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Kultur

Keine Eintagsfliege

18.03.2012 | 18:02 Uhr
Keine Eintagsfliege
„Der Barbier von Sevilla“ in Claus Guths Inszenierung gab’s schon in Basel, München und Leipzig. Foto: Hans-Jörg Michel

Duisburg. In Zeiten knapper Kassen setzt Rheinopern-Intendant Christoph Meyer verstärkt auf Koproduktionen und Übernahmen von anderen Bühnen. Nach „Carmen“ aus Metz erlebte nun „Der Barbier von Sevilla“ in Claus Guths Inszenierung, die schon in Basel, München und Leipzig zu sehen war, seine Duisburg-Premiere.

Die Produktion von Claus Guth in der Ausstattung von Christian Schmidt hat bereits den Spitznamen „Insekten-Barbier“, wird doch die Liebesgeschichte zwischen dem Grafen Almaviva und Rosina im ersten Akt in die Welt der Krabbeltiere versetzt. Das passt gut zur Hyperaktivität von Rossinis Musik, und es ist auch schön anzusehen, wenn sich das ganze Kleingetier um eine übergroße Blüte tummelt.

Der Graf ist hier eine hektische Hummel, seine Rosina ein tänzelnder Schmetterling und der Intrigant Figaro eine Fruchtfliege. Als Riesenspinne hält Doktor Bartolo sein Mündel Rosina in einem Netz gefangen, Musiklehrer Basilio ist ein Grashüpfer und Haushälterin Berta eine Schnecke.

Am Ende des ersten Akts lässt Claus Guth jedoch sein ganzes tierisches Personal durch Insektenspray vernichten, so dass der zweite Akt unter Menschen spielt, die vor einer Kalkulationstabelle agieren. Dieser Bruch, auf den noch weitere folgen, ergibt sich weder aus der Musik noch aus der Handlung. Eine konsequente Umsetzung des Insektenkonzepts wäre schlüssiger gewesen.

Am Pult der Duisburger Philharmoniker hat Gastdirigent Giuliano Betta mit einigen Balanceproblemen zu kämpfen. In der hölzern musizierten Ouvertüre sind die Gruppen des Orchesters nicht gut aufeinander abgestimmt. Zu wenig Rücksicht auf den Sänger nimmt Betta in der berühmten Auftrittsarie des Figaro. Erst im Finale des ersten Aktes findet der Dirigent die richtige Kombination zwischen Witz und Schmiss für Rossinis Musik.

Schade, dass die Deutsche Oper am Rhein die großen italienische Tenorpartien zurzeit nicht aus dem Ensemble besetzen kann; darum ist José Manuel Zapata einer von vier Gasttenören, die den Grafen Almaviva verkörpern. Er und Stephanie Atanasov von der Dresdner Semperoper als Rosina sind zwei Interpreten mit wendigen und schönen Belcanto-Stimmen, die auch mit den Koloraturen meisterhaft umgehen und dafür mit viel Beifall belohnt werden.

Aus dem Ensemble sind die anderen Partien besetzt: Stimmgewaltig und bedrohlich klingt der knorrige Bassbariton von Oleg Bryjak, während man sich von Laimonas Pautienius als Figaro ein bisschen mehr vokale Macho-Attitüde wünscht. Mit leichtem Bass singt Günes Gürle den Basilio und Lisa Griffith ist eine komödiantische Berta.

Rudolf Hermes



Kommentare
19.03.2012
09:19
Keine Eintagsfliege
von keinervondaoben | #2

Ich gehe seit Jahren regelmäßig in die Oper, aber diese Inszenierung war mit Abstand der gröööößte Sch...ß den ich bisher gesehen habe und auch die Stimmen waren sehr dürftig. So vergrault man auch noch die letzten treuen Opern-Besucher.

19.03.2012
08:01
Keine Eintagsfliege - Frage an "DerWesten"
von mikestern | #1

Zitat: In Zeiten knapper Kassen setzt Rheinopern-Intendant Christoph Meyer verstärkt auf Koproduktionen und Übernahmen von anderen Bühnen.

Frage: Gibt es eigentlich konkrete Zahlen darüber was diese Koproduktionen/ Übernahmen "Duisburg" dennoch kosten? Oder ist das mit dem Budget abgedeckt?
"Umsonst" wird es ja nicht sein. Meine Bitte an "DerWesten" - könne sie Klarheit schaffen?

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