Kunstgottesdienst über umstrittene David-Skulptur in Duisburg

Kunstgottesdienst zur David-Skulptur in der Salvatorkirche in Duisburg: Über die Ästhetik der Figur gehen die Meinungen auseinander. Foto: Hayrettin Özcan
Kunstgottesdienst zur David-Skulptur in der Salvatorkirche in Duisburg: Über die Ästhetik der Figur gehen die Meinungen auseinander. Foto: Hayrettin Özcan
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Was wir bereits wissen
Die grelle David-Figur vor dem Lehmbruck-Museum polarisiert. Ein Kunstgottesdienst setzte sich nun mit der Skulptur auseinander. Museumsdirektor Raimund Stecker erklärt: „Er ist nicht nur Dekoration, sondern hat auch eine gewisse Inhaltlichkeit“.

Duisburg.. David polarisiert. Zu groß, zu grell, zu bunt, sagen die einen. Ein echter Hingucker in bester Innenstadtlage, sagen die anderen. Welche Meinung man auch von Hans-Peter Feldmanns Skulptur vor dem Lehmbruck-Museum haben mag, sie weckt zumindest Interesse an der bildenden Kunst.

Doch welche Geschichte steckt hinter der biblischen Figur Davids? Wie ist sie zu verstehen im aktuellen Zeitgeschehen? Ein Kunstgottesdienst in der Salvatorkirche setzte sich am Sonntag mit der Skulptur auseinander, Lehmbruck-Chef Raimund Stecker selbst gab Interpretationsansätze.

Skulptur der westlichen Neuzeit

„Die richtige Seite täglich zu erinnern - auch dafür steht der wunderschöne Blonde seit einem Jahr in Duisburg“, sagte Stecker in seiner Rede. Am Samstag jährte sich der Einzug Davids in die Duisburger Kulturlandschaft zum ersten Mal, und Stecker ist von ihm überzeugt wie am ersten Tag: „Der David Michelangelos ist die Skulptur der westlichen Neuzeit“, sagte der Leiter des Lehmbruck-Museums. „Hans-Peter Feldmann hat die Formen noch einmal geschönert, also in unsere bunte Gegenwart transformiert.“

Die bunte Farbe als Bezug zu unserem heutigen Leben? Davids biblische Geschichte ist bekannt. Der Schwache, vermeintlich Unterlegene siegt im Kampf gegen den Riesen Goliath. Dieser hatte David verhöhnt, fällt am Ende jedoch durch sein eigenes Schwert.

Geschichte Davids mache Mut

„Die Geschichte ist sehr plastisch und bunt geschrieben“, so Pfarrer Peter Krogull. Der Text sei kein Tatsachenbericht. Doch die Figur Davids mache Mut auch in Zeiten vermeintlicher Ohnmacht. Und: „Die knallige Farbe der Skulptur erinnert an die blumigen Worte der Geschichte. Worte, die über sich hinauswachsen.“

Raimund Stecker betonte in seiner Rede die Strahlkraft Davids bis in die Gegenwart. „Er ist nicht nur Dekoration, sondern hat auch eine gewisse Inhaltlichkeit“, sagte er. So zeige sein Schicksal auch, dass „goliathähnliches rhetorisches Aufrüsten zwar demütigen kann“, aber nicht zwangsläufig zum Erfolg führe.

David hingegen stehe dafür, aufzubegehren und zu den Seinen zu stehen. „Duisburg hat also nicht nur irgendeine neue bunte Skulptur bekommen, sondern die Aktualisierung einer zeitlosen Symbolik aus dem Geiste der Bibel.“

Meinungen zur Ästhetik der Skulptur gehen auseinander

Kantor Marcus Strümpe begleitete den Gottesdienst an der Orgel, er spielte die biblische Sonate „Der Streit zwischen David und Goliath“. Einen wirklichen Streit um die Ästhetik der Skulptur gab es nicht, dafür die unterschiedlichsten Meinungen.

Raimund Steckers Meinung ist klar: „Davids Schönheit kommt von innen - sie ist ethisch fundiert.“ Der ein oder andere Besucher sieht die David-Skulptur nach dem Kunstgottesdienst nun vielleicht in einem etwas anderen Licht.