In Duisburg entsteht ein Haus mit Herz und Seele

Auf dieser Wiese soll das alternative Wohnprojekt bis 2016 entstehen.
Auf dieser Wiese soll das alternative Wohnprojekt bis 2016 entstehen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Alternatives Wohnprojekt „Reitbahn“ in Duisburg nimmt Form an. Ende 2016 soll das Haus bezugsfertig sein. Unter einem Dach sollen die Mieter gemeinsam älter werden.

Duisburg.. Noch stehen sie mitten auf einer saftig grünen Wiese mitten im Dellviertel, aber in Gedanken vermessen sie schon die Lobby ihres künftigen Heimes, riechen den Kaffee, sehen die Bücherwände und die gemütliche Sitzecke. „Das Café wird Herz und Seele unseres Hauses sein“, sagt Ulrich Varwig, „hier muss jeder durch, reinschleichen kann sich keiner.“

Der pensionierte Apotheker steht kurz vor der Verwirklichung eines lange gehegten Traumes: eines alternativen Wohnprojekts, bei dem man gemeinsam älter werden kann, ohne allein sein zu müssen. Vor drei Jahren berichteten wir schon einmal über seine Idee, da ging es noch darum, ein Haus selbst zu bauen für mehrere Parteien. Im Laufe der Jahre und nach vielen Gesprächen kamen das Amt für Soziales und Wohnen, der Stadtkonzern DVV als Grundstückseigentümer und die städtische Wohnungsbautochter Gebag ins Boot, um sich auf ein Pilotprojekt einzulassen.

Die Chemie muss stimmen

Varwig und seine Mitstreiter gründeten den Verein „Gemeinsam Leben“, der die Machbarkeitsprüfung der Gebag mitfinanzierte und jetzt als Generalmieter fungiert – für zwölf Wohnungen, zwischen 45 und 90 qm groß, außerdem einer kleinen Gästewohnung, die langfristig Pflegepersonal Platz bieten kann. Diese Lösung hat den Vorteil, dass sich die Beteiligten ihre Nachbarn selbst aussuchen können. Denn die Chemie muss stimmen, sind sich die Vereinsmitglieder einig.

Bis es soweit war, gab es Phasen, in denen Varwig und seine Frau den Traum fast beerdigen wollten. „Immer ging es um Geld, wir wollten ja, dass es für Normalverdiener finanzierbar ist“, so Ilona Varwig. Dabei geht es ihr vor allem um die Menschen, die sie bereits um sich geschart hat, die ihr am Herzen liegen. Deren Gesellschaft sie schätzt. Denen sie was vom Einkauf mitbringen will, wenn jemand mal krank ist. Und die sie irgendwann mal auffangen wird, wenn der Partner stirbt.

Wohnwünsche der Menschen wahrnehmen

„Wir müssen die Wohnwünsche der Menschen wahrnehmen“, sagt Kornelia Hofmann-Bonk, Projektleiterin bei der Gebag. 2,7 Millionen Euro investiert die Gebag in das Wohnprojekt „Reitbahn“, gleich in Sichtweite der Gebag-Zentrale. Dieses Bauprojekt ermögliche es, nach der Familienphase in der Mitte des Lebens aus dem Einfamilienhaus im Grüngürtel zurück in die Stadt zu ziehen.

Die Baugesellschaft profitiert von Bewohnern, die vermutlich sorgsam mit der Immobilie umgehen, einer geringen Fluktuation, hoher Eigenverantwortung. Über 20 Jahre läuft der Generalmietvertrag mit dem Verein, der gerade ausgearbeitet wird. „Was kann uns besseres passieren?“, sagt Hofmann-Bonk, die sogar eine Strahlkraft auf die umliegende Bebauung erwartet. Ein paar Wohnungen sind auch noch frei für Interessierte, werben die Häuslebauer, die hoffen, Ende 2016 einziehen zu können.

Wichtige Entscheidungen treffen die Vereinsmitglieder mit Dreiviertel-Mehrheit. Den guten Willen bringen alle mit. „Und zur Not kann man ja wieder ausziehen, wenn es gar nicht klappen sollte“, ist Marlene Mohrbacher pragmatisch. So richtig wahrscheinlich ist das nicht. Mit den Varwigs lebt sie schon seit 30 Jahren unter einem Dach. Am guten Verhältnis wird auch eine neue Adresse nichts ändern.

Infos auf der Webseite gemeinsam-leben.eu, Kontakt per Mail: gemeinsam_leben@gmx.de