In Duisburg bleibt schon jeder zweite Brief liegen

Beginn des unbefristeten Streiks im Briefverteilzentrum Asterlagen in Duisburg.
Beginn des unbefristeten Streiks im Briefverteilzentrum Asterlagen in Duisburg.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Die Gewerkschaft Verdi will weitere Post-Beschäftigte zur Arbeitsniederlegung aufrufen. Schon jetzt bleibt jeder zweite Brief in Duisburg liegen.

Duisburg.. Wer voller Sorgen täglich mit Rechnungen im Briefkasten rechnet, kann in den nächsten Tagen möglicherweise etwas entspannter leben: Bei der Gewerkschaft Verdi geht man davon aus, den Postverkehr durch den aktuellen Arbeitskampf nach und nach immer mehr ins Stocken zu bringen.

Dabei sieht die Streikbewegung so mächtig gar nicht aus vor dem Briefverteilzentrum in Asterlagen. Vielleicht zehn Streikposten stehen mit Verdi-Westen und -Fahnen vor der Einfahrt, ein angemieteter Linienbus dient als Streiklokal.

Die meisten bleiben der Arbeit fern

Rund 500 Beschäftigte sorgen in normalen Zeiten dort rund um die Uhr für den Briefverkehr in und um Duisburg. Von den 160 Mitarbeitern der Nachmittagsschicht waren am Dienstag nach Verdi-Angaben 150 der Arbeit ferngeblieben. Nur einige wenige Verwaltungsmitarbeiter, Beamte und Aushilfskräfte seien mit dem Post-Sortieren beschäftigt, so Verdi-Sekretär Stefan Kaufmann, aber bei weitem nicht so leistungsfähig wie das eingespielte Stammpersonal. Jeder zweite Brief bleibe wohl heute schon liegen, meint der Gewerkschafter. Und: „Das wird Tag für Tag chaotischer.“ Unbearbeitete Sendungen würden immer mehr, der Platz im Verteilzentrum immer enger. Bereitwillig winken die Streikposten anliefernde Lkw durchs Tor.

In den kommenden Tagen will Verdi nach und nach weitere Post-Mitarbeiter zum Streik aufrufen, darunter Brief- und Paketzusteller. An mangelnder Motivation werde der Streik nicht scheitern, ist sich Kaufmann sicher: „Alle machen mit.“ Zudem liege der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Briefverteilzentren bei über 90 Prozent. Alle Beschäftigten eine die Angst, künftig zu schlechteren Konditionen arbeiten zu müssen.

Vertrauen verloren

Denn dieser Streik hat eine Vorgeschichte. Paketboten wurden in eine Tochterfirma ausgegliedert, die aber nicht nach dem Post-Tarif bezahlt, sondern nach dem der Logistikbranche. Dort liegen die Entgelte deutlich unter denen, die bislang beim gelben Logistik-Riesen bezahlt werden. In den Briefzentren geht nun die Sorge um, bei Ausgliederungen die nächsten zu sein. „Der Post glaubt keiner mehr“, beschreibt Kaufmann die Stimmung.

Und die Forderung von Mitarbeitern und Verdi ist laut Kaufmann schlicht und einfach: „Wir wollen die Arbeitsplätze bei der Post sicher haben.“ Gebe es ein Einlenken seitens des Unternehmens, nehme man innerhalb eines Tages wieder die Arbeit auf. Und dann kommen auch wieder die Rechnungen.