Kunterbuntes Deutschlernen in Duisburg

Eine besondere Herausforderung für die jungen Nachwuchsschauspieler: Der Streit der Farben, hier zanken sich Rot und Gelb, wird nicht nur ohne Gewalt, sondern auch ohne Lärm ausgefochten –  ausschließlich mit Gesten.
Eine besondere Herausforderung für die jungen Nachwuchsschauspieler: Der Streit der Farben, hier zanken sich Rot und Gelb, wird nicht nur ohne Gewalt, sondern auch ohne Lärm ausgefochten – ausschließlich mit Gesten.
Foto: Stephan Eickershoff
Was wir bereits wissen
Beim Sprachcamp für Kinder aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien bringt Theaterpädagogin Angelika Buballa „Die Königin der Farben“ auf die Bühne.

Duisburg..  Kinderstimmen zählen laut von Fünf herunter, dann erklingt die Musik aus dem kleinen Ghettoblaster. Die Generalprobe beginnt.

Rund 20 Grundschüler aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien verbringen ihre Ferien beim Sprachcamp in Hüttenheim. Theaterpädagogin Angelika Buballa und ihr Team haben sich für die Teilnehmer von der Grundschule Wanheim ein Theaterprojekt ausgedacht: Sie werden das Kinderbuch „Königin der Farben“ von Jutta Bauer auf die Bühne bringen.

Dafür sind sie bereits seit anderthalb Wochen fleißig gewesen, haben Texte geschrieben, sich Tänze und Choreographien ausgedacht und gemeinsam das Bühnenbild, ein buntes Schloss, gemalt.

Sprachkenntnisse haben sich verbessert

Zu ihrer letzten Probe in den Räumen des Caritasverbands an der Mündelheimer Straße ist Uwe Becker vom Jugendamt dazugekommen. Er betreut alle sieben Sprachcamps in Duisburg, jetzt ist er das Publikum – das spornt die Nachwuchsschauspieler besonders an.

„Die Kinder haben viel bei dem Projekt gelernt“, freut sich Angelika Buballa. Nicht alle konnten zu Beginn schon gut Deutsch, doch die Gruppe, die sich anfangs noch oft mit Händen und Füßen verständigen musste, könne sich nun recht gut unterhalten, sagt die junge Frau. „Aber nicht nur in Deutsch, auch im Sozialverhalten haben sie viele Fortschritte gemacht, das finde ich viel spannender. Sie sind stark zusammengewachsen und haben gemerkt, dass es wichtig ist, respektvoll miteinander umzugehen.“ Dem Gruppenzusammenhalt hilft zudem, dass die Schüler sich entschlossen haben, beim Stück keine Hauptrollen einzusetzen. Dominant ist zwar die Königin der Farben, aber sie ist nur als Stimme dabei. „Alle spielen die Königin – auch die Jungs“, sagt Buballa und lacht. Für die Projektleiterin, die bei Proben außerdem eine Souffleuse und Vortänzerin ist, ist das Sprachcamp ein voller Erfolg.

Darsteller sind stolz auf sich

„Es macht uns hier sehr viel Spaß“, sagt die achtjährige Khaouater, und die übrigen Kinder, die aus Syrien, Albanien und Ghana kommen, bestätigen das. Ihre Euphorie ist überdies zu sehen, wenn sie die Rollen der unterschiedlichen Farben verkörpern.

Blau ist sanft und mild und erfreut die Königin, indem es in einem Tüchermeer tanzt. Dagegen ist Rot wild, schnell und gefährlich und tritt zu Hip-Hop auf, während die Mitglieder von Gelb fröhlich sind und Bauchtanz zu orientalischen Klängen zeigen. Bei so unterschiedlichen Wesenszügen ist Streit in der Farbenwelt natürlich unvermeidlich. Für die Darsteller jedoch ist ungewöhnlich, dass dieser Knatsch leise ausgetragen wird, nur mit verhöhnenden Gesten. Schließlich muss das Publikum ja den Erzähler noch verstehen können.

Dass bei der Generalprobe nicht alles perfekt läuft? Geschenkt! „Die Kinder sind alle total stolz auf sich, weil sie das Stück komplett selbst entwickelt haben“, sagt Angelika Buballa. Und Uwe Bauer, der sichtlich Freude daran hat, der Probe als Publikum beizuwohnen, sagt voraus: „Die Familien und Freunde werden ganz sicher nach der Aufführung ebenfalls stolz sein.“