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Kämmerer: US-Finanzkrise trifft uns nicht

26.09.2008 | 19:57 Uhr

POLITIK. Laut Dezernent Peter Langner ist "Cross-border-leasing in Europa abgesichert". DVV legte Geld bei Lehman-Bank an.

Tunnel und Schienen: verkauft und zurückgeleast. Muss die Stadt jetzt zittern? Der Kämmerer sagt Nein. (Montage: Umbach) DAS MODELL

Jetzt beginnt das große Zittern in den Rathäusern an Rhein und Ruhr. Trifft die massive US-Finanzkrise auch die Duisburger Stadtkasse? Hatte sich nicht auch die Stadt in den Kreis jener Kommunen eingereiht, die über sogenannte "Cross-border-leasing"-Geschäfte plötzlich ganze U-Bahnen, Messehallen oder komplette Kanalnetze an US-Investoren verkauft und sodann zurückgeleast haben? Für 1,5 Milliarden US-Dollar hatte die Stadt im Jahr 2003 ihre Stadtbahn-Tunnel und das Schienennetz der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) an einen US-Investor verkauft, der daraus in den USA einen gewaltigen Steuervorteil zog - ein "Big deal", an dessen Ende für die finanzschwache Stadt Duisburg ein hübscher, so genannter Barwertvorteil von 40 Millionen Euro heraussprang.

"Wir müssen nicht zittern"

"Wir müssen nicht zittern, so wie derzeit andere Städte im Revier", beteuerte gestern Kämmerer Peter Langner gegenüber der NRZ. Duisburg habe im Unterschied zu seinen Nachbarn ganz bewusst keine amerikanische Bank beziehungsweise Versicherungsgesellschaft, sondern eine niederländische und eine deutsche (Landes-)Bank als so genannte Eigenkapital-Garanten eingesetzt, die heute sehr sicher dastünden.

Langner: "Wenn das Weltfinanzsystem zusammenbricht, dann bekommen auch wir ein Problem. Aber nach dem heutigem Stand sind wir sicher."

Ist dies eine zu optimistische Sicht? Diese Krise, so urteilen zumindest Experten vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln, könne sich auf alle Cross-Border-Leasing-Geschäfte auswirken.

Wie steht es mit den rund 30 Millionen Euro, die die städtische Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (DVV) - damit sind die Stadtwerke und die DVG gemeint - bei der mittlerweile insolventen US-Großbank Lehman Brothers als Termingelder angelegt hat? Sind diese Millionen futsch? Platzt darüber die angekündigte Investition in den Bau der neuen Stadtbibliothek und VHS? Wohl nicht.

DVV hat 30 Millionen E bei Lehman Brothers liegen

Denn, so erklärt DVV-Sprecher Helmut Schoofs, das Geschäft lief über Lehman Brothers in Frankfurt am Main. Deswegen seien sämtliche Anlagen über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken abgesichert. Er würde im Entschädigungsfall in voller Höhe der (Duisburger) Einlage einspringen, wenn tatsächlich Lehman Brothers Frankfurt der DVV die Festgeldeinlage nicht mehr zurückzahlen kann.

Hat denn die Stadt selber auch Termingelder irgendwo deponiert, die von der US-Finanzkrise gerade verschlungen werden? Für die Antwort auf diese Frage hat Kämmerer Langner nur ein spöttisches Lachen übrig. "Die Stadt hat kein Geld zum Verleihen - im Gegenteil: Wir müssen uns welches ausleihen - täglich."

Cross-Border-Leasing bezeichnet ein Leasing über Staatsgrenzen hinweg. Leasinggeber und Leasingnehmer haben ihren Sitz also in steuerrechtlich unterschiedlichen Ländern. Aus der Internationalität derartiger Verträge ergaben sich für Unternehmen umstrittene steuerrechtliche Möglichkeiten. Für öffentliche Körperschaften spielte vor allem die Angebotsvielfalt eine besondere Rolle.

STEFAN ENDELL

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Kommentare
17.10.2008
12:05
Kämmerer: US-Finanzkrise trifft uns nicht
von karlssonvomdach | #6

Ähm........sagte nicht auch eins ein gewisser Norbert Blüm: ......also eines ist sicher, DIE RENTE!
Sicher ist nichts, ausser das wir alle mal sterben!

30.09.2008
10:15
Kämmerer: US-Finanzkrise trifft uns nicht
von jurga | #5

@Stöfi
Au Backe, gerade dem hätte ich nicht zugetraut. Okay, dann gebe ich mich geschlagen. Diese Käsköppe!

30.09.2008
05:51
Kämmerer: US-Finanzkrise trifft uns nicht
von Stöfi | #4

#2 jurga
Sie schreiben: Der Holländer macht nämlich nicht so waghalsige Sachen wie die da drüben an der Wall Street.

Und was ist das, Herr Werner Jurga? Die Presse schreibt:
In Europa kamen weitere Institute ins Strudeln. Staatliche Hilfe erhielten auch der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis.

Merke: Niederländer steht hier für Holländer.

27.09.2008
19:00
Kämmerer: US-Finanzkrise trifft uns nicht
von amboseli | #3

Die Märchenstunde von Herrn Langner, alles ist sicher. Die Frage wie lange noch?

27.09.2008
14:17
Kämmerer: US-Finanzkrise trifft uns nicht
von jurga | #2

@Stöfi
Anstatt sich darüber zu freuen, dass Dr. Langnerden Stadtbahn-Tunnel und das Schienennetz der Duisburger Verkehrsgesellschaft nicht den Ami-Spekulanten in den Rachen geworfen hat! Cross-border-leasing ist in Europa abgesichert.
Der Holländer macht nämlich nicht so waghalsige Sachen wie die da drüben an der Wall Street. Und bei einer deutschen Landesbank kann sowieso nichts passieren.
Sicher: im Zeitalter der Globalisierung kann man nicht nur auf der eigenen Scholle sitzen. So legte die DVV 30 Millionen € bei den Lehman- Brothers an. Die DVV hat bei Lehman liegen. Wird schon schief gehen!
Werner Jurga
www.jurga.de

27.09.2008
09:47
Kämmerer: US-Finanzkrise trifft uns nicht
von Stöfi | #1

Duisburg hat also ganz bewusst eine niederländische und eine deutsche (Landes-)Bank als so genannte Eigenkapital-Garanten eingesetzt, die heute sehr sicher dastehen.

Deren Namen verschweigt uns Dezernent Peter Langner. Denn nicht jede deutsche Landesbank steht - anders als behauptet - sicher da. Und welche niederländische Bank es auch immer sein mag: Hat diese Bank sich denn gegen alle Usancen etwa nicht über amerikanische faule Kredite refinanziert?

Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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Woran soll in Duisburg nicht gespart werden?
82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

82 Millionen Euro soll Duisburg sparen. Das bedeutet viele Einschnitte im städtischen Leben. Welche der Sparmaßnahmen/Erhöhungen sollte Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden? Die Zahl in den Klammern ist übrigens die Haushaltsentlastung, die sich die Stadt dadurch erhofft.

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