Junge Abgeordnete mit Zeitdruck

Zwischen Fraktions- und Plenarsitzungen, Expertenanhörungen und der Ausarbeitung von Anträgen kann sich der Tag eines Politikers ganz schön in die Länge ziehen. Vier Schülerinnen und Schüler aus Duisburg konnten das selbst erfahren, als sie letzte Woche in den Jugendlandtag Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf einzogen. Ihre Bilanz: Sie hätten diesen Alltag gerne noch länger erlebt.

Aus zahlreichen Vorschlägen hatten sich die Jugendlichen aus ganz NRW in einer ersten Abstimmung für die Themen „Die Vergabe von Studienplätzen gerechter gestalten“ und „Mehr fürs Leben/den Alltag in der Schule lernen“ entschieden, erzählt Kim Felde. Die 16-Jährige besucht das Steinbart-Gymnasium und hatte sich bei der SPD-Landtagsabgeordneten Sarah Philipp um einen Platz im Jugendlandtag beworben. Das machten auch 236 weitere Jugendliche bei anderen Abgeordneten, so dass sich ein junges Abbild der tatsächlichen Sitzverteilung im Landtag ergab.

„Wir haben mitbekommen, wie es sich anfühlt, Abgeordneter zu sein“, lobt Nils Paulsohn vom Landfermann-Gymnasium das Projekt. Damit könne man auch gegen die Politikverdrossenheit unter Jugendlichen angehen, glaubt der 17-Jährige. „Ich habe auch mit Freunden darüber gesprochen, und die fanden das interessant.“

Die Beschlüsse, die von Jugendlichen erarbeitet wurden, gehen nun tatsächlich in den Landtag ein. „Wir werden das in einer Plenarsitzung diskutieren“, betont der Abgeordnete Rainer Bischoff. Neben den Anträgen zur Schul- und Hochschulpolitik ging es in einer Aktuellen Stunde des Jugendlandtags um die Situation der Flüchtlinge in NRW, in einem Eilantrag wurde außerdem die „Gleichstellung der Ehe für alle“ behandelt.

Neben Felde und Paulsohn hat sich auch die 17-Jährige Karoline Shala vom Max-Planck-Gymnasium gewünscht, eine längere Vorbereitungszeit für die Entscheidungen zu haben, wie sie rückblickend erzählt. „Das ist aber schon sehr praxisnah, weil man oft relativ spät alle Informationen bekommt und dann entscheiden muss“, erklärt der Abgeordnete Frank Börner. „Deshalb“, kommentiert Kim Felde die Einschätzung des Landtagsmitglieds, „geht auch so viel in die Hose.“