Ist die Duisburger Königstraße im Abwärtstrend?

Verliert Duisburgs „Kö“ an Frequenz? Die Zählungen von Maklern weisen das zumindest aus.
Verliert Duisburgs „Kö“ an Frequenz? Die Zählungen von Maklern weisen das zumindest aus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Zählungen vom Maklern lassen das befürchten. Königstraße landet auf Platz 98. Einzelhandelsverband sieht aber keine negative Entwicklung beim Umsatz.

Duisburg.. Für die Fast-Halb-Millionen-Stadt Duisburg, immerhin auf Platz 14 der deutschen Großstädte, scheint das kärglich: Duisburgs Top-Einkaufsmeile, die Königstraße, landet bei der jüngsten Frequenzzählung des Immobilien- und Handelsspezialisten „Jones Lang LaSalle“ ziemlich abgeschlagen auf Platz 98. Duisburgs Branchenkenner widersprechen mit nachvollziehbaren Daten dem schlechten Bild, doch der Trend zeigt nach unten.

Am 21. März von 13 bis 14 Uhr klickten deutschlandweit in 170 Einkaufsstraßen die Zähl-Ticker. In Duisburg war nach 2985 Klicks die Stunde vorüber: Platz 30 in NRW, eben 98 bundesweit; Essens Limbecker Straße zählte 6770 Passanten, Gelsenkirchens Bahnhofstraße 4890, in Bottrop, Mülheim oder Herne war noch weniger los als in Duisburg. Durch Kölns Schildergasse schlenderten zur selben Zeit 13 440 Passanten.

Zählung als Momentaufnahme

Lasalle war nicht der einzige Makler, der zählte: Auch bei „Engel & Völkers“ landet Duisburgs Meile mit 3294 Passanten eher hinten, auf Platz 52 von 74 bei einer Zählung in 24 Städten am Samstag, 18. April, einem sonnigen Tag. Im Jahr zuvor nahm die Königstraße noch Rang 27 ein. Noch ärger ist der Trend nach unten bei Lasalle. 2011 zählte man noch 6630 Passanten (Rang 31), 2012 waren es 4275 (Rang 64) und 2014 rutschte die „Kö“ mit 3580 Bummlern auf Platz 90 ab.

Zählungen sind nur eine Momentaufnahme

Zahlen lügen nicht? Selbst die Statistiker von Lasalle räumen ein, dass die Zählungen nur eine Momentaufnahme sind und von vielen Zufälligkeiten abhängen. Zudem hätten alle Einkaufsstraßen auf den Plätz 50 bis 150 zehn Prozent Frequenzverlust verzeichnet. Gleichwohl: Den Fachleuten fällt schon die Diskrepanz zwischen Großstadt-Einwohnerzahl und Zahl der Samstagsbummler auf.

Duisburgs Einzelhandelssprecher Wilhelm Bommann wehrt sich nach Kräften und mit anderen Daten gegen die Makler-Zahlen. Der 21. März sei ein ungemütlicher kalter Tag mit acht Grad gewesen („Da kauft keiner Frühjahrsmode“). Eine gestrige Schnellumfrage bei den Händlern weist für den Zähl-Samstag im März ein Zehn-Prozent-Minusausschlag beim Umsatz aus. Zudem: Der Zählort Königstraße 8 nahe Kuhtor ist nicht gerade die belebteste Ecke der City. Dem Abwärtstrend der letzten Jahre widerspricht Bommanns Blick in die Kassenbücher: „Das spiegelt sich in den Umsatzzahlen des Handels nicht wider“, meint der Verbandssprecher.

Auch IHK-Einzelhandels-Geschäftsführer Michael Rüscher wundert sich: „Die Händler sind zufrieden.“ Es gibt keine Umsatzrückgänge analog zu den Frequenzzählungen(Rüscher: „Davon halte ich ohnehin nicht viel“). Laut Frühjahrsumfrage sei der Handel zufrieden wie selten: 39 % bezeichnen ihre Geschäftslage aktuell als gut. Auch das „Forum“ zählt seine Besucher: Von Rückgang keine Spur. 2014 stieg die Zahl sogar weiter um 1,1 % auf rund 8,6 Millionen. „Die Kennzahlen sind gut“, spricht Manager Nidal Sadeq fürs Forum und die Königsgalerie.

Warnsignal für die City - Ein Kommentar von Oliver Schmeer

Ein schlechter Tag, kaltes Wetter, ein Zähler am eher stillen Rand der City und nicht vor dem trubeligen Forum mit dem herrlichen König-Heinrich-Platz: Man könnte die jüngste Frequenzzählung als Ausrutscher bezeichnen und einfach abtun. Doch der Trend der letzten Jahre mit dem Absturz von Platz 31 auf 98 ist nicht zu leugnen. Zugleich gibt es aber nicht den gleichen Einbruch bei den Umsatzzahlen, sagt zumindest der Handel.


Also, was passiert da in der City? Die Menschen, sie kaufen wohl noch stabil, aber bummeln seltener. Es ist auf die Dauer indes gefährlich, wenn die Innenstadt Aufenthaltsqualität verliert. Eine Innenstadt, die im Ruhrgebiete Metropolen-Anspruch hegt und in den Niederrhein stahlen will, darf sich das nicht leisten. Duisburg hat in den vergangenen Jahren viel für seine City getan. Aber jetzt braucht es neue Belebung und Attraktivierung – um neugierig zu machen, Besucher aus den Stadtteilen und den Nachbarstädten mit neuen Akzenten zu locken. Es wird höchste Zeit, dass et was am Hauptbahnhof als Visitenkarte der City und an der Düsseldorfer Straße (Alte Bücherei) passiert. Überfällig ist auch die bessere Anbindung an den Innenhafen.