Karnevalszeit ist Hochsaison

Foto: Funke Foto Services

Wanheimerort..  Trommeln, Pauken und Trompeten: Ein stampfender Rhythmus schallt durch die Halle. Voller Energie ziehen die lustig geschminkten und in Pelzkostüme gehüllten Ruhrpott-Guggis in die Aula der Gesamtschule Mitte ein. Die Männer am Schlagwerk lächeln den Zuschauern zu, während sie mit blitzschnellen Bewegungen ihre Stöcke auf die Trommeln sausen lassen. Mit aufgepusteten Wangen sorgen die Bläser für die passende Melodie. Die Gäste der Damensitzung der KG Sonniger Süden reißt es sofort von den Sitzen. So wie überall auch, wo die Guggis bei ihren Auftritten wirbeln und gute Laune verbreiten.

Große Bühnen, noch größere Hallen: Über 100 Auftritte in ganz NRW absolvieren die passionierten Musiker in der Karnevalszeit. So unterschiedlich die Spielstätten auch sein mögen, vor jedem Ausflug zu einer jecken Sitzung begehen sie das gleiche Ritual. Sie schminken und kostümieren sich. Meist kommen sie dafür in der Wohnung von Nicole Stern in Wanheimerort zusammen. Über 30 Narren auf 58 Quadratmetern – da ist Spaß programmiert. Übrigens ganz ohne Alkohol. Der ist im Verein verpönt: „Das soll nicht zu einem Saufgelage werden”, erklärt Christian Bieniek, musikalischer Leiter der Truppe. „Wir haben auch viele Kinder und Jugendliche unter uns und wir Erwachsenen sind da Vorbilder. Wir wollen den Jüngeren den Spaß am Karneval vermitteln. Trinken muss man dafür nicht.”

Zentraler Treff ist das Wohnzimmer. Während in drei anderen Räumen geschminkt wird, quatschen und lachen dort alle Guggis, die schon bunte Gesichter haben oder erst später an der Reihe sind.Nicole Stern genießt den Trubel: „Das ist einfach herrlich, wenn alle hier sind. Da steigt die Vorfreude und wir können uns auf die Konzerte vorbereiten.” Die Nachbarn haben sich noch nicht beschwert. „So laut sind wir ja auch wieder nicht. Und außerdem wissen sie ja, dass ich jeck bin.”

Gegründet haben sich die Guggis, einer der ganz wenigen Guggenmusiker-Truppen im Ruhrgebiet, im Jahr 2012. Christian und Mama Christel Bieniek hatten nach der Auflösung einer anderen Gruppe Lust auf eine Neugründung. Mit anfangs 13 Mitgliedern ging es auf Tour. Mittlerweile sind es 65 Musiker, die regelmäßig für gute Laune der feierwütigen Jecken sorgen. In der Session absolvieren sie manchmal drei, vier Auftritte pro Abend. Doch auch in den Sommermonaten werden sie hin und wieder für andere Veranstaltungen gebucht. Geprobt wird für die Konzerte einmal in der Woche.

In der heißen Phase sind die Musiker mit dem Bus unterwegs, zwischen den Auftritten bleibt nicht viel Zeit. Los geht es jedoch immer erst, wenn alle geschminkt und verkleidet sind – und wenn der Gute-Laune-Pegel hoch ist. Dafür gibt es vor jeder Abfahrt immer ein kräftiges „Ruhrpott!” aus der Kehle von Christian Bieniek und eine donnernde Antwort der anderen Musikanten: „Guggis!”