Kritik an den Kolumbarien

Das erste städtische Kolumbarium wurde Anfang Juli auf dem Fiskusfriedhof in Duisburg-Neumühl eröffnet. In jeden dieser Quader können Urnen eingestellt werden.
Das erste städtische Kolumbarium wurde Anfang Juli auf dem Fiskusfriedhof in Duisburg-Neumühl eröffnet. In jeden dieser Quader können Urnen eingestellt werden.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.. Bernhard Kleinfeld möchte klarstellen, dass er grundsätzlich nichts gegen Kolumbarien hat. Doch der 56-jährige Walsumer, der als freischaffender Steinmetz und Steinbildhauer arbeitet, sieht großen Aufklärungsbedarf für alle Angehörigen, die sich für diese in Mode gekommene Bestattungsform entscheiden.

Denn die Nachfrage nach möglichst wenig pflegeintensiven Grabarten in Duisburg steigt ständig. So liegt der Anteil der Urnenbestattungen laut Sarah Mdaghi, der Pressesprecherin der Wirtschaftsbetriebe, mittlerweile bei rund 60 Prozent.

Lieber direkt in die Erde

Doch was geschieht eigentlich nach 20 Jahren mit den Urnen, wenn die Zeit ihrer Aufbewahrung in einem Kolumbarium abgelaufen ist? Werden die Angehörigen über die folgenden Schritte informiert? Bernhard Kleinfeld, den die WAZ zum Gespräch auf dem Friedhof Alt-Walsum trifft, fragt besorgt: „Findet dann eine Art Entsorgung statt, oder wird die Urne vielleicht in einem Endlager in der Erde verschwinden. Dieses wäre für mich dann pietätlos und grenzt ein wenig an Störung der Totenruhe.“

Deshalb hält es Kleinfeld für besser, die Urne eines geliebten Menschen direkt in die Erde zu geben, mit der sie dann in aller Ruhe eine Symbiose eingehen könnte. Was Kleinfeld vermisst, ist eine Aufklärung der Hinterbliebenen: „Die Leute werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Viele denken doch gar nicht so weit in die Zukunft.“

Pflegefreie Grabarten immer beliebter

Konfrontiert mit dieser Problematik, antwortet Sarah Mdaghi von den Wirtschaftsbetrieben: „Es gibt für Angehörige bei einer Wahlgrabstätte immer die Möglichkeit der Verlängerung – etwa von 20 auf 60 Jahre.“ Falls diese Option nicht genutzt würde, erfolge eine Umbettung der Urne auf ein anonymes Grabfeld. „Dieser Zeremonie dürften die Angehörigen dann aber tatsächlich nicht beiwohnen“, stellt Mdaghi klar.

Wie erklärt sie es sich, dass pflegefreie Grabarten immer beliebter werden? „Viele Hinterbliebene leben verstreut im ganzen Land und eben nicht mehr in der Stadt, in der sich das Grab befindet. Von daher suchen sie eine Lösung, die so wenig Aufwand wie möglich erfordert.“

Nachhaltig verändernde Bestattungskultur

Im extremsten Fall, der anonymen Bestattung, ist der Aufwand für die Grabpflege gleich Null. Genau in diesem Punkt sieht Bernhard Kleinfeld aber eine sich nachhaltig verändernde Bestattungskultur: Es werde vergessen, dass „der Mensch eine Anlaufstelle für die Trauerbewältigung benötigt“.

Zurück zu den Kolumbarien: Kleinfeld bemängelt, dass die Wetterlage in Deutschland für solche freistehenden „Urnenregale“ nicht förderlich sei. „Feuchtigkeit verschandelt die Kolumbarien und macht sie auf lange Sicht unansehnlich.“ Im Gegensatz zu trockeneren Gefilden wie den Ländern in Südeuropa. Auch daher hält er Urnenreihengräber, Urnenrasengräber oder Sargrasengräber für die bessere Variante.