Das aktuelle Wetter Duisburg 16°C
Großveranstaltungen

Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor

29.07.2010 | 17:43 Uhr
Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor
Sami Durak ist gelernter Veranstaltungskaufmann und Fachdozent. Foto: Gerd Wallhorn/WAZ FotoPool

Duisburg.Veranstaltungskaufmann Sami Durak kann die Forderungen nach einem TÜV für Großveranstaltungen nicht verstehen. Er kritisiert, die Loveparade-Planer hätten exakte, bereits existierende Vorgaben schlicht nicht eingehalten.

Nach der Loveparade-Tragödie wird die Forderung nach einem „Großveranstaltungs-TÜV“ gestellt. Der Duisburger Veranstaltungskaufmann Sami Durak kann diese Forderung insofern nicht nachvollziehen, da in Nordrhein-Westfalen eine Sonderbauverordnung gilt, die auch die Versammlungsstätten-Verordnung enthält.

Die letzte Fassung stammt vom 17. November letzten Jahres. „Diese Verordnung beinhaltet exakte Vorgaben zu Rettungswegen, Personenzahl pro Quadratmeter etc.“ Die Verordnung sei aufgrund jahrelanger Erfahrung erstellt worden. „Was wir meines Erachtens nach bräuchten ist kein Großveranstaltungs-TÜV und dergleichen, sondern vielmehr die Sicherheit, dass größere Veranstaltungen von Fachleuten betreut werden, die auch in der Tat welche sind“, sagte Sami Durak im Gespräch mit der WAZ.

Keine Fachleute beim Loveparade-Veranstalter?

Der Duisburger Veranstaltungskaufmann ist nebenberuflich als Fachdozent in Dortmund und Essen tätig. „Die Sicherheit auf den Veranstaltungen ist immer ein großer Themenblock und auch prüfungsrelevant für Veranstaltungskaufleute.“ Er kritisiert damit den Loveparade-Veranstalter, bei dem es diese Fachleute offensichtlich nicht gegeben habe.

„Ich erinnere mich im Vorfeld der Loveparade an ein TV-Interview mit dem Pressesprecher, der auf die Frage, ob das Gelände geeignet sei, sinngemäß antwortete, dass bisher noch nie ein Gelände geeignet gewesen sei. Das ist meines Erachtens schon genügend Beleg dafür, dass hier höchst unprofessionell, mindestens grob fahrlässig, wenn nicht sogar kriminell agiert wurde.“ Als Fachdozent gebe man sich in der Ausbildung alle Mühe, die Versammlungsstätten-Verordnung solange „durchzukauen“, bis sie auch der Letzte verinnerlicht habe.

Akribie ist zwingend notwendig

Dabei komme auch aus den Reihen der Auszubildenden oft die Frage, ob man sich akribisch an diese Vorschriften halten müsse. „Darauf gibt es nur eine Antwort: Ja!“ Absolut Unverständlich sei ihm deshalb, dass man auf einen Feuerwehrplan verzichtet habe. „Der ist zwingend vorgeschrieben.“

Man brauche keinen Großveranstaltungs-TÜV, sondern Fachleute - und keine Dilettanten wie bei der Loveparade in Duisburg. Diese Fachleute müssten auf die Einhaltung der geltenden Sicherheitsbestimmungen achten.

„Stupidester Dilettantismus“

Sami Durak wirft Lopavent-Geschäftsführen Schaller „stupidesten Dilettantismus“ vor, wenn man sich seitens Lopavent „verwundert über die Anforderungen der Versammlungsstätten-Verordnung“ zeige. „Ebenso scheint Herr Rabe sich außerhalb jeglicher Verantwortung und gesetzlichen Bestimmungen bewegt zu haben,“ glaubt er.

Statt eines „Großveranstaltungs-TÜV“, so Durak abschließend, sollte gesetzlich vorgeschrieben werden, dass nur noch ausgebildete Fachleute derartige Veranstaltungen planen dürften oder sie überprüfen müssten. So wie im Handwerk bestimmte Arbeiten von einem Meister abgenommen werden müssen. „Für jeden Tümpel braucht man in Deutschland einen Angelschein, aber solche Veranstaltungen darf jeder durchführen.“

Alfons Winterseel

Facebook
 
Kommentare
30.07.2010
18:58
Fachleute statt Dilettanten beauftragen
von Toller Titel | #12

Veranstaltungskaufmann kann und darf sich wohl auch jeder nennen.

30.07.2010
16:46
Fachleute statt Dilettanten beauftragen
von HansGuckteInneLuft | #11

In Deutschland gibt es diverse Großveranstaltungen, Kirmes, Karneval, Stadtfeste, Fußballspiele usw. So, wie die diesjährige Loveparade, läuft allerdings keine Veranstaltung ab. Dies zeigt doch, dass es keinen TÜV für Veranstaltungen geben muss. Es müssen nur die Regeln eingehalten werden.

30.07.2010
09:34
Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor
von LakiGG | #10

A P P E L L

DUISBURGER, RESPEKT FÜR DIE DEMONSTRATIONEN GEGEN SAUERLAND !!!
WEITER SO. WENN IHR BEHARRLICH DRANBLEIBT, BLEIBT DEM OB KEINE WAHL, DER DRUCK WIRD FÜR IHN UNERTRÄGLICH, ER WIRD ZURÜCKTRETEN MÜSSEN, ANSTATT AUF SEINE PENSION ZU GEIERN !!!

DANKE DUISBURGER SAMT UMLAND!!!

30.07.2010
09:23
Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor
von mbuerger | #9

Auf diesen Kritiker hat die Welt gewartet. Gähn!
Müsste der Artikel nicht schon als Werbung gekennzeichnet sein?

Veranstaltungskaufmann ist ein kaufmännischer Ausbildungsberuf, der sich zwar mit dem managen von Veranstaltungen beschäftigt, für sich aber nicht zum Manager - im Sinne von übergeordneter Leitungsfunktion - qualifiziert.

Fachdozent ist eine Bezeichnung bzw. Funktion, weder Beruf noch Qualifikation.

Die Weisheiten des Herrn Durak kann sich jeder halbwegs vernunftbegabte im Internet zusammensuchen.
Ob jemand die Tragödie hätte verhindern können, weil er einen bestimmten Berufsabschluss in der Tasche hat, wage ich zu bezweifeln.

30.07.2010
07:05
Fachleute statt Dilettanten beauftragen
von bassguido | #8

Der Veranstaltungskaufmann als Beruf wurde ja auch nur eingeführt, um Menschen, die in diesem Metier gearbeitet haben, den letzten professionellen Schliff zu geben, die ansonsten ihren Job schon lange gemacht haben und über eine gewisse Erfahrung verfügen. In Duibsurg gab es da den Social Club. Hier wurden Veranstaltungskaufleute- und Techniker ausgebildet. Meistens waren das die sogenannten gescheiterten Musikerexistenzen : -), die sich dort gefunden haben. Da diese Weiterbildungs- bzw. Umschulungsmaßnahme vom Arbeitsamt gefördert wurde, lief die Geschichte auch mit Streichung der Fördergelder aus. Ansonsten ist es gut und richtig, das diese Berufe jetzt gelehrt werden. Dozenten sind allerdings auch Berufe, die oft von selbsternannten Kräften, mit einer vorangegangenen Berufserfahtrung ausgeführt werden - sonst wären es ausgebildete Berufsschullehrer.

30.07.2010
06:39
Fachleute statt Dilettanten beauftragen
von bassguido | #7

Vielleicht sollte derwesten.de mal seine Quelle überprüfen...... So weit ich weiß, ist Herr Durak selbst nur ein selbsternannter. Jedenfalls ist ein ausgebildeter Erzieher, der sich eine Veranstaltungsagentur aufbaut - und das schon seit Jahren - kein Veranstaltungskaufmann für Großveranstaltungen. Der Erfahrungsbereich liegt hier auch nur bei kleineren Kulturzentren und Gastronomie. Für die Sicherheit sind außerdem andere Fachleute zuständig. Ein Veranstaltungskaufmann nannte sich früher Band-Manager, Künstleragentur o. ä. Jedenfalls ist der Ausbildungsberuf noch nicht lange als solcher eingeführt. Früher erlernte der Eventveranstalter sein Handwerk auf der Straße. So wie der Roadie heute Veranstaltungstechniker genannt wird.

29.07.2010
21:51
Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor
von Karsten | #6

Wer hier wen auf dem Gewissen hat klärt die Staatsanwaltschaft und glücklicherweise nicht der Lynchmob im Internet.

Dennoch sollten sich selbsternannte Fachleute zurückhalten insofern Sie nicht einen umfassenden Einblick in die internen Planungen von Veranstalter, Stadt und Polizei haben.

29.07.2010
20:38
Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor
von zjhdzj | #5

@4
Diese Fachleute haben keine 21 Menschen auf dem Gewissen. Der Laie einer Fitnesskette hingegen schon. Ich glaube, hier muss nicht diskutiert werden.

29.07.2010
19:45
Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor
von Karsten | #4

Wer die Ausbildung von Veranstaltungskaufleuten kennt wird feststellen, dass diese Gruppe sicherlich nicht geeignet ist ein kompetentes Entfluchtungskonzept zu entwickeln. Das Lesen der Versammlungsstättenverordnung macht einen nicht per se zum Fachmann. Das herumgereite auf fehlenden Feuerwehrplänen zeigt schon die fehlende Erfahrung mit großen Veranstaltungen - auch zur Loveparade existierten detaillierte Pläne die über einen normalen Feuerwehrplan hinausgehen und die FW war in den Planungsprozess eingebunden bzw. auf dem Gelände vor Ort. Hier macht ein Feuerwehrplan wie in der VStättVO gefordert keinen Sinn.

Diese Fachleute sollten sich bitte zurückhalten mit der Beurteilung der Kompetenz der ausführenden Fachplaner.

29.07.2010
19:07
Kritiker wirft Lopavent Dilettantismus vor
von derinternationale | #3

Alles Quatsch - Sauerland muss weg, Lopavent und die Polizei haben schließlich alles richtig gemacht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3317888/create

Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Schützenfest in Großenbaum
Bildgalerie
Schützenfest
Kanu Worldcup
Bildgalerie
Wassersport
Aus dem Ressort
BUND erwägt Klage wegen Feinstaub-Belastung in Duisburg
Umweltblastung
Der BUND hat die Stadt Duisburg und die Bezirksregierung aufgefordert, die Feinstaub-Belastung in der Stadt zu senken. An fünf von sieben Station im Stadtgebiet sind die Werte schon jetzt viel zu hoch. Der Umweltverband fordert nun Gegenmaßnahmen und droht mit einer Klage.
Niederländer baut alten Bahnhof zum Therapiezentrum um
Projekt
Der alte Meidericher Bahnhof, zuletzt ein wenig attraktiver Ort zwischen Sparkasse und Bezirksamt, wird kurzfristig aufpoliert – und bereits im Oktober eröffnet dort ein Gesundheitszentrum.
Foto Text