In Duisburg arbeitet der ukrainische Nähmaschinenflüsterer

Am liebsten sitzt Simon Rejets in seiner kleinen Werkstatt im hinteren Teil des Ladenlokals und schraubt an den Maschinen herum.
Am liebsten sitzt Simon Rejets in seiner kleinen Werkstatt im hinteren Teil des Ladenlokals und schraubt an den Maschinen herum.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Tschernobyl-Katastrophe ist das Glück für Besitzer von Nähmaschinen in Duisburg. Der Ukrainer Simon Rejets erweist sich als Nähmaschinenflüsterer.

Duisburg.. Simon Rejets weiß, was er kann. „Wenn eine Nähmaschine noch irgendwie zu reparieren ist, bekomme ich das hin“, sagt der Ukrainer, der seit 1995 das Nähzentrum in Wanheimerort betreibt, in dem es auch viel Nähzubehör sowie neue Maschinen zu erstehen gibt.

Simon Rejets ist ein Mann mit sehr guten Qualifikationen und einem großen Erfahrungsschatz. Seit 50 Jahren arbeitet er bereits mit Nähmaschinen, ist geprüfter Feinmechanikermeister und Diplom-Ingenieur. Nur wenn es um die Sprache geht, ist der 73-jährige Ukrainer sehr zurückhaltend. „Mein Deutsch könnte besser sein“, gibt er zu. Also erzählt sein Sohn Juri die Geschichte der Familie, die wegen der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe 1992 nach Deutschland auswanderte. Zuvor hatte sein Vater in Kiew als Ingenieur in einer großen Kleidungsfabrik gearbeitet. Als die Rejets ihre Heimat verließen, landeten sie zunächst in Erftstadt. Dann ging es weiter nach Duisburg.

Historische Maschinen

Dort hatte Rejets an der Düsseldorfer Straße ein Fachgeschäft für Nähmaschinen ausgemacht. „Ich wollte auch hier das machen, was ich am besten kann“, erzählt er. Von der Handwerkskammer ließ sich Rejets seine Qualifikationen bestätigen. Als sein Chef das Geschäft 1995 aufgab, eröffnete der Ukrainer nur wenige Meter weiter seinen eigenen Laden. „In einige Sachen musste mein Vater sich erstmal einarbeiten. Von Wolle hatte er zum Beispiel zu Beginn nicht so viel Ahnung“, berichtet Juri Rejets. Heute hängt jede Menge Garn und Wolle an den Ständern. Das Sortiment an Knöpfen übersteigt locker die Tausendermarke. Neue und gebrauchte Nähmaschinen aller Marken werden verkauft.

Doch am liebsten sitzt Simon Rejets immer noch in seiner kleinen Werkstatt im hinteren Teil des Ladenlokals und schraubt an den Maschinen rum. Manchmal bekommt er dabei historische Stücke zu Gesicht. „Manche davon sind sogar aus Museen“, erklärt der Experte.

Über 100 Jahre alte Singer repariert

Letztens hat ein Kunde eine über 100 Jahre altes Produkt der Traditionsfirma Singer vorbeigebracht. Diese wurde gar noch mit Pedale betrieben. „Eine echte Schönheit“, beschreibt der 73-Jährige, der auf Grund seiner beruflichen Vergangenheit auch vor der Reparatur von Industriemaschinen nicht zurückschreckt. „Die Leute kommen aus Mülheim, Moers oder Düsseldorf zu uns“, erläutert Rejets stolz. Echte Spezialisten für die Reparatur gibt es nämlich auch in der Umgebung immer weniger. Auch diese Tatsache macht Simon Rejets Arbeit so besonders.

Das Nähzentrum an der Düsseldorfer Straße 514 in Wanheimerort ist montags bis freitags von 9 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9 bis 13.30 Uhr geöffnet.

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