Kirche erbt Vermögen, kümmert sich aber nicht um Grabpflege

Ihr gesamtes Vermögen sollte der katholischen Kirche zugute kommen. Das war der letzte Wille einer aus Kleve stammenden Frau, die im August 2012 in einem Duisburger Altenheim verstarb. Sie vermachte drei kirchlichen Stellen insgesamt 480 000 Euro. Als alleinige Erben waren diese Einrichtungen auch mit der Beerdigung und der Grabpflege beauftragt. Ihre Angehörigen, elf Neffen und Nichten, gingen leer aus. Doch offenbar kommen die kirchlichen Erben bislang nicht für die Grabpflege auf.

Zwei ihrer Neffen organisierten die Bestattung in Kleve. Die Kosten für die Beerdigung beglichen sie mit Geld vom Konto ihrer Tante und warteten dann darauf, dass die kirchlichen Erben mit ihnen in Kontakt treten würden – vergeblich.

Auch am Grab der verstorbenen Tante passierte nichts. Deshalb verschickte die katholische Gemeinde fünf Monate später eine erste Mahnung an die Neffen. Sie sollten das Grab in einen „ordnungsgemäßen Zustand“ bringen. Die Neffen verwiesen erfolglos auf die kirchlichen Erben. Auf dem Grab wucherte derweil das Unkraut weiter. Nach einer zweiten Mahnung drohte die Klever Gemeinde mit einer Klage. Daraufhin ließen die Angehörigen der Frau das Grab herrichten. Die Kosten von 453 Euro trugen sie selbst.

In NRW wird der Heilige Stuhl durch den Justiziar des Bistums Essen vertreten. Deshalb leiteten die Angehörigen das Schreiben an ihn weiter. In einer knappen Antwort sicherte der Justiziar des Bistums Essen die Übernahme der Grabpflege ab August 2014 zu. Doch wieder geschah nichts.

Schließlich entschieden sich die Angehörigen im Dezember, rechtlich gegen den Apostolischen Stuhl vorzugehen. Mit Hilfe eines Anwalts reichten sie beim Amtsgericht Duisburg Klage ein.

Und plötzlich scheint Bewegung in den Fall zu kommen. Der stellvertretender Sprecher des Bistums verwies auf eine komplizierte Erbschaft. Damit aber „die Kuh nun schnell vom Eis“ komme, werde das Bistum den Angehörigen nun die Kosten von 453 Euro für die Grabpflege schnellstmöglich erstatten. Zudem würden die drei kirchlichen Erben über einen Treuhandfond eine Firma für die entsprechende Liegezeit mit der Grabpflege beauftragen, „so wie im Testament gewünscht“, erklärte der Sprecher auf Nachfrage.