Justiz erledigt Kneipenschlägerei in einem Rutsch

Wer nicht verlieren kann, sollte besser nicht spielen. Erst recht nicht, wenn dabei auch Alkohol fließt. Ein 58-jähriger Hochfelder war darüber, dass er beim Knobeln verlor, offenbar so wütend, dass er einem 62-jährigen Mitspieler am 7. Dezember 2014 in einer Hochfelder Gaststätte zweimal mit einem Messer in den Rücken stach und ihm zwei Fleischwunden zufügte. Was folgte, brachte auch dem Verletzten und dessen 30-jährigem Sohn gestern einen Platz auf der Anklagebank beim Amtsgericht am König-Heinrich-Platz ein.

Der 62-Jährige hatte zuerst gar nicht richtig kapiert, was da geschehen war. Als er merkte, was passiert war und warum ihm das Blut den Rücken herunter lief, schubste er den Messerstecher zu Boden und trat auf den am Boden liegenden Mann ein. Schon das wäre wohl ein so genannter „Notwehrexzess“ gewesen. Doch den Bereich der gerechtfertigten Gewaltanwendung verließ der 62-Jährige endgültig, nachdem er seinen Sohn per Telefon herbeigerufen hatte.

Der 30-Jährige eilte zur Kneipe und hatte nichts Besseres zu tun, als gemeinsam mit seinem Vater noch mehrfach auf den laut Zeugenaussage bewusstlos am Boden liegenden 58-Jährigen einzutreten. Der landete mit leichten Hirnblutungen auf der Intensivstation, konnte sich vor Gericht deshalb angeblich an nichts mehr erinnern. Die Anklage bestritt er aber nicht.

Auch die beiden anderen Angeklagten ließen durch ihre Verteidiger rückhaltlose Geständnisse vortragen, nachdem sich die Verfahrensbeteiligten im Rahmen einer Verständigung auf vergleichsweise milde Strafen geeinigt hatten. „Was Sie sich da geleistet haben, ist ein Unding“, brachte die Vorsitzende des Schöffengerichts die Sache auf den Punkt. Angesichts der Geständnisse und des Umstands, dass das Trio bislang noch nie mit Gesetz in Konflikt geraten war, kamen alle drei Angeklagten aber mit Bewährungsstrafen davon: Die beiden älteren Angeklagten wurden zu je 18 Monaten, der 30-Jährige zu 21 Monaten verurteilt.