Kooperation mit der Uni Düsseldorf sichert Arbeit des DISS

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) mit Rainer Bischof (MdL, l.), Margarete Jäger (DISS) und Frank Börner (MdL, r.) im DISS-Archiv.
NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) mit Rainer Bischof (MdL, l.), Margarete Jäger (DISS) und Frank Börner (MdL, r.) im DISS-Archiv.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Land gibt 150.000 Euro für fünf Jahre für die Rechtsextremismus-Forschung des Instituts für Sprach- und Sozialforschung an der Uni Duisburg-Essen.

Duisburg.. 70 Regalmeter voller politischer Veröffentlichungen, von denen viele kaum lesenswert sind. Warum ist so ein Archiv erhaltenswert? Weil die Hefte und Bücher zahlreiche Texte rechter Demagogen enthalten, mit denen sie versuchen, auf die Gesinnung der Menschen und in die Gesellschaft hinein zu wirken.

Historiker brauchen so ein Archiv, Germanisten finden dort auch in Tageszeitungen vielleicht unbedachte, jedoch bedenkliche Formulierungen. Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) erforscht seit 1987 als unabhängige Einrichtung Rassismus und Rechtsextremismus. Nun wird es vom Land NRW über eine Kooperation mit der Hochschule Düsseldorf gefördert. Das sichert im DISS die Arbeit eines Archivars, der von Ehrenamtlichen unterstützt wird.

Lückenloses Archiv

„Das DISS ist mir bekannt, da ich selbst Germanistik in Bochum studiert habe“, so NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, die sich im Institut über dessen Arbeit informierte. Deshalb wisse sie, wie wichtig ein lückenloses Archiv für die Forschung sei. Hier finde man Veröffentlichungen, „die sich nicht mal eben in einer Bibliothek finden“. Deshalb habe sie es nicht glauben können, als die Duisburger SPD-Landtagsabgeordneten Frank Börner und Rainer Bischoff von den Finanzierungsproblemen berichteten.

Es dauerte lange, bis diese Lösung gefunden wurde: zusätzliche Mittel in Höhe von 150.000 Euro für die Hochschule Düsseldorf für eine Kooperation mit dem DISS und für gemeinsame Projekte in den nächsten fünf Jahren. Davon profitiere auch die Uni, so Prof. Dr. Fabian Virchow, Leiter des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus. Eine vergleichbare Einrichtung gebe es nur noch in Berlin – zu weit für die Studierenden in der Region.

Genauer Blick auf die extrem rechte Szene

„Das Archiv ist ein wichtiger Baustein, aber wir verfolgen auch die extrem rechte Szene und versuchen, das Übergangsfeld in die sogenannte Mitte der Gesellschaft zu beobachten“, erklärt Dr. Margarete Jäger, Leiterin des DISS.

Über externe Beiträge in den Veröffentlichungen werde auch im Institut diskutiert, doch sei der wissenschaftliche Diskurs ein hohes Gut. So fand zuletzt auch ein Beitrag von Moshe Zuckermann, einem israelischen Israelkritiker, den Weg ins DISS-Journal. Zuckermann lässt darin durchblicken, dass es ihn nicht wundere, wenn sich „der Unmut, die Wut, der Hass auf die Israelis im Antisemitischen kund“ tun würde. Schließlich hätte die damalige israelische Regierungskoalition „die letzte Gewaltrunde vom Zaun gebrochen“. Auch solche Texte gehörten zum Austausch zwischen Wissenschaftlern, sagt Jäger. Die Sprache behalte man auch in den eigenen Veröffentlichungen im Auge.