Kunst aus dem alten Schulgebäude

Die Sonne scheint über dem Atelierhaus Baerl. Deshalb verlegt Sigrid Beuting den Kursstunde kurzerhand nach draußen. Die Teilnehmer von „Malen und Zeichnen am Morgen“ tragen Leinwände, Farben und Pinsel in den Hinterhof und machen sich an die Arbeit. Auch Lilo Schmidt ist wieder nach Baerl gekommen. Sie gehört zu den Dauergästen im Atelierhaus. „Ich nehme schon seit über zehn Jahren an Kursen teil“, sagt die pensionierte Lehrerin.

Sie schätzt die vertraute Atmosphäre in Baerl und hat mittlerweile viele Freundschaften geschlossen. „Mir ist bei dem Kurs auch die soziale Komponente wichtig. Das sehen die anderen genauso. Und so treffen wir uns auch an anderen Tagen. Mal geht es gemeinsam ins Theater, mal besuchen wir als Gruppe Ausstellungen in der Umgebung“, sagt Schmidt.

Eröffnung im Februar 1982

Der VHS-Kurs und insbesondere Beuting haben in ihr zudem die Künstlerin zum Vorschein gebracht. Schmidt sieht bei allen Teilnehmern Woche für Woche Fortschritte. „Das liegt an Sigrid Beuting, die eine hervorragende Künstlerin und Pädagogin ist“, sagt die Rheinhauserin. Die gelobte Frau hat die Geschichte des Atelierhauses mitgeprägt. Im Jahr 1981 stand noch ein Abriss der Schule zur Debatte. Doch dann hatte der Duisburgs Kulturbeigeordnete Dr. Konrad Schilling eine Idee. Er wollte Künstler im Haus unterbringen, Sigrid Beuting sowie Klaus Kiel und Gabriella Fekete gefiel das Konzept. Sie zogen ein, mussten aber bis zur offiziellen Eröffnung noch einige politische Hürden umspringen. Am 6. November 1982 war es dann soweit.

Auch im 33. Jahr haben sich die Künstler aus dem Atelierhaus einiges vorgenommen. Ausstellungen etwa. Eine läuft gerade unter dem Motto „Kreative Volkshochschule“. Die Kunstkurse der VHS Duisburg-West zeigen ihre aktuellen Arbeiten noch bis zum 11. Juni in der Bezirksbibliothek Rheinhausen.

Erlös für ein Schulprojekt

Den 14. August hat sich Beuting derweil groß in ihrem Kalender eingetragen. Dann kommt Wolfgang Schmidt ins Atelierhaus. Der leistet gemeinsam mit seiner Frau Lenka humanitäre Hilfe im Kongo. Sie haben im Ort Mushapo eine Schule gebaut - über 300 Kinder lernen dort Lesen und Schreiben. Beuting unterstützt dieses Projekt durch ihre Kunst. Sie hat von den Erben des 1971 verstorbenen Malers August Oppenberg alte Druckplatten bekommen. Diese benutzen Beuting und ihr Kollege Maurice Allen Lee für weitere Kunstwerke, die sie in Baerl verkaufen. Der Erlös kommt dem Projekt in Mushapo zugute. „Uns das zu hundert Prozent“, betont Beuting. „Doppelte Freude“ heißt das Motto der Benefizaktion. „Wenn man sich Kunst für die eigenen vier Wände anschafft und dabei noch was Gutes tut, dann gibt es schließlich zwei Gründe zur Freude“, erklärt Beuting, die die Bildung im krisengeschüttelten Staat fördern will.

Aber auch die Bildung vor der eigenen Haustür liegt Beuting am Herzen. Deshalb veranstaltet sie auch 2015 wieder ein Jugendcamp für Elf- bis 18-Jährige. Vom 26. Juni bis zum 10. Juli sowie vom 27. Juli bis zum 7. August können sich die Teilnehmer mit den Bereichen Malerei, Foto/Video, Collage, Zeichnung, Skulptur und Text beschäftigen. Vom Atelierhaus geht es dann auch zu Exkursionen ins Museum und in die Bibliothek. Der Künstlerverband BBK Niederrhein, das Lehmbruck Museum und die Duisburger Bibliotheksstiftung fördern das Camp. 2015 steht es unter dem Motto „Mensch!!“

Seit mehreren Jahren leitet Beuting eine Malgruppe für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Zuletzt standen Bilder der Heimat in Gouache, Aquarell, Pastell und Acryl im Vordergrund. Die Ergebnisse der Malgruppe können Besucher in Duisburgs Kultur- und Stadthistorischem Museum bewundern. Seit dem 24. Mai läuft dort die Ausstellung „Heimat.Leben.Duisburg“. Es gibt also viel zu tun für Beuting und ihre Kollegen.