Künstlerische Streifzüge durchs (un)bekannte Duisburg

Martin Gensheimer, Elisabeth Höller, Fee Brandenburg, Werner Muth und Stacey Blatt präsentierten die zweite „Streif“-Ausgabe im Keller der St.-Joseph-Kirche am Dellplatz.
Martin Gensheimer, Elisabeth Höller, Fee Brandenburg, Werner Muth und Stacey Blatt präsentierten die zweite „Streif“-Ausgabe im Keller der St.-Joseph-Kirche am Dellplatz.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die zweite Ausgabe der Kulturzeitschrift „Streif“ ist erschienen, in der es um „Duisburg – Eine Stadt und ihre Geschichten“ geht. 27 Autoren und Künstler wirkten mit.

Duisburg.. Mit einer Auflage von 550 Exemplaren, von denen 250 verkauft worden sind, war die erste Ausgabe der Kulturzeitschrift „Streif“ kein Bestseller. Aber auf die einschlägigen Listen schielen Herausgeber, Autoren und Künstler ohnehin nicht. Sie schauen vielmehr unter die Oberfläche von Menschen und Orten – dorthin, wo nicht nur in Duisburg Entdeckungen gemacht werden können. Glücklicherweise ist auch die zweite Ausgabe von „Streif“, die von 54 auf 70 Seiten gewachsen ist und mit 27 Mitwirkenden elf mehr als 2014 zählt, nicht als Geschäftsmodell geeignet. Dafür liefert sie zu wenig Glattes, eben manches Raue, Schräge, Sperrige. Die Herausgeber Holger Albertini, Stacey Blatt, Martin Gensheimer und Elisabeth Höller sind ebenso ehrenamtlich aktiv wie die Autoren und Künstler, deren Beiträgen die Zeitschrift mit dem Untertitel „Duisburg – Eine Stadt und ihre Geschichten“ ausmachen.

Wieder haben die Herausgeber, die selbst in der Kulturszene aktiv sind, etablierte und junge Mitwirkende gewonnen, zum Teil auch zusammen gebracht, weil ihre Arbeiten ein interessantes Aufeinandertreffen versprachen. Zum Beispiel den 1949 in Marxloh geborenen Lyriker Werner Muth mit der 1995 in den USA geborenen Abigail West, die als Austauschschülerin am Steinbart-Gymnasium auch Gastkünstlerin im Atelierhaus Hafenkult war. Sein schön spöttisches Gedicht über Stars, die ihre Kinder nach Orten nennen (er aber statt Paris oder Brooklyn für einen Sohn Meiderich vorschlägt), trifft etwa auf eine der bemerkenswerten Skizzen des Landschaftsparks von Abigail West.

O-Töne für ein MSV-Fangedächtnis

Trockener Revierhumor setzt die Pointe bei Helmut Loevens Geschichte „Pommeswalther weiß zum Glück Bescheid“, dazu zeigt das Foto von Susan Feind fettig-fröhliche Pommesbuden-Idylle.

Von der erfolgreichen Poetry-Slammerin Sandra Da Vina stammt die Geschichte einer seltsamen Liebe („Dino Love“), hinter Kees Jaratz verbirgt sich der „Zebrastreifenblogger“ Ralf Koss, der O-Töne für ein MSV-Fangedächtnis sammelt. Die Erinnerungen von Hans F. (Jahrgang 1939) hat er unter dem Titel „Zum Glück ist Wacker nicht der Spielverein“ aufgezeichnet.

Fee Brandenburg unternimmt einen Streifzug durch Duisburg in ihren „Mobile Drawings“ – Zeichnungen, in denen sie Eindrücke festhält und mit Texten kombiniert.

Wer die freie Duisburger Kulturszene näher entdecken möchte, hält sie an die „fünf Orte, die Duisburg cool machen“, so die Herausgeber, die aufzählen: der Laden Syntopia in Hochfeld, die Buchhandlung Weltbühne in Neudorf, der Kunstraum Hong Kong Derrick Barge in Hochfeld, das Lokal Harmonie in Ruhrort und den Keller der St.-Josefs-Kirche am Dellplatz, alle gezeichnet von Friederike Huft.

Für 7 Euro im örtlichen Buchhandel

Die Zeitschrift, die gefördert wird vom Kulturbeirat, der Sparkasse und „Pro Duisburg“, wird besonders im örtlichen Buchhandel nachgefragt. Sie ist erhältlich für 7 Euro in folgenden Buchhandlungen: Scheuermann am Sonnenwall, Mayersche im Forum, Flummi in Duissern, Tausendundein Buch, Heinrich Heine und Weltbühne in Neudorf, Was Ihr wollt in Buchholz, Lesezeichen in Hamborn, Filthaut in Meiderich und Bücherinsel in Rheinhausen. Außerdem gibt es „Streif“ im Lehmbruck-Museum, im Stadtmuseum, im Binnenschifffahrtsmuseum, im Ruhr-Visitorcenter im City-Palais, bei Onkel Stereo im Dellviertel und im Café Glück in der Altstadt.