Junger Organist greift gern in die Vollen

Fast 600 Besucher feierten in der Silvesternacht in der Salvatorkirche den Jahresausklang.
Fast 600 Besucher feierten in der Silvesternacht in der Salvatorkirche den Jahresausklang.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Beim Orgel-Feuerwerk in der Silvesternacht zieht Sebastian Küchler-Blessing alle Register des Instruments in der Salvatorkirche.

Duisburg..  Einen besonders festlichen und stilvollen Jahreswechsel können Musikfreude stets in der Salvatorkirche erleben: Beim Silvester-Orgelkonzert erklingt festliche und unterhaltsame Musik. Als Gast musiziert diesmal der Essener Domorganist Sebastian Küchler-Blessing und erhält viel Beifall.

Doch zuvor stellt Salvator-Kantor Marcus Strümpe den Werdegang des Essener Kollegen im Gespräch vor. Sebastian Küchler-Blessing, der mit seinen 26 Jahren der jüngste Domorganist Deutschlands ist, verrät, dass er schon als Dreijähriger an die Orgel wollte. Als Jugendlicher sei die Entscheidung zwischen der Orgel und dem Sportplatz meist zugunsten des Instruments ausgefallen: „Mit der Orgel kann man alles in Grund und Boden schmettern!“

Virtuoses Stück von Widor

Das Konzert beginnt mit der berühmten Toccata und Fuge d-moll, die wahrscheinlich gar nicht von Johann Sebastian Bach stammt, wie Sebastian Küchler-Blessing überraschend sagte. Der Organist entfaltet furiose Klangwirbel und spielt die Kontraste des Stückes kraftvoll aus.

Ebenso effektvoll gelingen die ersten beiden Sätze der Sonate „Vater unser im Himmelreich“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Schön, wie die Nebenstimmen den Choral umschwirren oder untermauern. Der langsame Finalsatz kommt dann aber ebenso unspektakulär wie das herb-nachdenkliche Choralvorspiel „Es ist ein Ros´ entsprungen“ von Johannes Brahms.

Noch einmal in die Vollen greift Sebastian Küchler-Blessing dann mit dem Allegro vivace aus der Symphonie Nr. 5 von Charles Marie Widor. In dem hochromantischen und virtuosen Orgelstück kann er den ganzen klanglichen Reichtum des Instrumentes zeigen: Die Salvator-Orgel quietscht, brummt und dröhnt fröhlich drauf los.

Zwanzig Minuten vor Mitternacht wird es dann besinnlich: Pfarrer Martin Winterberg spricht über die Losung des vergangenen Jahres: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“ Die Losung des neuen Jahres stammt aus dem Brief an die Römer und lautet: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, zu Gottes Lob.“

Glück auf und Radetzky-Marsch

Als dann um Mitternacht die Friedenglocke läutet, stoßen alle Besucher mit Sekt und Orangensaft auf das neue Jahr 2015 an. Sebastian Küchler-Blessing stimmt im Rahmen seiner „Organ Fireworks“ die Toccata von Charles-Marie Widor an. Der junge Musiker spielt so nervös-virtuos als würde eine Insektenschar über die Manuale krabbeln.

Danach gibt es noch eine flotte Improvisation über „Glück auf, der Steiger kommt“ und beim „Radetzky-Marsch“ darf das Publikum fröhlich mitklatschen. Danach gibt lang anhaltenden Beifall mit vielen Bravo-Rufen.