Kleingärten sollen Stadthäusern in Neudorf weichen

Bis November sollen Ingrid und Hans-Joachim Weinkauf ihren Kleingarten räumen.
Bis November sollen Ingrid und Hans-Joachim Weinkauf ihren Kleingarten räumen.
Foto: Michael Dahlke
Was wir bereits wissen
Die Bahn verkauft ein Grundstück an der Wegnerstraße an einen Investor. Nachbarn haben eine Bürgerinitiative gegründet.

Duisburg.. Im November ist Schluss. Dann müssen Ingrid und Hans-Joachim Weinkauf ihren Kleingarten an der Wegnerstraße räumen. Die Bahn, der das Gelände bisher gehörte, hat die Fläche an einen Investor verkauft. Die Kleingärtner haben die Kündigung bekommen. Geködert wurden sie mit einem Angebot: Wenn sie bis November ausziehen, müssen sie die Lauben nicht auf eigene Kosten zurückbauen. Im Internet auf der Seite von „Knott Immobilien“ werden schon „moderne Cityhäuser“ in Neudorf-Süd angeboten.

Die rund 50 Nachbarn und Kleingärtner haben nun eine Bürgerinitiative gegründet. Sie wollen keine Häuser vor die Nase gesetzt bekommen. Außerdem haben sie Zweifel, dass sich die Grundstücke so einfach vermarkten lassen. Das Baugebiet liegt direkt an der Bahnlinie und kurz hinter der A 59. Jeden Tag rattern mehr als 400 Güterzüge über die Trasse. Ob sie allerdings mit ihrem Protest etwas ausrichten können, bleibt fraglich. Rechtlich ist der Investor auf der sicheren Seite.

Regelmäßige Treffen

Die Bahn bestätigt, dass die Fläche inzwischen verkauft wurde. Zu weiteren Vertragsverhandlungen wolle man sich aber nicht äußern. „Das Bauvorhaben befindet sich in einer Seitenstraße in Duisburg Neudorf. Hoch anzurechnen ist die Nähe der Sechs-Seenplatte. Hier finden Kinder, Eltern oder auch allein stehende Paare die Balance zwischen Spiel, Spaß und Erholung“, wirbt „Knott Immobilien“ inzwischen auf seiner Internetseite für das Bauvorhaben.

Für die Nachbarn war es indes äußerst schwierig, Informationen zu dem Vorhaben zu bekommen. „Wir waren in der Sprechstunde des Oberbürgermeisters und die SPD-Ratsfrauen haben uns einen Termin mit den Stadtplanern vermittelt“, erklärt Stephanie Pfeifer. Sie und die anderen würden künftig direkt auf die Einfamilien-Häuser gucken. „Hinter dem Kleingarten führt ein Radweg lang, der rege genutzt wird. Und in den Plänen der Stadt ist die Fläche als Grün gekennzeichnet“, wundert sich Gustav Wilden.

Stadt sieht Gelände als Grabeland

Von Seiten der Stadt heißt es hingegen, dass es sich bei dem Gelände um Grabeland handelt, die Wegnerstraße Mischgebiet sei und deshalb neue Häuser gebaut werden dürfen. Dazu seien keine politischen Beschlüsse nötig, sondern nur die Anträge des Investors. Im Bauantrag, der den Anwohnern vorliegt, wird allerdings nicht Knott Immobilien, sondern eine Firma namens „Immo Concept“ genannt. Auf Nachfrage unserer Zeitung will sich Frank Knott weder zu seinen Plänen noch zu den Bedenken der Nachbarn äußern. Inzwischen haben die Nachbarn ihre Eingaben gemacht und etwa erreicht, dass beispielsweise die Einfahrt zu der neuen Siedlung verlegt würde. „Bei den ursprünglichen Planungen wäre gar kein Fußgängerweg gewesen und auch sonst ist die Straße recht schmal“, so Gustav Wilden von der Bürgerinitiative.

Ingrid und Hans-Joachim Weinkauf können diese Saison noch einmal ernten, was der Garten an Früchten und Gemüse bietet. „Das war immer mein Paradies, in dem ich Ausgleich gefunden habe“, bedauert Ingrid Weinkauf. Ein paar Pflanzen wird sie an andere Gartenfreunde abgeben. Außerdem hat ihr Vermieter erlaubt, dass sie hinter dem Haus ein kleines Stück Rasen in einen Garten umwandeln dürfen.

Die Bürgerinitiative trifft sich regelmäßig. Die nächste Versammlung findet am 2. August im „Jedermann“ Neudorf statt.