Kampfansage an die strenge Form
20.06.2007 | 09:04 Uhr 2007-06-20T09:04:41+0200Abschiedskonzert von Prof. Ludger Maxsein beim Klavier-Recital im Wilhelm-Lehmbruck-Museum
Mit einem Konzert im Rahmen der Sparkassen-Reihe "Große Klaviermusik" nahm im Lehmbruck-Museum Ludger Maxsein seinen Abschied als Folkwang-Professor, und das tat er mit einem wohldurchdachten Recital. "Sonata quasi una Fantasia", so das Beethovens Sonaten op. 27 entnommene Motto.
Diese Titel für die beiden Sonaten in Es-Dur und cis-Moll kommen 1801 einer Kampfansage an die strenge Sonatenform gleich. Die Form, die Beethovens Denken durch und durch bestimmt, wird radikal in Frage gestellt.
Maxsein wählte aus op. 27 die selten gespielte Sonate in Es-Dur. Fantasia, das hinderte ihn nicht daran, das Geschehen auf den Punkt zu bringen. Dann Schumann: Die Liszt gewidmete C-Dur-Fantasie von 1836 trägt Sonatenzüge. Maxsein vernachlässigte nie den schwärmerischen Zug, aber sein Spiel wirkte überaus kontrolliert, selbst in den technisch zugespitzten Momenten wie am Schluss des 2. Satzes.
Die Antwort formulierte Liszt 1852/53: Seine h-Moll-Sonate wendet sich "An Robert Schumann". Mit variablen Fokussierungen wird das Sonatenproblem angegangen: Die Teile verhalten sich zueinander wie die Sätze einer Sonate, können aber auch als Exposition, Durchführung und Reprise eines einzelnen Sonatenhauptsatzes gehört werden. Maxsein ging es weniger um virtuose Oberflächenpolitur als um Schlüssigkeit der formalen Verläufe. Er zeigte aber auch beträchtliche technische Reserven, etwa bei der gefürchteten Oktavenstelle.

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