„Kein Team kam gerne zum OSC“

Matthias Reckzeh hatte eine Rettungsmission. Die OSC Löwen Duisburg standen auf einem Abstiegsplatz, Trainer Jörg Förderer warf das Handtuch. Also übernahm Handball-Torwart Reckzeh gemeinsam mit Thomas Molsner die Mannschaft. Die Mission scheiterte. Nach einer Niederlage gegen den TBV Lemgo 2 stand der Abstieg aus der 3. Liga fest. Reckzeh musste 2011 schon aus der Zweiten Liga runter – damals noch mit dem OSC Rheinhausen. Auch bei der Insolvenz im Jahre 1997 war der lange Torwart dabei. Im Interview spricht der mittlerweile 41-Jährige über ein bewegtes Handballeben.

Herr Reckzeh, der Abstieg ist nun ein paar Tage her. Wie tief sitzt der Stachel bei Ihnen noch?

Sehr tief. Ich habe sowas zwar schon öfter mitgemacht. Aber ein Abstieg gibt einem immer wieder einen Knacks. Wobei ich sagen muss, dass nicht das letzte Spiel gegen Lemgo ausschlaggebend war.

Was waren dann die Gründe?

Wir konnten uns von der Negativserie zum Jahresbeginn nicht mehr erholen. Felix Handschke hat mit seinem Abgang eine Lücke hinterlassen, dann kam noch der Kreuzbandriss von Kevin-Christopher Brüren. Dabei hatte die Mannschaft Potenzial, doch es ist vieles gegen uns gelaufen und deswegen kam am Ende der Abstieg dabei heraus.

Wenn Sie nur wenige Hundert Zuschauer in der Halle sehen, dürfte bei Ihnen Wehmut aufkommen. Schließlich haben Sie andere Zeiten mitgemacht...

Wehmut würde ich nicht sagen. Die abgelaufene Saison ist nicht mit der Rheinhausener Glanzzeit zu vergleichen. Aber klar: An die Zeit in der Bundesliga denke ich gerne zurück. Da haben wir an der Krefelder Straße sogar den THW Kiel und den TBV Lemgo besiegt. Kein Handball-Verein in Deutschland ist damals gerne nach Rheinhausen gefahren.

Warum war der OSC damals so heimstark?

Hier haben die Zuschauer den Spielern direkt ins Gesicht geschaut. Neben dem Tor standen links und rechts die Fans. Sowas ist heute gar nicht mehr vorstellbar, in einer Zeit, wo jeder Bundesligist eine topmoderne Halle hat. Die Atmosphäre in Rheinhausen hat damals die großen Stars beeindruckt.

Ende 1997 war dann Schluss mit großem Handball. Können Sie sich an den Tag erinnern, als der Rückzug mitgeteilt wurde?

Diesen 28. Dezember werde ich nicht mehr vergessen. Damals stand das Heimspiel gegen den ThSV Eisenach auf dem Programm. Wir haben uns wie immer an der Gartenstraße zum Kaffeetrinken getroffen. Da kam unser damalige Manager Ha-De Schmitz dazu und hat uns über den geplanten Rückzug informiert. Ganz überraschend kam das nicht. Wir hatten zwei Monate kein Geld mehr gesehen und wussten, dass irgendwas nicht in Ordnung war.

Was ist an diesem Tag noch passiert?

Was ist an diesem Tag noch passiert? Reckzeh: Man hat uns die Wahl gelassen, ob wir antreten oder verzichten. Wir haben uns für die sportliche Herausforderung entschieden und sogar gewonnen. Während des Spiels hat es in der Halle aber die Runde gemacht, dass der Rückzug ansteht. Das war ein Wechselbad zwischen grandioser Stimmung und großer Traurigkeit.

Die Mannschaft brach danach auseinander. Für Sie ging es über Umwege auch nach Spanien. Warum hielten Sie es dort nur ein halbes Jahr aus?

Zunächst mal klang das alles verlockend, als Handball-Profi auf Gran Canaria zu spielen. Leider war eine Zahlungsmoral bei CMB Galdar nicht vorhanden. Da haben wir drei Monate lang kein Geld gesehen. Sowas konnte ich mir als Familienvater nicht erlauben und deswegen ging es nach kurzer Zeit wieder zurück nach Deutschland.

Sie sind nun seit 23 Jahren im Männerhandball aktiv. Macht sich das Alter mittlerweile bemerkbar?

Oh ja. Gerade bei der Regeneration brauche ich länger. Wenn ich an einem Sonntag mal gespielt habe, dann bin ich meistens Mittwoch erst wieder richtig fit. Und beim Bier trinken kann ich auch nicht mehr mithalten (lacht). Da haben die jungen Spieler einen großen Vorteil.

Was sind nun die Pläne nach Ihrem Abschied aus Rheinhausen?

Ich hatte ja schon während der Saison beim Neusser HV zugesagt. Dort will ich noch zwei Jahre spielen und dann meine aktive Karriere beenden. So ist der Plan. Aber ich hatte ich auch geplant, vor meinem 40. Geburtstag aufzuhören (lacht).

Sehen wir den Trainer Matthias Reckzeh bald in den Hallen?

Ich arbeite ja bereits als Torwarttrainer bei TuSEM Essen. Das macht mir unheimlich Freude. Und auch die paar Spiele als Interimscoach in Rheinhausen waren schön, auch wenn ich mir das Ende natürlich anders vorgestellt hatte. Eins steht fest: Die Sportart Handball begleitet mich schon seit Jahrzehnten. Deshalb kann und will ich mich gar nicht zurückziehen.

Werden sie auch in der kommenden Saison beim OSC vorbeischauen?

Wenn es die Zeit zulässt, werde ich in der Halle sein. Ich finde die Oberliga unheimlich attraktiv und habe mir ein paar Spiele ausgeguckt, die ich gerne sehen möchte. Gegen den TV Aldekerk wäre ich gerne dabei, schließlich ist dort mein alter Kumpel Achim Schürmann der Trainer. Auch Mirko Bernau kommt mit dem TSV Aufderhöhe nach Rheinhausen zurück. Und das Derby gegen den VfB Homberg hat natürlich auch seinen Reiz.