In Erinnerung bleibt der enorme Mut

Über dem Haupteingang der Westminster Abbey in London sind zehn Statuen von Märtyrern des 20. Jahrhunderts zu sehen. Unter ihnen befindet sich Dietrich Bonhoeffer. Einen Deutschen an dieser für die britische Nation so bedeutsamen Kirche zu finden, ist Ausdruck der Wertschätzung für ein vorbildliches Leben und Werk. Nach seiner im November 1931 erfolgten Ordination in Berlin hatte Bonhoeffer von 1933 bis 1935 in London als Pfarrer in zwei deutschsprachigen Kirchengemeinden gearbeitet. Dort hat er den Widerstand der Bekennenden Kirche gegen die hitlertreuen Deutschen Christen innerhalb der Evangelischen Kirche aufgenommen. Nach seiner Rückkehr wurde Bonhoeffer die Leitung des Predigerseminars der Bekennenden Kirche in Finkenwalde übertragen. Für den damals 29-jährigen Theologen brach ein Jahrzehnt an, in dem er „dem Rad in die Speichen fallen“ wollte, wie er den Widerstand gegen das Unrechtsregime bezeichnete.

Der NS-Staat reagierte mit Repressionen. 1936 wurde Bonhoeffer die Lehrerlaubnis entzogen, 1937 das Predigerseminar von der Gestapo geschlossen, 1940 erhielt er Redeverbot und seit 1941 durfte er nichts mehr veröffentlichen. Dessen ungeachtet übernahm Bonhoeffer 1940 Kurierdienste und die Kontakte zum Ausland für die Widerstandsgruppe um den Chef der Deutschen Abwehr Wilhelm Canaris – übrigens ein Absolvent des Steinbart-Gymnasiums. Für den Sohn einer gutbürgerlichen Familie war es selbstverständlich, für die geistigen und menschlichen Werte eines besseren Deutschlands einzutreten.

Anfang April 1943 wurde er im Militärgefängnis Berlin-Tegel inhaftiert. Nach der Aufdeckung der Zusammenhänge des Attentats auf Hitler kam Bonhoeffer im Oktober 1944 in das berüchtigte Gestapo-Gefängnis in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße und im Februar 1945 in das KZ Buchenwald. Sein Leidensweg endete am 9. April im KZ Flossenbürg, wo er mit anderen prominenten Widerstandskämpfern auf schamlose Weise erhängt wurde. In Erinnerung bleiben wird der enorme Mut, mit dem er seinen christlichen Werten treu geblieben ist. An Neujahr 1945 hat er uns den hoffnungsfrohen Trost hinterlassen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“