Kunst im Kohlekahn - Theaterschiff kommt in den Ruhrpott

Eigentümer Frank Lion an Deck der "Maria-Helena". Das Theaterschiff geht regelmäßig auf Tournee.
Eigentümer Frank Lion an Deck der "Maria-Helena". Das Theaterschiff geht regelmäßig auf Tournee.
Foto: dpa
Vom Heimathafen Saarbrücken aus geht die "Maria Helena" regelmäßig auf Tournee. Nun schippert das Theaterschiff entlang der Kohleroute ins Ruhrgebiet.

Saarbrücken/Duisburg.. "Leinen los", heißt es in diesen Tagen für das Theaterschiff "Maria Helena". Dort, wo einst Stahl, Getreide oder auch Bier lagerten, wird heutzutage geistige Kost dargeboten. Diesmal geht es für den ganz besonderen Kahn mit Heimathafen Saarbrücken auf eine Tour über Saar, Mosel Rhein und Ruhr. Laut Eigner Frank Lion steht dem Schiff dabei mit rund 600 Flusskilometern die bisher längste Strecke als Theaterkahn bevor.

Bis Mitte Juli schippert die "Maria Helena" entlang der alten Kohle-Route, künstlerisch soll das industrielle Erbe des Saarlandes nach Lothringen, Luxemburg und Nordrhein-Westfalen transportiert werden. Den Auftakt bilden zwei Veranstaltungstage im Heimathafen Saarbrücken (Start 18.6.).

Mehr als 100 Jahre transportierte "Maria Helena" Kohle und Stahl

Insgesamt sind bei dem Projekt "Feuer und Stahl - Kino und Kunst im Kohlekahn" mehr als 62 Veranstaltungen an Bord oder an Anlegern geplant. Die Palette reicht von Filmvorführungen, Videoinstallationen und Lesungen bis hin zu Theaterperformances und Konzerten. Zu sehen gibt es nach Angaben von Projektleiter Michael Koob vom Saarländischen Filmbüro etwa historische Filmdokumente, aber auch eine szenische Lesung in Köln mit dem künftigen Dresdner "Tatort"-Kommissar Martin Brambach.

Für Ulrich Commerçon (SPD), Bildungsminister des einstigen Kohle-Landes an der Saar, ist das Projekt Teil des "industriekulturellen Erbes" der vom Bergbau geprägten Regionen. Es solle nicht ein "Rührstück folkloristischer Traditionspflege" sein. Vielmehr solle gezeigt werden, "was unsere Gesellschaft aus ihrer Vergangenheit gewonnen hat und für die Gestaltung der Zukunft lernen kann".

Für die 1911 gebaute "Maria Helena" dürfte die Fahrt kein Problem werden. "Sie hat schon längere Strecken zurückgelegt", berichtet Schiffseigner Lion. Mehr als 100 Jahre transportierte der Kahn Kohle, Getreide, Kies, Stahl oder Erbsen über französische Flüsse und Kanäle bis nach Lyon und Paris - erst als Treidelschiff, das von Pferden gezogen wurde, von 1955 an dann mit eigenem Motor.

Dritter Kapitän musste angeheuert werden

In ganz Deutschland liegen mehr als ein Dutzend Theaterschiffe. Genaueres weiß das auch der Bundesverband freier Theater nicht. Die "Maria Helena" sticht aus dieser Flotte heraus: Sie hat nach Erkenntnissen der Zulassungsbehörden als einzige einen Motor und kann somit aus eigener Kraft auf Tournee gehen.

Für die nun anstehende, lange Fahrt der betagten Péniche - das Wort beschreibt eine Klasse von Kanalschiffen - waren aber doch noch einige Vorbereitungen nötig. "Wir mussten in Luxemburg einen dritten Kapitän anheuern, der ein Patent für den Rhein hat", berichtet Lion. Die Mannschaft habe zudem überprüft, dass der Anker auch funktioniert - das sei auf dem Rhein Vorschrift. (dpa)