In Duisburg-Großenbaum lebt man "gut und ruhig"
18.04.2011 | 18:19 Uhr 2011-04-18T18:19:00+0200
Duisburg. Drei Minuten von der Autobahn entfernt liegt das Paradies – genau genommen hinterm Garten von Irmgard Kaskamanidis. Sie lebt in Duisburg-Großenbaum und führt WAZ-Redakteur Willi Mohrs durch eine Mischung aus Natur, Industrialisierung und Moderne.
Drei Minuten von der Autobahn entfernt liegt das Paradies – genau genommen hinterm Garten von Irmgard Kaskamanidis. Die wohnt nämlich seit Jahrzehnten im Westen Großenbaums und hat sich nicht unbeträchtlichen Anteil am Erhalt des Biotops zwischen A 59 und der Straße Am Kiekenbusch. 2,4 Hektar misst es, Wasserpflanzen und Wassergetier bietet es einen Lebensraum und den Menschen in jeder Jahreszeit ein anderes, stets aber ein interessantes Bild. Ein gut ausgebauter Wanderweg führt an dem alten Rheinarm vorbei zu einer weiteren Sehenswürdigkeit des Stadtteils im Duisburger Süden: das alte Backhaus, laut Inschrift aus dem Jahre 1634, seither aber unübersehbar häufiger umgebaut.
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Ein paar Schritte weiter liegt das historische Landleben hinter uns, die Industrialisierung vor uns. Aber auch die ist an dieser Stelle schon Geschichte. Die Hahnschen Werke nahmen nach 1890 einen großen Teil von Großenbaum ein, 3500 Mitarbeiter wurden zu besten Zeiten beschäftigt. In den 80er Jahren war Schicht, neues Gewerbe wurde nach und nach angesiedelt. Doch Spuren vom alten Walzwerk sind geblieben.
Durch den Tunnel ins Zentrum
Etwa die beiden stolzen Verwaltungsgebäude an der Straße Zum Walkmüller, die jetzt Büros und Praxen Platz bieten. In der Nähe des Bahnhofs kann der Kundige noch ein Stück Werksmauer entdecken, und es gibt ein Denkmal mit dem Titel „Schichtwechsel“.
An dem vorbei nähern wir uns dem Bahnhof, wo die S-Bahn für Verbindungen zur Innenstadt oder nach Düsseldorf sorgt. Busverbindungen gebe es außerdem, sagt Irmgard Kaskamanidis: „Wir können nicht meckern.“
Ein Tunnel unter den Gleisen bringt uns ins Großenbaumer Zentrum, mittendrin der Bahnhof aus den großen Zeiten der Eisenbahn, der dem Zug der Zeit entsprechend mittlerweile gastronomisch genutzt wird. Eine weitere, stattliche Gaststätte begrenzt der Bahnhofsplatz nach Süden, und auch ist Geschichte präsent. Alljährlich wird auf dem Platz das Schlagbaumfest gefeiert, eine fröhliche Erinnerung an die einstige Grenze zwischen den Herrschaften Berg und Kleve.
Hohe, alte Bäume so weit das Auge reicht
Rund um den Bahnhof und in den angrenzenden Straßen finden sich kleine und größere Geschäfte, Post und Sparkasse. „Es reicht für Großenbaum“, ist Irmgard Kaskamanidis mit dem Angebot weitgehend zufrieden.
Großenbaum gehört zum Stadtbezirk Süd und hat nach Angaben der städtischen Statistiker 10 145 Einwohner. Davon sind 5414 weiblichen und 4731 männlichen Geschlechts. Der Anteil der Ausländer liegt bei 5,6 Prozent.
Die nachweisbare Besiedlung Großenbaum begann mit den Eheleuten Jan und Bede Meypels, die 1532 ein Haus bauten mit der Lagebezeichnung „an dem großen Baum “.
Richtig lebhaft wurde der Stadtteil mit der Ansiedlung der Hahnschen Werke, die im Zuge der „Arisierungen“ während der NS-Zeit an Mannesmann verkauft wurden. Nach 1945 ging das Unternehmen mehrheitlich wieder an die Familie, 1958 dann komplett an Mannesmann.
„Shared Space“ , eine gemeinsame Verkehrsfläche für Autos, Radler und Fußgänger, ist das neueste mitten im Stadtteilzentrum, das wir über die Saarner Straße verlassen. Eine Mischung aus alten und neuen, Wohn- und Geschäftshäusern passieren wir, um dann in die Lauenburger Allee einzubiegen, die ihren Namen zu recht trägt: hohe alte Bäume zu beiden Seiten, so weit das Auge reicht. An der Allee die alte Schule, daneben die neue. Die eine besuchte Irmgard Kaskamanidis, deren Namen der griechischstämmige Gatte mitbrachte, die andere die Tochter.
Im Sommer sind Frösche zu hören
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle Stadtteilreports und alle Folgen von Duisburgs Top Ten.
Ich bekomme das alte evangelische Gemeindehaus gezeigt und die benachbarte moderne Kirche mit ihrem offenen Turm – bräuchte man noch einen Glöckner, er müsste schwindelfrei sein.
Am Siepenkothen verrät das nächste Straßenschild, wir befinden uns in einer Siedlung, die an Holland erinnert. Kanäle durchziehen das Quartier, Spielstraßen schaffen Ruhe, im Sommer seien Frösche zu hören, erfahre ich.
Am Uhlenbroicher Weg wird die Bebauung höher, acht, zehn Geschosse, etwas Gewerbe, aber alles sehr gepflegt. An einer Stichstraße nochmals Zeugnisse der Industrialisierung in Form von Werkshäusern der Hahnschen Werke. Ein paar Minuten später sind wir wieder vorm Bahnhof, wo einmal die Woche Markt abgehalten wird. Man lebe gut in Großenbaum, fasst Irmgard Kaskamanidis zusammen, „gut und ruhig“.

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