Kultur und Tanz im Schatten des Rathauses

Die türkische Gruppe „Antep Folklore“ aus Duisburgs Partnerstadt Gaziantep brachte selbst OB Sören Link dazu, das Tanzbein zu schwingen.
Die türkische Gruppe „Antep Folklore“ aus Duisburgs Partnerstadt Gaziantep brachte selbst OB Sören Link dazu, das Tanzbein zu schwingen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Samstag fand auf dem Alten Markt zum ersten Mal das „Fest der Partnerstädte“ statt. Parallel kamen Mittelalterfans beim historischen Bauernmarkt auf ihre Kosten.

Duisburg.. Es sind kuriose Szenen, die sich am Samstag Mittag hinter dem Duisburger Rathaus abspielten: Orientalisch gekleidete Tänzer, die in einem Kreis aufgestellt hin und her wippen. Sie tragen Gewänder, bunte Tücher um die Hüfte, die Frauen tragen große, mit Pailletten und Federn geschmückte Hüte.

Einer von ihnen schlägt immerzu auf die riesige Pauke, die über seiner Schulter hängt. Dazu bläst sein Gegenüber wie wild in ein Klarinetten-ähnliches Blasinstrument. Dann und wann schreien sie etwas in einer fremden Sprache. Und in der Mitte des Menschenrings: Oberbürgermeister Sören Link, der zugegeben etwas unbeholfen mit Hüfte und Armen wackelt.

Der Grund für den ungewohnten Anblick: Am Samstag fand das erste „Fest der Partnerstädte“ auf dem Alten Markt statt. Anlass für die feierliche Premiere waren das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft mit der litauischen Hafenstadt Vilnius sowie die zehnjährige Kooperation mit der türkischen Metropole Gaziantep, aus der übrigens Links Tanzpartner der 14-köpfigen Gruppe „Antep Folklore“ stammen.

Von Poesie bis hin zu Rockmusik

Doch die Besucher sahen natürlich nicht nur ihren Stadtchef in ungewohnter Rolle. Stände und Programme von Vertretern der beiden Partnerstädte boten Interessierten die Möglichkeit, kulinarische Köstlichkeiten aus der Türkei zu testen, sich mit den Gästen aus der Ferne auszutauschen oder gespannt den Bühnendarbietungen zu folgen. Die reichten von Poesie über Rockmusik bis hin zu einem Solo eines Akkordeon-Weltmeisterschaftsteilnehmers aus Vilnius.

Ela Michaels ist mit einer Freundin zu dem Fest gekommen. Und sie ist begeistert: „Das Programm ist super. Ich finde es sehr schön, andere Kulturen auch mal aus der Nähe kennenzulernen.“

"Brücken schlagen zwischen Feinden"

Wie wichtig die insgesamt neun Städtepartnerschaften für Duisburg sind, weiß OB Link genau: „Viele dieser Kooperationen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. Da hieß es Brücken schlagen zwischen Feinden. Diese sind mittlerweile unsere Freunde geworden.“ Gerade solche gemeinsamen Events würden diese Zusammenarbeit immer weiter fördern. „Freundschaften bringen auf dem Papier wenig. Sie müssen auch gelebt werden“, erklärt der OB.

Der hatte übrigens keineswegs einen entspannten Samstag. Denn um 14.30 Uhr führte Link selbst Bürger im Rahmen des „Tags der offenen Rathaustür“, der parallel stattfand, durch die Hallen seines Arbeitsplatzes. „Da habe ich meinen Schreibtisch gestern Abend lieber noch einmal besonders gründlich aufgeräumt“, erzählt der 39-Jährige mit einem Schmunzeln.

Mittelalterlicher Flair beim historischen Bauernmarkt

Gaukler, Barden und Puppenspieler: Mancher Passant blickte etwas verwundert drein, als er an diesem Wochenende auf den Rathausvorplatz schaute. Denn wo normalerweise parkende Autos stehen, waren am Samstag und Sonntag im Rahmen des siebten historischen Bauernmarktes mittelalterlich Zelte aufgebaut.

Ob Kulinarisches aus vergangenen Zeiten, Bogenschießen oder Wahrsagerei oder historische Live-Musik mit Sackpfeifen, Trommeln und Zithern – das Angebotsspektrum des Markts, der 2008 zum 600-jährigen Jubiläum der Duisburger Wochenmärkte erstmalig stattfand, bot nicht nur für Fans der Szene gute Unterhaltung.

Trotzdem sorgten natürlich die zahlreichen Händler und Besucher in altertümlicher Kleidung wie Schnürhemden, abgewetzten Gamaschen und dicken Stiefeln noch zusätzlich für den passenden Flair.

Rolf Abendrot ist einer von ihnen. Er trägt Kilt, eine typisch schottische Balmoral-Mütze und einen langen grauen Bart. Vor ihm prangen allerlei Waffen in einer Holzhalterung. „Das sind Replika von berühmten Schwertern“, erklärt der Rentner, der in den Highlands geboren wurde und seit 1963 in Deutschland lebt. Zu allen kennt er die genaue Geschichte. Die gibt er an die Besucher weiter, darum ist er hier. „Mittelaltermärkte mache ich seit etwa vier Jahren mit. Ich will die Historie meines Landes an interessierte weitertragen,“ so der Mülheimer. Abendrot, der von Freunden nach Duisburg eingeladen worden ist, ist erfreut über die Popularität der Veranstaltung; „Den Markt hier finde ich toll, auch weil er so zentral gelegen ist. Da schauen viele Kulturbegeisterte vorbei!“