Jobcenter-Mitarbeiter in Duisburg kämpfen um ihre Jobs
19.12.2011 | 14:43 Uhr 2011-12-19T14:43:00+0100
Duisburg.Auch im öffentlichen Dienst werden Mitarbeiter manchmal als Verschiebemasse behandelt, die je nach Bedarf entlassen werden. So geschah es in den vergangenen zwei Jahren mit 19 Mitarbeitern im Jobcenter Duisburg, wie jetzt ein Betroffener berichtet. Weil das Jobcenter selbst kein Personal einstellen darf, wurden die 19 Beschäftigen damals mit Zeitverträgen bei der Gesellschaft für Beschäftigungsförderung (GfB) angestellt, um dann als Arbeitsvermittler ans Jobcenter ausgeliehen zu werden. Nachdem der GfB im vergangenen Jahr die staatlichen Zuschüsse massiv gekürzt wurden, konnten die Zeitarbeitsverträge nicht verlängert werden. Weil die Arbeit im Jobcenter aber nicht weniger wurde, wurden die Arbeitsverträge mit der GfB gekündigt, die 19 Mitarbeiter erhielten einen Halbjahresvertrag bis zum 30. Juni 2011 von der Stadt, arbeiteten weiter im Jobcenter mit ihrer gewohnten Aufgabe.
Mitarbeiter wurden hingehalten
„Wenn du erst einmal bei der Stadt direkt bist, geht es aufwärts“, habe man ihnen immer bedeutet, sagt einer der Betroffenen, der lieber anonym bleiben will. Er fährt fort: „Natürlich unterschrieben alle diesen Vertrag, in der Hoffnung, dass das Bangen um den Arbeitsplatz nun endlich ein Ende hat.“ Das habe auch Sozialdezernent Spaniel immer wieder signalisiert. „Bis zum 25. Mai wurden die Mitarbeiter hingehalten, in der Hoffnung, dass sie in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden“, so einer der Betroffenen.
Doch es kam anders. Die Trägerversammlung des Jobcenters entschied am 25. Mai 2011 die städtischen Kollegen „aus finanziellen Gründen weder in ein Dauerarbeitsverhältnis zu übernehmen, noch die Befristung zu verlängern“, heißt es in einer Mitteilung des Personalrats im Jobcenter. Da mag es fast wie Hohn klingen, dass im letzten Absatz darauf hingewiesen wurde, dass die Arbeitsagentur „ab dem 1. Juli 2011 befristet bis zum 31. Dezember 2012 insgesamt 15 Arbeitsvermittler für das Jobcenter einstellt. Die vom Auslaufen der Verträge betroffenen Kolleginnen und Kollegen können sich auf diese Stellen gern bewerben“. Was einige der Betroffenen auch taten. Und siehe da: sie arbeiten wieder in ihrem gewohnten Arbeitsfeld im Jobcenter. Nur auf der Gehaltsabrechnung steht nicht mehr Stadt Duisburg, sondern Bundesagentur für Arbeit.
Ein kompliziertes System
Jobcenter-Geschäftsführer Norbert Maul weiß um das Problem, sieht aber keine Handhabe: „Unsere beiden Träger Stadt und Arbeitsagentur stellen die Mitarbeiter ein und überlassen sie uns. Wir sind keine eigenständige Behörde.“ Es sei ein kompliziertes System, bei dem ständig „kreative Lösungen“ gesucht würden. Aber wenn die Bezirksregierung die Entfristung von städtischen Verträgen ablehne, seien der Stadt die Hände gebunden. Dabei hätte Maul die Kräfte gerne behalten, denn sie waren ja eingearbeitet. Im Jobcenter, so Maul, arbeiten 15 Prozent der Angestellten befristet: „Da wird ein Problem verschoben.“
Einige der Betroffenen hatten die Nase voll und klagten angesichts dieser Verschiebepraxis vor dem Arbeitsgericht. Grund: Die Befristungen waren ihrer Meinung nicht rechtens. Eigentlich gehe es um die Besetzung von Dauerarbeitsplätzen. Damit kamen die Betroffenen vor dem Arbeitsgericht nicht durch. Im Gegensatz zu anderen Klägern, die ähnliches mit der Arbeitsagentur als Arbeitgeber erlebt hatten, wie Verdi -Gewerkschaftssekretär Detlef Sell der NRZ berichtete. Deshalb hat Verdi jetzt seinen betroffenen Mitgliedern Rechtsschutz für die zweite Instanz gewährt. Der Streit geht vor dem Landesarbeitsgericht weiter.

19:54
Jetzt trifft es mal genau diejenigen, die so manches mal nicht gerade nett mit den Arbeit suchenden Menschen umgegangen sind!!
Woher wollen Sie das wissen? Kennen Sie diese Menschen ?
04:44
Stht im Arbeitsvertrag eines Beamten (also Staatsdiener)nicht drin, dass der dieser dort eingesetzt werden kann wo er benötigt wird. Also auch in anderer Stad bzw. Bundesland. Tja das Beamtentum hat halt nicht nur Vorteile. Von den"normale" Arbeiten verlangen die Jobbörsen ja auch mehr flexibilität. Da wird gesagt das man auch mal bereit sein muss für einen Arbeitsplatz umzuzihen. Also ihr getreuen Staatsdiener, nich jammern, sondern mit gutem Beispiel vorrangehen.
Das die Jobs in der Jobbörse weniger werden ist doch klar. Weniger Arbeitslose=weniger Bearbeiter.
Da Frau Merkel ja in ein paar Jahren Vollbeschäftigung hat, wird die Arge dann wohl komplett abgeschafft.
JETZT ABER MAL IM ERNST. DAS DER STAAT SEINE MITARBEITER ANDERS BEHANDELT, WIE JEDE ANDERE FIRMA IHRE"SKLAVEN" AUCH IST DOCH KLAR. HAT SICH DOCH IN DER FREIEN MARKTWIRTSCHAFT DURCHGESETZT. DAS WIEDER MAL NUR DIE DEN ARSCHTRITT KRIEGEN, DIE IN DER BESOLDUNGSSTUFE UNTEN STEHEN IST DOCH IN UNSRERER ELLENBOGENGESELLSCHAFT NORMAL
22:47
Das dürfte übrigens im Rest der Republik,
insbesondere den Behörden überall, und besonders in NRW standard werden.
Denn §28 SGB XII wurde geändert, von CDU / CSU und FDP.
"Der Lohnabstandsgebotparagraph".
Den gibt es ja seit dem 1.4.2011 nicht mehr.
Man merke auf, oder hat jemand den Rächer der Enterbten "Westerwelle"
oder sonst wen im letzten Jahr noch von Lohnabstandsgebot reden hören ?
Für NRW, Nrw hat ja ne eigene Verfassung, gilt:
In NRW müssen Löhne und Gehälter ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.
Wo vorher der Lohnabstandsparagraph stand, steht heute das Existenzminimum.
AKA Hartz4.
22:40
Und ich wunder mich warum die von SGB II keine ahnung haben. Wenn es die BA übernehmen würde, wäre die Klage welle von 70% schon weg. Diese Leute haben keinen Respekt vor der Menschenwürde, aber nun bekommen die auch den Platzwechsel von Hinter dem Schreibtisch nach vor dem Schreibtisch. Ich wünsche denen Eigentum,dann werden die merken wie langsam die anderen Arbeiten.
22:31
"Geförderte" Zeitarbeiter.
Praktisch Ein-Euro-Jobber.
Aufstocker, die andere Aufstocken.
Ist das nicht lustig? Währen die Kilo-Milliarden nur so zum Pokern verliehen werden.
21:24
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Die Arbeitsagenturen oder Jobcenter dürfen keine Arbeitskräfte einstellen. Deshalb wird eine städtische Firma bemüht. Also Leiharbeiter beraten und vermitteln Arbeitslose; Spitze wäre, wenn nur an Leiharbeitsfirmen.
Konstruktionen gibt es in Deutschland, die gibt es nicht.
Wie war die Überschrift eines anderen Artikels? "Jobcenter ersticken im Papierkrieg"
Macht man in den Arbeitsagenturen den "Schlecker"? Ich meine damit das beliebte "Outsourcing".
Übrigens lohnt es sich, die "Gesellschaft für Beschäftigungsförderung (GfB)" mal zu googln. Die GfB ist eine GmbH, die Arbeit suchende Menschen und Arbeit gebende Unternehmen zusammenführen will. Eine städtische Gesellschaft mit entsprechendem Aufsichtsrat, natürlich auch Ratsherren/frauen. Aber die Gesellschaft steht in Konkurrenz zu den Jobcentern. Der eine Vermittler übernimmt Arbeitssuchende und verleiht sie an den anderen Vermittler, nur damit die Personalfrage günstig gelöst ist. Das ganze Dilemma bleibt wieder an den letzten Mitarbeitern hängen und das sind nur Leiharbeiter. Und da wundern wir uns, dass die Jobcenter so beliebt sind?
20:43
Im Grunde tut mir jeder Leid der seinen Job verliert.Vor allem die Ex-Telekom-Mitarbeiter die der Arge ausgeliehen wurden und jetzt wieder bangen müssen.
Allerdings gönn ich einigen den Jobverlust damit Sie mal in die gleiche Situation wie Ihre Kunden kommen und willkürlich falsche Bescheide erhalten.
20:33
Das ist alte Arbeitgebertradition, dass man den zu kündigenden Mitarbeitern bis zum letzten Tag nicht sagt, dass sie gekündigt werden. Sonst könnte ja die Leistung sinken, die Mitarbeiter sich krank schreiben lassen, Rechtsbeistand organisieren oder gar sich mit den Kollegen solidarisieren und steiken - was sie schnellstens tun sollten...
Ausbeutung wie anno 1890. Klassisch.
20:02
... und alle gegeneinander!
Was im Artikel beschrieben wird, ist die Verschärfung der sozialen Schieflage im Lande, aktiv betrieben durch CDU und FDP und vor Jahren schon eingeleitet von Sozialdemokraten und Grünen. Eine Individualisierung, wie wir sie auch hier im Forum erleben, wenn beispielsweise Schadenfreude gegenüber den befristet eingestellten Mitarbeitern geäußert wird, ist das bewusst herbeigeführte Ergebnis dieser Parteien, mit dem Ziel, die Solidarität der Arbeitnehmer zu zerstören und die Arbeitsmarktausgaben zugunsten der Bankenrettung, zugunsten von Hoteliers, zugunsten der Reichen, der Kriegsfinanzierung etc. etc. zu senken. Gerade wieder passiert und eine Milliarde Euro wird jährlich seit November bei den Arbeitslosen mit Willen zur Existenzgründung gestrichen. Statt diese Politik zu bekänpfen, sich zu solidarisieren, wird in diesem Forum von Betroffenen ein Nebenkriegsschauplatz eröffnet. Es ist doch kein Wunder, dass heute kein Geld für die vernünftige Ausstattung der staatlichen und kommunalen Behörden, von Arbeitslosenprojekten und Bildungsträgern vorhanden ist. Es ist kein Wunder, dass man als Arbeitsloser auf unmotivierte Mitarbeiter trifft (was nicht unbedingt den Mitarbeitern anzulasten ist, denn wer arbeitet schon gern unter solchen Bedingungen) in miesen Projekten landet, in denen unqualifizierte Berater, die zu Dumpinglöhnen eingestellt werden, ohne Freude an der Arbeit mit Menschen arbeiten. Das ganze Arbeitsmarktsystem ist in der gegenwärtigen Form völlig am Ende, doch die meisten Politiker und betuchten Bürger haben kein Interesse daran, dass sich das ändert. Deshalb sollten die Betroffenen - Beschäftigte und Arbeitslose - solidarisch handeln und sich engagieren und zwar weit über Kommentare hier im Forum hinaus.
19:11
Nicht nur in Duisburg!!!
Es ist offenbar erklärte Politik der Bundesagentur für Arbeit, einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Angestellten in abhängigen, ja "prekären" Arbeitsverhältnissen zu halten.
Wie #5 grphos ganz richtig sagt, es ist eine Bankrotterklärung.
Und ich setz noch einen drauf: Es ist ein Skandal!
(So wie es auch in jedem anderen Unternehmen/Betrieb ein Skandal ist. Aber gerade die Bundesagentur für Arbeit (ich werd nicht müde, diese klangvolle Bezeichnung zu wiederholen), führt ihren Namen durch diese Geschäftspraxis ad absurdum.)