Jede Menge Waffen bei Razzia gegen Satudarah-Rocker gefunden

Bundesweite Polizei-Razzia gegen den Rockerclub Satudarah in Duisburg
Bundesweite Polizei-Razzia gegen den Rockerclub Satudarah in Duisburg
Foto: Stephan Eickershoff/ Funke Foto Services

Innenminister verbietet MC Satudarah - Razzia in Rheinhausen

Der Rockerclub MC Satudarah ist nun verboten. Dienstagmorgen durchsuchte die Polizei Vereinsheime und Wohnungen in Duisburg-Rheinhausen.
Stephan Eickershoff Di, 24.02.2015, 09.28 Uhr

Der Rockerclub MC Satudarah ist nun verboten. Dienstagmorgen durchsuchte die Polizei Vereinsheime und Wohnungen in Duisburg-Rheinhausen.

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Was wir bereits wissen
Der Rockerclub "Satudarah MC" ist ab sofort verboten. Die Polizei hat am Dienstag Vereinsheime und Wohnungen in der Region durchsucht.

Duisburg/Essen.. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Rockerclub Satudarah MC verboten. Am frühen Dienstagmorgen haben Polizisten in ganz Deutschland Vereinsheime und Wohnungen durchsucht. In NRW lag der Schwerpunkt des Einsatzes in Duisburg. Hier haben zahlreiche Einsatzkräfte ein Vereinsheim in Rheinhausen sowie sechs Wohnungen von Rockern durchsucht.

Kistenweise haben die Beamten am Morgen Symbole, Plakate und Kutten der Rocker abtransportiert. "Von dem Verein geht eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus", teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit.

1000 Polizisten im Einsatz

Die Razzia lief ab 6 Uhr in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Bremen. Grund sei die Durchsetzung des neuen Verbots und die Sicherung von Beweismaterial, hieß es. Bundesweit wurden 70 Objekte durchsucht. Laut Bundesinnenministerium waren rund 1000 Polizisten im Einsatz, darunter auch Spezialeinheiten.

In Niedersachsen richtete sich die Polizeiaktion gegen den landesweit einzigen Ortsverein in Cuxhaven, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover mitteilte. "In Niedersachsen sind sie nicht in dem Maße aufgetreten, wie im Ruhrgebiet", sagte LKA-Sprecherin Stephanie Weiß. In Bremen suchten Fahnder vergeblich nach zwei in der Stadt gemeldeten Männern aus dem Satudarah-Umfeld, wie die Sprecherin des Innensenats, Rose Gerdts-Schiffler, erläuterte. "Wir haben keine Erkenntnisse, dass sich Satudarah hier etablieren wollte."

Weitere Einsätze gab es in NRW unter anderem in Essen, Gelsenkirchen, Bielefeld, Aachen und Paderborn. Festnahmen habe es zunächst nicht gegeben.

Der Bundesinnenminister habe der niederländischen Gruppe jede Tätigkeit im Inland untersagt und die deutschen Teilorganisationen des Rockerclubs verboten, sagte die Sprecherin. NRW-Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) begrüßte das Verbot von sieben Chaptern als „wichtigen Beleg für das entschlossene Vorgehen der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen gefährliche Kriminelle." Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister de Maizière in Berlin betonte Jäger: „Damit geben wir ein klares Signal an diese Banden: Ihr seid im Visier. Bund und Länder handeln: gemeinsam und entschlossen“.

Neben Vereinsbesitz und Vereinssymbolen beschlagnahmten die Polizisten allein in NRW 19 Messer, sechs Schlagstöcke, drei Schlagringe, fünf Macheten, sieben Schwerter, vier Gas- und Schreckschusspistolen, elf Funkgeräte, 24 Kutten, etwa 100 weitere Bekleidungsstücke mit Satudarah-Symbolen, 160 Vereinsaufnäher sowie Laptops, Tablets und Speichermedien. „Die Satudarah-Chapter haben sich abgeschottet, eigene Regeln aufgestellt und sich bewusst gegen die Grundwerte unserer Gesellschaft gestellt“, machte Jäger deutlich. „Ihre Welt besteht aus Bedrohung, Gewalt, Waffen und Selbstjustiz. Deswegen gehen wir gegen diese gewalttätigen Subkulturen entschieden vor.“

Auch 2013 und 2014 gab es Razzien gegen Satudarah

Die Razzia am Dienstagmorgen war nicht die erste gegen den deutschen Ableger der ursprünglich aus der Niederlande stammenden Rockergruppe. Im April 2014 hatten Spezialkräfte der Polizei das ehemalige Satudarah-Clubheim an der Friedrich-Ebert-Straße in Rheinhausen und vier Wohnungen in Duisburg sowie eine in Hamm durchsucht. Die Ermittler fanden damals unter anderem sechs Schusswaffen und stellten Munition sicher. Hintergrund der Razzia war ein Ermittlungsverfahren wegen illegalem Waffenbesitz und Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Rockerkrieg Und auch 2013 stürmten Spezialeinsatzkräfte der Polizei mehrfach das Satudarah-Vereinsheim und Wohnungen von Mitgliedern des Rockerclubs. Damals wurde bei Yildiray K, dem ehemaligen Deutschland-Chef der Rockergang ein Kalaschnikow-Sturmgewehr gefunden. In der Folge wurde der heute 39-Jährige im Januar 2014 unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffengesetz zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Rocker legten ein umfassendes Geständnis ab

Zuvor hatte der Rocker ein umfassendes Geständnis abgelegt und andere Satudarah-Rocker dazu aufgerufen, es ihm gleich zu tun und aus dem Rockerclub auszusteigen. Einige seiner einstigen Weggefährten sahen darin einen Bruch, des in Rockerkreisen geltenden Schweigegebots und sprachen Todesdrohungen gegen Yildiray K. alias Ali Osman aus. Osman und seine Familie wurden daraufhin in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Der Ex-Rocker dürfte mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen und im Drogenentzug sein.

Die Geschichte des Rockerclubs Satudarah MC in Duisburg

Die erste deutsche Niederlassung wurde im Juni 2012 gegründet, als in Rheinhausen der bis dato unabhängige Club „Brotherhood Clowntwon“ zu Satudarah wechselte. Und das sehr medienwirksam per Pressekonferenz. Sieben muskulöse und tätowierte Männer standen damals Rede und Antwort. Zunächst ein Statement: Man begegne sich in Freundschaft. Es gehe bei der Zusammenführung – neuer Name: Satudarah MC Duisburg – nicht darum, sich geografisch über die niederländischen Grenzen hinaus auszubreiten. Man pflege die Biker-Kultur.

Was macht der Verein eigentlich? „Was macht ein Tennis-Club?“, so die Gegenfrage eines Mannes aus der Führungsriege. Ein Tennis-Club spielt Tennis, ein Motorrad-Club fährt Motorrad. Mit Gewalt und Kriminalität habe man nichts am Hut.

Granate in Duisburg explodiert

Dass die Rocker es damit doch nicht so ernst meinten, zeigte sich wenig später. Schon die Gründung des Satudarah-Chapters in Duisburg wurde in der Rockerszene als Affront gegen die Hells Angels gewertet. Die Polizei warnte vom ersten Tag an, dass es sich bei den Holland-Rockern nicht um harmlose Motorrad-Fans handelt. Fünf der zehn meistgesuchten Verbrecher Hollands sollen „Satudarah“-Rocker sein, hieß es damals.

Die Sorgen waren nicht unbegründet. Im August 2012 explodierte direkt neben einem Clubheim der Hells Angels am Borgschenweg in Rumeln-Kaldenhausen eine Granate. Verdächtigt wurden Mitglieder von Satudarah. In den folgenden Monaten kam es mehrfach zu Massenschlägereien zwischen Rockern der verfeindeten Motorradclubs Hells Angels und Satudarah sowie Schüssen auf das Satudarah-Vereinsheim im Februar 2013.

(sat/mit Material von dpa)