Kohlund begeisterte in der Rolle des Menschenrechtlers Darrow

Wer 1974 am Broadway die Uraufführung „Im Zweifel für den Angeklagten“ mit der Schauspieler-Legende Henry Fonda sehen durfte, der konnte sich glücklich schätzen. War der bei seinen Freunden eher als blauäugiger Westernheld bekannte Fonda damals als aufrechter Anwalt Clarence Darrow zu erleben, so ist derzeit Christian Kohlund in dieser Rolle als Streiter für die Menschenrechte unterwegs. In einer szenischen Lesung in der ausverkauften Säule bewies der bekannte Theater- und Filmschauspieler („Schwarzwaldklinik“ und „Traumhotel“) dabei große schauspielerische Präsenz.

Der 1857 in Ohio geborene Clarence Darrow kämpfte an der Seite der sozial Benachteiligten und gegen die Todesstrafe und schrieb als Widerständler gegen Rassismus und Diskriminierung amerikanische Rechtsgeschichte. Kohlund übersetzte den Text von David R. Rintels neu und entdeckte die schillernde Figur Clarence Darrows für sein Publikum wieder.

Dabei tritt der 64-jährige Schweizer Christian Kohlund in die Fußstapfen von Curd Jürgens, der 1975 mit dieser Aufführung im Theater am Kurfürstendamm das Berliner Publikum begeisterte. „Ich habe die Aufführung damals gesehen. Und ich habe mir gesagt: Irgendwann werde ich dieses Stück auch einmal spielen.“ Dass bis dahin noch 40 Jahre vergehen würden, hätte er aber wohl nicht für möglich gehalten.

Der Retter der Verlorenen

Zunächst erklingen Blues-Akkorde auf der Gitarre. Zur atmosphärischen und akustischen Ortsbestimmung in Chicago schlurft in zerknittertem Anzug der schon gebrechliche Clarence Darrow auf die Bühne, um mit sonorer Stimme unaufgeregt aus seinem reichen Leben als Retter der Verlorenen und Verrückten zu erzählen, in dem der Kampf gegen die Todesstrafe zuletzt sogar zu einer Obsession wurde. „Ich hasse die Sünder, aber ich hasse nicht den Sünder.“ So lautete das Credo von Darrow, der damals in den USA viele Angeklagte vor der Hinrichtung retten konnte. Kohlund ist hier ganz der souveräne Routinier, der mühelos in einen anderen Menschen schlüpft, so als wäre er dieser immer schon gewesen.

Er spricht mit präziser Sprache, philosophiert mit scharfem Verstand und schafft jederzeit eine authentische Figur. Die sichtlich gefesselten Besucher wurden Zeugen einer gelebten Geschichte, die in einer Zeit spielt, als der Rassismus und der Hass gegen Gewerkschaften in den USA tägliche Realität war. Viel Beifall für einen großen Schauspieler.