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Kritik – Ausländeramt behandelt Studenten oft schlecht

Kritik – Ausländeramt behandelt Studenten oft schlecht

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Foto: WAZ FotoPool
UDE-Dozenten raten ihren ausländischen Studenten, nicht nach Duisburg zu ziehen. Die Kritik: Ausländische Studenten scheinen nicht willkommen zu sein.

Duisburg. 

Nicht nur bei technischen Studiengänge gilt die Universität Duisburg-Essen als gute Adresse für ausländische Studenten und Gastwissenschaftler. Deren Empfang durch die Duisburger Ausländerbehörde vermittle den Gästen allerdings nicht den Eindruck, in der Stadt willkommen zu sein. „Da fehlt es an interkultureller Kompetenz“, kritisiert Prof. Dr. Ute Klammer, Projektorin für Diversity Management und Internationales an der UDE.

„Ziehen Sie besser nach Mülheim oder Essen, da ist es einfacher“, raten Dozenten nicht selten Gastwissenschaftlern und Studenten, bestätigt Klammer. Immer wieder habe Uni-Rektor Ulrich Radtke bei OB Sören Link auf das Problem aufmerksam gemacht. Die Prorektorin: „Geändert hat sich bisher nichts.“

Abschiebung angedroht und vollzogen

Vor allem außereuropäische akademische Gäste kämpften immer wieder mit den behördlichen Hürden: Bei Nachweisen hoher Geldbeträge für ihren Lebensunterhalt, bei der Anerkennung von nachvollziehbaren Verzögerungen im Studium trotz schriftlicher Bestätigung durch die Fakultäten. Dennoch werde Abschiebung angedroht und auch vollzogen. „Zählt unser Wort denn gar nichts?“, fragt die Professorin.

Die Stadt müsse sich bewusst sein, „dass das ein Schatz ist“, so Klammer. Eine „wertschätzende Behandlung“ könne sie aber nicht erkennen. Häufig scheitere es schon an der Kommunikation, weil die Mitarbeiter in der Behörde nicht über ausreichende Englischkenntnisse verfügten. Oft werde eine Regelung im Sinne der Betroffenen erst nach Intervention des akademischen Auslandsamtes der Uni erreicht: „Da läuft die Zusammenarbeit auf individueller Ebene gut.“

Gute Erfahrungen mit „Welcome Center“

Gute Erfahrungen, berichtet nicht nur die Prorektorin, habe die Uni am Campus Essen mit der Einrichtung eines „Welcome Center“ gemacht. Da sitzen in Sprechstunden Mitarbeiter der Ausländerbehörde mit am Tisch – das helfe, Schwierigkeiten auszuräumen.

Die Vorwürfe sind der Verwaltung nicht neu. „Wir haben unser Verfahren von der Bezirksregierung überprüfen lassen – ohne jegliche Beanstandung“, so Stadtsprecherin Anja Kopka. Man arbeite aber an der Verbesserung des Services für Studenten, auch personelle Verstärkung soll es geben.

Pauschalierter Vorwurf

Bisher sei von der Universität allerdings nur ein pauschalierter Vorwurf vorgetragen worden, nie ein konkreter Fall genannt worden. „Fehler können passieren, aber wir müssen dann wissen, um wen es geht“, so Kopka. Das, so Prorektorin Ute Klammer, unterlasse man aus guten Grund. „Wir wollen vermeiden, dass den Betroffenen noch weitere Nachteile entstehen.“

Schranke im Kopf: Studie zu hochqualifizierten Migranten 

Weltweit werben Länder um hochqualizierte Migranten. Doch Auswanderer landen in der neuen Heimat oft in Jobs, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen. „Das nutzt weder ihnen noch dem Aufnahmeland“, sagt Prof. Dr. Anja Weiß. Die Soziologin der Uni Duisburg-Essen hat diesen Gegensatz in einer VW-Studie untersucht.

„Work in Transition“, lautet der Titel der nun erschienenen Publikation, in der die Soziologin gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland und Kanada den Zugang zum Arbeitsmarkt in Deutschland, Kanada und der Türkei vergleicht. Dazu haben die Autoren 200 Zuwanderer nach ihren Erfahrungen befragt.

Potenzial oft nicht erkannt

Es gebe, stellt Anja Weiß fest, in Deutschland eine weit verbreitete Haltung: „Ausländer können nicht qualifiziert sein, sie dürfen nicht arbeiten.“ Deshalb scheiterten die Migranten oft schon in den Ausländerbehörden, weil ihr Potenzial nicht erkannt werde, gesetzliche Regelungen für Ausnahmen nicht bekannt seien. Die Wissenschaftlerin sprach mit Ärztinnen, die deshalb in Putzjobs endeten, mit einer Juristin, die sich anhören musste, sie sei wohl Prostituierte, weil sie aus Brasilien stammt. Das Potenzial der Zuwanderer bleibe ungenutzt, weil sie abgedrängt werden in den Dienstleistungssektor, wo es eine strukturelle Massenarbeitslosigkeit gibt.

„Für die Anwerbung von Hochqualifizierten ist das fatal“, sagt Weiß, „denn sie ziehen weiter“, warnt Weiß. Viele scheiterten schon am System: weil Akademiker nicht als Hochqualifizierte behandelt werden, sondern als Flüchtlinge,Ehepartner oder – im besten Fall – als Studierende. Dabei, sagt Prof. Anja Weiß, „haben wir hier nennenswerte Zuwanderung von Hochqualifizierten. Das Problem ist, dass sie häufig nicht als solche erkannt und behandelt werden.“