die Tatsache, dass sie sich nicht mehr entfernen lassen. „Ich war sogar bei einer Spezialreinigung und habe 150 Euro ausgegeben. Es ging aber nichts davon herunter“, erzählt der auf der Mühlenstraße lebende Meidericher voller Frust.

Der 68-Jährige ist aber nicht allein mit diesem Problem, zahlreiche Menschen aus diesem Stadtteil und aus Teilen Ruhrorts sind Opfer der ominösen Lackschäden geworden. Wer der Verursacher ist, weiß bislang niemand. Auch das städtische Amt für Umwelt und Grün tappt nach wie vor im Dunkeln – und das, obwohl die ersten Fälle bereits vor zwei Jahren aufgetaucht sind. Das bestätigte Susanne Stölting, Referentin im Umweltdezernat, auf WAZ-Anfrage: „Die erste Beschwerde gab es im März 2010. Bis heute sind uns etwa 60 Fälle bekannt.“

Erste Fälle traten in 2010 auf

In Zusammenarbeit mit Experten der Bezirksregierung Düsseldorf und des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz machte sich das Umweltamt auf der Suche nach dem Verursacher. Dabei wurden alle kleineren und größeren Betriebe der Umgebung untersucht. „Es war aber niemandem nachzuweisen“, so Stölting.

Und was schimmert da nun so blau auf den betroffenen Pkw? „Nach unseren Erkenntnissen handelt es sich um Metallstäube, die sich auf den Lack legen. Gemischt mit Schwefeldioxid und morgendlichem Tau entsteht eine chemische Reaktion, die besagte Flecken hinterlässt“, erklärt Stölting. Und – eine Frage die sich viele besorgte Anwohner stellen – welche gesundheitlichen Risiken birgt dieser Metallstaub? „Ein Risiko für die Menschen besteht nach unseren bisherigen Erkenntnissen nicht“, so die Referentin.

Einer der als Verursacher verdächtigten Industriebetriebe war das auf der Grenze zwischen Ruhrort und Meiderich liegende Werk von Arcelor-Mittal . „Wir kennen das Problem. Die Behörden sind damals auf uns zugekommen, sagte Ulrich Guzinski, Sprecher des Unternehmensstandortes in Ruhrort. Der Stahlproduzent habe dann selbst auf seinem gesamten Firmenareal Autobleche verteilt, sie wochenlang dort stehen lassen und anschließend den Umweltbehörden zur Analyse übergeben. Dort sei nachweislich herausgekommen, dass Arcelor-Mittal nicht der Verursacher sein könne.

Unternehmen bezahlte Reinigung

Die WAZ erfuhr aus Anwohnerkreisen jedoch, dass das der Stahlhersteller über Monate die Säuberung bzw. Reinigungsversuche der verschmutzten Pkw finanzierte. Ein Autoreinigungsunternehmen in Beeck hätte diese Arbeiten übernommen. Aber warum sollte ein Unternehmen diese Kosten übernehmen, wenn es als Verursacher doch angeblich nicht in Frage kommt? „Wir haben nur in der Phase bezahlt, bis die Testergebnisse vorlagen. Das haben wir aus Kulanz übernommen – quasi als Zeichen von guter Nachbarschaft“, sagte Guzinski. Mit dem Tag, als Arcelor-Mittal als möglicher Verursacher ausschied, habe man diese Aktion beendet.

Um die eigene Unschuld nochmals zu beweisen, habe Arcelor-Mittal Anfang 2012 ein weiteres Gutachten erstellen lassen – in einem neutralen Labor. Das kam zu dem Ergebnis, dass Salz und Natrium die Auslöser der Lackschäden seien. „Und dieser Materialien kommen in unserem Produktionsprozess nicht vor“, so Guzinski. Ein zweites Gutachten zur nochmaligen Bestätigung sei bereits auf dem Weg.

Alles das hilft Manfred Both vorerst nicht weiter. Der Lack seines Skoda ist hin. Er will ihn jetzt sogar verkaufen.

Thomas Richter

Kommentare
23.08.2012
09:50
Lackschäden auf PKW in Duisburg geben Rätsel auf
von usc.family | #4

Also das kommt auch in Friemersheim vor ich war selber betroffen, habe mich dann mit HKM in Verbindung gesetzt dort kann man sich am TOR1 melden. Das Auto wird begutachtet und die Reinigung wird bezahlt. Bei uns stellen wir vermehrt starken Metallstaub fest wenn der Wind aus Richtung HKM kommt.

22.08.2012
10:12
Immer mehr ominöse Lackschäden in Meiderich und Ruhrort
von haesener | #3

Seit Jahren läßt sich der Verursacher so ortsnah nicht ermitteln? Wer soll so eine Aussage ernsthaft glauben?
Ich bin sicher kein Fachmann, aber was Autolack ätzt, kann für Menschen nicht gut sein!

22.08.2012
08:15
Immer mehr ominöse Lackschäden in Meiderich und Ruhrort
von Athene | #2

Ich bin eine Beschwerdeführerin des Jahres 2010. Bisher habe ich vom Umweltamt Duisburg gar keine Reaktion erfahren. Bereits bei meinem Beschwerdeanruf hatte ich das Gefühl, dass mein Gersprächspartner so gar keine Lust hatte "aktiv" zu werden. Mein nagelneuer Schwarzer Golf wies massive Lacjschäden auf. Die zu beheben war recht teuer.
Seit diesem ersten Vorfall hatte ich noch zweimal massive Lackschäden. Das Umweltamt habe ich nicht mehr bemüht. Warum? Mit Floskeln wollte ich mich nicht auch noch nach einem Schaden telefonisch abspeisen lassen.
Wofür diese Organisation Duisburger Umweltamt da ist, frage ich mich schon lange. Um Umweltfrevler zu ermitteln sicherlich nicht. Ich wäre für die ersatzlose Streichung dieses unfähigen Amts, das nach nunmehr zwei Jahren noch nicht mal die Lackschäden in unmittelbarer Nähe unserer Großindustrie "Ermitteln" kann.
Ich habe auch Angst, was dass Zeug, das des Nachts uns Duisburger beglückt, in Wahrheit in unseren Körpern anrichtet!

22.08.2012
07:38
Immer mehr ominöse Lackschäden in Meiderich und Ruhrort
von ewigermahner | #1

Das Verschmutzungsproblem ist seit Jahren bekannt. Diese chemische Reaktion der Industrieemissionen mit dem Autolack resultiert natürlich aus der in Ruhrort/ Meiderich ansässigen Schwerindustrie. Die Beseitigung kostet in einem versierten Betrieb in Beeck ca. 100 Euro. Die machen das mit Chemie. Dieses Geld ist gut investiert und fällt bei den Gesamtkosten beim Autounterhalt kaum ins Gewicht.

2 Antworten
Immer mehr ominöse Lackschäden in Meiderich und Ruhrort
von uetti | #1-1

Ich finde es ist schon ein Unterschied ob ich mein Auto für 6 oder 100 Euro waschen lasse! Machen Sie grade Werbung für die Waschanlage in Beeck?

Immer mehr ominöse Lackschäden in Meiderich und Ruhrort
von Athene | #1-2

Bisher habe ich jedesmal 250€ bezahlt! Wenn sie eine billigere Lösung kennen, wäre ich für den Tipp äußerst dankbar!

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