Kröten und die große Freiheit – Fragen um Deal vor der Loveparade
10.02.2012 | 20:07 Uhr 2012-02-10T20:07:00+0100
Duisburg. Für die „Duisburger Freiheit“ liegt der Stadt ein Antrag auf einen Baustopp vor. Auf der Mega-Baustelle sollen Kröten und Fledermäuse leben. Als die Bäume und Büsche für die Loveparade gerodet wurden, geschah dies offenbar ohne die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung des Artenschutzes.
Für die „Duisburger Freiheit “ liegt der Stadt ein Antrag auf einen Baustopp vor. Gestellt hat ihn Kornelia Hendrix, die sich als Vorsitzende von „Never Forget“ für den Erhalt der Loveparade-Gedenkstätte eingesetzt hat. Ihre Begründung: „Auf dem Gelände befinden sich (unterirdisch) Kröten und andere seltene Lebensformen, die erhalten bleiben müssen. In den Hallen sollen zudem Fledermäuse ihren Lebensraum gefunden haben“, schreibt sie an Stadtdirektor Peter Greulich.
Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. Es gebe zur Zeit keine rechtsgültige Genehmigung zum Abriss oder Neubau auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs, teilt sie auf Nachfrage der NRZ mit. Erst wenn der Bebauungsplan offen gelegt werde, sei auch der Artenschutz Thema, Bürger könnten dann Stellungnahmen abgeben. Für den laufenden Straßenbau dagegen gebe es Planungsrecht, der Artenschutz sei berücksichtigt.
Dass kleine Tiere große Pläne stoppen können, ist nicht abwegig: Ein für den Besuch von Papst Benedikt beim Weltjugendtag in Köln geplanter Hügel musste wegen eines Kiebitzes woanders aufgeschüttet werden, eine seltene Fledermausart verzögerte den Bau der Elbbrücke in Dresden.
Das Dreieck: OB Sauerland, Aurelis und Lopavent
Über einen vorherigen Verstoß gegen das Planungsrecht spricht indes niemand mehr: Als die Bäume und Büsche am Güterbahnhof für die Loveparade im Januar 2010 gerodet wurden, geschah dies offenbar ohne die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung des Artenschutzes. Der Einzige, der das zum Thema machte, war Johannes Meßer, Vorsitzender des Beirat der Unteren Landschaftsbehörde. Als der Beirat informiert wurde, war der Wald auf der Industriebrache bereits verschwunden. Meßer zweifelte, dass die erst danach angesetzte Prüfung rechtlich überhaupt „haltbar“ sei.
Bei der Prüfung geht es im Endeffekt auch weniger um die Natur als vielmehr ums Geld. Für Tiere und Natur, die dort weichen müssen, werden Ausgleichszahlungen oder Ersatzpflanzungen fällig. Die Fragen der NRZ, warum diese Prüfung nicht erfolgte, konnte die Stadt innerhalb von zwei Werktagen nicht beantworten. Dafür müsse „umfangreiches Aktenmaterial“ gesichtet werden, hieß es gestern Mittag aus dem Rathaus.
Fest steht: Zum Jahreswechsel 2009/2010 war Eile geboten, das Areal musste für die Loveparade geebnet werden. Zu dieser Zeit stehen die Vorgänge auf dem Gelände in einer Dreiecksbeziehung zwischen OB Sauerland , Eigentümer Aurelis und Übergangs-Nutzer Lopavent.
OB Sauerland und die Stadt hatten sich bereits 2007 in der Rahmenvereinbarung für die Loveparade verpflichtet, dass sich „Strecke und Ort der Abschlusskundgebung ... in verkehrssicherem und veranstaltungsgeeigneten Zustand befinden“ und so an Lopavent übergeben werden müssen. Doch in Duisburg fand sich keine öffentliche Fläche, nach langer Suche blieb nur das im Privatbesitz der Aurelis befindliche Güterbahnhofs-Areal. Aurelis aber wollte das Gelände nur so weit vorbereiten, wie es für einen späteren Verkauf nötig ist. Mit dieser „Baufeldfreimachung“ begann das Unternehmen im Januar 2010, weil die Abholzung nur bis Ende Februar zulässig ist. Die Stadt aber stand Lopavent gegenüber in der Pflicht, durfte jedoch für die Loveparade kein Geld ausgeben.
Plötzlich war Aurelis äußerst spendabel
Die Katastrophe mit 21 Toten beschäftigt Opfer und Ermittler, Behörden und Bürger. Die haben Adolf Sauerland als OB abgewählt. Aktuelle und ausgewählte Artikel, Videos und Fotos zum Bürgerentscheid und zur Aufarbeitung der Loveparade finden Sie auf unseren Spezialseiten.
Warum Aurelis dann später doch den nach eigenen Angaben „hohen sechsstelligen Betrag“ für die Aufschotterung übernahm, bleibt unklar. Von Nutzer Lopavent erhielt Eigentümer Aurelis jedenfalls keine Miete, wie Aurelis-Geschäftsführer Joachim Wieland der „Zeit“ sagte: Man habe sich aber versichern lassen, dass man von der Haftung befreit ist. Aurelis habe das Gelände für die Party hergerichtet und am 12. Juli 2010 an Lopavent übergeben.
OB Sauerland hatte es damit geschafft, die Auflage der Rahmenvereinbarung von 2007 an Aurelis weiterzugeben, was in einer „Durchführungsvereinbarung“ zwischen Aurelis und Lopavent verankert wurde. Offen bleibt, warum sich das Unternehmen gegenüber der Stadt so spendabel gezeigt hat.
Noch vor der Loveparade, im Mai 2010, geht dann bekanntlich der Grundstücks-Deal über die Bühne, der in Duisburg für Aufsehen sorgt: Aurelis verkauft den Großteil der Duisburger Freiheit an Kurt Krieger. Der Berliner Unternehmer will Möbelhäuser bauen, was der Planung von Star-Architekt Foster mit den Wohn- und Bürokomplexen eher widerspricht. Heute sind die Proteste aus der Politik so weit verstummt, dass inzwischen die Offenlage des Bebauungsplans vorbereitet wird. Die offenen Fragen zu diesem Grundstücks-Deal stehen zurecht weit im Schatten der Katastrophe und ihren Ursachen. Womit man sich derzeit höchstens noch beschäftigt, sind Fledermäuse und (unterirdische) Kröten.

22:12
Sie sehen sich als Aktivisten. Politische Aktivisten?
SIE interessiert der Artenschutz?
Ich dachte Sie hielten viel vom Sozialdarwinismus.
Es gibt kein Rohn - und - Hendrix. Biologische Gesetze lassen sich auf die menschliche Gesellschaft nicht übertragen. Daher halte ich vom Sozialdarwinismus genau so wenig wie von Ihrer Polemik.
22:06
Sie sollten fragen, weshalb Foster überhaupt beauftragt wurde und offenlegen wie dieser bezahlt wurde. Geschah das nur aus wahlpropagandischen Gründen?
Es muss einen Deal gegeben haben zwischen Stadt-Aurelis-Krieger. Was erhielt Aurelis im Gegenzug dafür? Wo kamen Sie herum? Was hatte die Stadt davon, bzw. deren Macher Sauerland und Greulich?
Erkundigen Sie sich, welche Arten es dort hätte geben können und wie der übliche Vorgang ist bei einer 30 Jahre alten, leeren Brache inkl. Tümpel!
Es gibt ein Interview mit Hr. Geist (Aurelis DU) bei xtranews.
11:37
Bei der Kröte, die da unterirdisch werkelt, handelt es sich da etwa um Frau H. persönlich? Übrigens kann jetzt ja auch keine Gedenkstätte mehr errichtet werden, weil ich persönlich auf dem vorgesehenen Areal höchstpersönlich den Hirnschwachen Medienstelzling (Microcephaloidus Miediocratus) entdeckt habe, der sich gewöhnlich lichtscheu verhält und nur bei Anwesenheit von Pressevertretern und Blitzlichtern aus seinem Versteck kommt. Ich habe bereits Baustopp beantragt...
Die Gerichte werden notfalls über den Artenschutz auf dem Gelände entscheiden und keine platte Polemik.
06:14
Meiner Vorrednerin kann ich nur zustimmen. Ich finde es dazu nicht gut, dass Mitglieder aus Herrn Hagemanns Verein das Thema auf die Loveparade umbiegen wollen und dabei Befürworter des Artenschutzes persönlich hier angreifen.
03:40
..zu 1517.19.20-21
Wie es der Artikel aussagt,geht es hier um den Artenschutz,und ich kann nicht glauben,das es vielen Menschen so gleichgültig ist ,was dort vernichtet werden soll.
Ich bin Tierschützerin,und setze mich für alle Lebewesen ein!
Ich finde den Einsatz von Frau Hendrix sehr Lobenswert,daran sollten sich einige ein Beispiel nehmen!
23:56
Es ist nicht zu glauben, wie publicitygeil manche Leute sind!
22:44
......und vergesst mir nicht den Stadtwerketurm. Darauf lebt und nistet auch ein Falke der unter Naturschutz steht.
Das da bei der ganzen Naturschützerei noch keiner was zu gesagt hat...........
21:12
Frau Hendrix und Herr Rohn....ein Tandem, was mal zusammen fährt aber auch dann wieder zusammen im Morast steckenbleibt. Kröten und Fledermäuse sind nun ihre letzte Hoffnung auf Mitsprache in dieser wichtigen Angelegenheit. Beide sind sie nicht mehr ernst zu nehmen, zu oft, gerade Herr Jürgen R., änderte seine Ansichten und Meinungen wie andere ihre Wäsche. Sein Lobgesang auf die einstig von ihm so gescholtene Frau ist nur allzu menschlich durchsichtig und dient der LOPA-Aufarbeitung in keinster Weise!
Frau Hendrix versucht, wie stets, nach allen Aufmerksamkeits-Strohhalmen zu greifen, die sich ihr bieten. Ihre Zeit in dieser Sache ist allerdings vorbei. Nun mit Herrn Rohn zusammen die Baustopp-Keule zu starten, macht sie unglaubwürdiger als je zuvor!
Ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen, der Verletzten und nicht zuletzt des Vereins, der diese menschen bisher gut und richtig unterstützt hat. Herrn Hagemann hier anzugreifen zeigt nur auf welchem dünnen Argumentationseis sich Hendrix und ihr Unterstützer Rohn sich befinden. Beide aber sind schon längst kläglich gescheitert. Sie wollen es allerdings nicht wahrhaben!
Mehr zu dem Thema unter:
http://kriegerbau.wordpress.com/
20:23
Zum 187 mal... Wem gehört das Grundstück?! Herrn Krieger! Also kann er machen was er will und die Gesetzeslage erlaubt.
Diese lächerlichen Naturargumente sind ein Witz. Lasst den Investor endlich bauen... Nach der Sache mit Möbel Ostermann hätte ich die Fläche eh 15 Jahre lang verrotten lassen nur um den Kommunalgöttern mal aufzuzeigen das es so nicht geht....
Herr Krieger wird eine Lösung finden, zusammen mit den Familien. Und da braucht sich kein "Opferverband" einzumischen.
Und die idiotische IHK kann sich ihre lächerlichen Gutachten sparen, in welchen sie versucht Herrn Krieger die Sortimentsfläche zu beschränken....
Das ist einfach eine Blockierpolitik wie es schlimmer nicht mehr geht....
Was Herr Krieger auf dieser Fläche machen darf, bestimmt die Politik und die Verwaltungsbehörde, indem sie die Bebauungspläne abnicken. Und möglicherweise sprechen die Verwaltungsgerichte jetzt mit. Denn der Artenschutz hat einen hohen Stellenwert.
Herr Krieger schultert den Bau nicht alleine sondern braucht Gelder von Dritten. Mit Sicherheit gibt es Vorverträge, wenn er 2013 bauen will. Die Zeit hat er nicht, etwas auszusitzen, denn jeder Tag kostet Zinsen.
Man sollte also das Problem vernünftig angehen. Das liegt im Interesse aller Beteiligten.
15:56
DA soll man auf Kröten rücksicht nehmen,in Hamborn nimmt man auch keine
rücksicht auf 1000 Menschen,wenn ein Parkplatz gebaut werden soll.
Duisburg ist eine verdrehte Welt.
Sie müssen bei "man" schon etwas konkreter werden. Außerdem vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.