Kabarett am Minarett
23.10.2011 | 18:45 Uhr 2011-10-23T18:45:00+0200
Duisburg.„Als Rheinländer bin ich ja auch kein richtiger Deutscher.“ Dieses weiß Mitternachtsspitzen-Chef Jürgen Becker genau, der jetzt seine Kölsche Stunksitzungs-Heiterkeit erstmals in einer Moschee präsentierte. Unter dem schönen Titel „Kabarett am Minarett“ brachte der beliebte Kabarettist und Rheinland-Kenner vier türkisch-stämmige Comedy-Profis mit. Das Publikum in der ausverkauften Marxloher Ditib-Moschee erlebte einen unterhaltsamen Abend zwischen Abendland und Morgenland. Eine gelungene Premiere, die Zehra Yilmaz als Leiterin der Begegnungsstätte ermöglicht hatte.
„Was dürfen wir hier und was dürfen wir nicht?“ Diese Frage stellte Jürgen Becker vorweg, um dann ein wenig zu bedauern, dass an diesem Ort ein altes Gebot nicht gilt: „Das Wichtigste am Kabarett ist das Bier hinterher.“ Ein Verlust, der aber den Kunstgenuss und die heiter-hintersinnigen Beiträge zum Thema „Integration“ nicht schmälerte. Moderator Jürgen Becker gab allerdings zu, häufiger in katholischen Einrichtungen zu Gast zu sein: „Beim Geburtstag des Erzbistums Essen waren mehr Frauen mit Kopftuch da als hier. Es waren aber Nonnen.“ Seine Kollegin Meltem Kaptan vom Funkhaus Europa des WDR wurde von ihm gefragt, ob „der Muslim katholisch oder evangelisch ist“. Die temperamentvolle Comedy-Künstlerin blieb die Antwort schuldig, erteilte Jürgen Becker aber immerhin eine Lektion im Bauchtanzen.
Zu den Gästen der deutsch-türkischen Show gehörte auch der in Köln als „Integrator“ bekannte Bauunternehmer Alpaslan Marx, der über eine beeindruckende Biografie verfügt: „Ich kam als Türke und war bald schon ein Ausländer, dann ein Deutscher mit Migrationshintergrund. Jetzt bin ich ein richtiger Deutscher mit Migrationsgeschichte.“ Aber Alpaslan Marx weiß auch, warum alle Türken einen Grill im Auto haben. „Damit sie bei einem Unfall nicht verhungern müssen.“
Finales Mitsingen
Die junge Comedy-Künstlerin Senay Duzur aus Duisburg machte deutlich, was es heißt, Deutsche mit Migrationshintergrund zu sein: „Ich komme zu spät zur Arbeit und mache pünktlich Feierabend.“ Özgür Cebe, aus dem Theater an der Ruhr und aus der Lindenstraße bekannt, gab zum Schluss noch einen sehr persönlichen Einblick in deutsch-türkische Verhaltensweisen und lud mit einem Lied zum finalen Mitsingen ein.
Eine Veranstaltung zum Thema „Integration“, die in dieser Form und an diesem Ort noch häufiger stattfinden sollte. Viel Beifall für Jürgen Becker und seine Freunde.

19:02
Die Behauptung Jürgen Becker hat bei der Veranstaltung Kabarett am Minarett Selbstzensur geübt, ist einfach dummes Zeug.
Keiner der da war, kann das ernsthaft behaupten.
Dieter Nuhr - nun ja - alles was ich in den letzten 10 Jahren von ihm gesehen habe läßt mich fragen;
Was will man da zensieren ? Wer oder was soll sich von seinem Prädikat Harmloß - Geklappere
angegriffen fühlen?!
christian bechmann
00:22
#6 Wie vorher schon erörtert wurde, waren die Nicht-Moslems in der eindeutigen Überzahl und nicht umgekehrt .. setzen Sie mal Ihre eindimensionale Brille ab.
#9 Ich glaube nicht, dass Dieter Nuhr zur Selbstzensur neigt .. deshalb wird man ihn dort auch nicht sehen.
19:28
#8
Was ist das denn für eine Aussage? Natürlich darüber über eine so fragwürdige Weltanschauung wie die Weltreligionen gewitzelt werden. Und das nicht zu knapp! Etwas lächerliches wie Religionen darf lächerlich gemacht werden. Leider hat Jürgen Becker jegliche Distanz zu dieser Weltanschauung verloren.
17:57
#7 Darf ich fragen, ob Sie an diesem sehr gelungenen Abend teilgenommen haben?
Ich denke nicht, denn sonst hätten Sie die herzerfrischende Ehrlichkeit im Umgang mit dem eigenen Migrationshintergrund bei den Comedians nicht übersehen können.
Religion berührt eben auch emotional und da muss dann nicht drüber gewitzelt werden.
17:37
kabarett ist grundsätzlich aufklärerisch und religionskritisch
becker ist karnevalist und comedian
diese moschee ist nicht unbedingt für weltoffenheit und toleranz bekannt
becker anbiederisch mit maulkorb ist clownerie - unfreiwillig - und deshalb gelungen
ein kreuz-debiles comedy-äffchen unterm halbmond - wie infantil
in sachen axxxxkriecherei sicherlich spitze
glauben ist als persönliches hobby verfassungsmäßig geschützt
sonst müßte man menschen die an einen super-macho-sugar-daddy über den wolken glauben einweisen
es gibt wichtigeres
und damit befasst sich kabarett
und nicht becker
aufklärung tut not
glauben ist das gegenteil von denken
comedy das gegenteil von kultur
15:05
Eine super schöne Veranstaltung mit Witz und Charme und auch erfreulich, dass sich einige Nicht-Moslems zu dieser Veranstaltung getraut haben. Das zeigt hoffentlich, dass Humor verbindet und so war es doch für alle ein herzlicher und lustiger Abend.
Besonders lustig waren die Scherze der türkischstämmigen Komikerin Senay Duzcu. Selten so witzige und selbstreflektierende Lustigkeiten des deutsch-türkischen Alltags gehört. Na ja,dass mit dem Ich komme zu spät zur Arbeit und mache pünktlich Feierabend stimmt dann zwar nicht so ganz, aber mit einem Augenzwinkern, einem freundlichen lieben Lächeln und der eigenen Migrationsgeschichte dieser Ulknudel kann man das schonmal durchgehen lassen.
Was die Entschärfung der Witze (wenn es denn eine gab) angeht, so hat dies dem Abend keinen Abbruch getan. Und wenn es religiöses Empfinden verletzen könnte,wenn man beispielsweise über den Islam scherzt, sollte man dies respektieren und aussparen. Alleine schon aus Respekt vor dem Veranstaltungsort.
Alles in allem eine tolle, herzliche Veranstaltung an einem wunderschönen Ort und mit den passenden Stimmungskanonen.
Fazit:
Ein Abend, der sicherlich Bauchschmerzen bereitet hat, aber vor Lachen.
13:57
Was Jürgen Becker über die katholische Kirche in seinen Stunksitzungen abgelassen hat, ist auf jeden Fall analog zu den Mohammed-Karikaturen zu sehen.
Und Mohammed gehört auch zum Bodenpersonal.
12:20
Jürgen Becker hat, wenn er sich über das Christentum ausließ, nie den Glauben an sich mit Witzchen überzogen, sondern immer das Bodenpersonal, seine weltlichen Machtansprüche,
Monopol-Interpretation und ihre öffentliche Darstellung zum Ziel seines Spottes gemacht.
Das natürlich mit entsprechender Kölner Sichtweise gewürzt. Auch in der Moschee hat Jürgen Becker auf der Bühne über die verschiedenen Richtungen des Islam und ihrer Monopol-Interpretatonen kabarettistische Sketsche gebracht. Warum auch nicht?!
Die ganze Veranstaltung war eine Idee von Jürgen Becker und das Escht Kabarett-Team aus Köln und soll keine einmalige Bühnenshow bleiben, sondern der Auftakt einer neuen Reihe, die unter anderen das Ziel hat: Wandel durch humorvolle Annäherung - Begegnung ist, wenn man trotzdem lacht.
Christian Bechmann
10:21
Was dürfen wir hier und was dürfen wir nicht?“
Das hatte Jürgen Becker bisher nie gefragt, wenn er seine Witzchen über das Christentum gemacht hat. Und diese Witzchen waren sehr heftig.
Ich habe die Veranstaltung nicht miterlebt, kann mir aber nicht vorstellen, dass die Witze über den Islam mit der gleichen Härte vorgetragen wurden, die Jürgen Becker beim Christentum an den Tag legt.
07:40
@1,- das ist richtig,- jedoch aller Anfang ist schwer und die Ditib Begegnungsstätte hat einen Anfang gemacht.Das Publikum war wirklich weitestgehend deutsch- bzw. Deutsche mit polnischer Migrationsgeschichte. Ich würde mir wünschen, dass es weiter geht, denn es war eine tolle Veranstaltung. Was mich gerade zum Nachdenken bringt ist, dass ich gar nicht weiß, welche Art von Humor unsere türkischen Freunde haben. Vielleicht wäre vor der nächsten Veranstaltung mal ein workshop in der Moaschee dazu interessant.