Kolja Blacher verabschiedet sich: Ungewöhnliche Klangerlebnisse

Mit dem 7. Kammerkonzert hat sich der Geiger Kolja Blacher als „Artist in Residence“ von den Duisburger Philharmonikern verabschiedet. Wieder war auch dieser Abend ein besonderer, griff Blacher doch zur elektronischen Violine und spielte schließlich eine Schostakowitsch-Sinfonie in Sextett-Besetzung.

Zum Auftakt spielen Blacher und Clemens Hagen (Cello) mit breitem Bogenstrich und großer Klangfülle eine Ravel-Sonate. Beide Instrumente verschmelzen sehr schön miteinander. Die schnellen Sätze werden mit viel Energie und manchmal sogar mit einer Aggression gespielt, die man sonst nicht mit dem Impressionisten Ravel verbinden würde.

Mit Brett Deans „Electric Preludes“ ist dann eine höchst bemerkenswerte Komposition zu erleben. Der australische Komponist, der an diesem Abend anwesend ist, setzt hier eine sechssaitige elektronische Violine ein und kombiniert sie mit einem Streichorchester. Im ersten der sechs Stücke ist es eher das Streichorchester, das mit geschlagenen Saiten und Obertönen noch für die ungewöhnlichen Klangerlebnisse sorgt. Unter Seokwon Hong spielen die Philharmoniker mit höchster Konzentration und erschaffen immer neue spannende Klangräume.

Ab dem zweiten Satz reichert Brett Dean dann den Klang der Solo-Violine mit elektronischen Effekten an. Da erklingt mal ein Rauschen, in das Blacher schwebende Töne einstreut. Auch lässt Dean den Geigenton durch Verzerrer, die man sonst von der E-Gitarre kennt, verfremden. Tontechniker Thomas Seelig steuert das Klanggeschehen an den Reglern. Die Bissigkeit von Deans Musik erinnert manchmal an Dmitri Schostakowitsch, und so ist die Sinfonie Nr. 15 ein trefflicher Abschluss. Die Bearbeitung von Viktor Derevianko für Violine, Violoncello, Klavier und drei Schlagwerker überzeugt und begeistert. Blacher und Hagen ersetzen ein ganzes Streichorchester, während Özgür Aydin am Flügel die Bläserstimmen übernimmt. – Anhaltender und herzlicher Beifall mit Bravo-Rufen für das Ensemble und besonders für Kolja Blacher.