Immer mehr Raucher in Duisburg prellen die Zeche

Immer mehr Raucher nutzen den Gang vor die Kneipentür um ihre Rechnung nicht zu bezahlen. In Duisburg klagt das König-City besonders über zechprellende „Pendler“.
Immer mehr Raucher nutzen den Gang vor die Kneipentür um ihre Rechnung nicht zu bezahlen. In Duisburg klagt das König-City besonders über zechprellende „Pendler“.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein neuer Trend zeichnet sich in Duisburg ab: Gäste nutzen ihre Raucherpause vor der Tür der Kneipe immer öfter zur schnellen Flucht und lassen die Wirte auf unbezahlten Rechnungen sitzen. Auch die Polizei hat keine Handhabe gegen die Zechpreller, nun suchen die Kneipen nach eigenen Lösungen.

Duisburg.. Die Rechnung ohne den Wirt zu machen, das denken sich dieser Tage wohl immer mehr Kneipengäste. Dann nämlich, wenn sie mit der Zigarette in der einen und dem Bierglas in der anderen Hand erst vor die Wirtshaus Türe ent- und kurz darauf dann ganz verschwinden.

Ohne die Rechnung zu bezahlen. Dieses Phänomen zumindest beklagen Kneipen- und Barbesitzer in der Dortmunder Innenstadt. Und auch Duisburg scheint nicht gänzlich von dem Trend verschont zu bleiben, dass Raucher ihre Zwangspause vor der Tür zur schnellen Flucht benutzen.

Niemand passt auf

„Das Problem kennen wir ziemlich gut“, berichtet etwa Katrin Müller vom König-City auf der Düsseldorfer Straße. Hier sind die „Pendler“, wie jene draußen-rauchenden Gäste genannt werden, ein echtes Problem geworden: „Erst gestern morgen hatten wir einen solchen Zechpreller.“

Im Winterbetrieb ist das keine Seltenheit. Dann nämlich haben die meisten Außenbereiche geschlossen, nur die Raucher sammeln sich. Unbeaufsichtigt. „Wir haben im Winter draußen keine Kellnerin mehr“, offenbart auch Geschäftsführerin Müller. Und somit auch niemanden, der aufpasst. Dazu kommt, dass die Kneipe direkt an einer stark begangenen Straße liegt. Bedeutet: Viel Laufkundschaft und die Möglichkeit rasch zu verschwinden.

Betriebe müssen sich umstellen

Das sind auch die Hauptprobleme mit den „Pendlern“, weiß Marc Weber, Inhaber des Brauhaus Webster am Dellplatz und Vorsitzender des Hotel und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Duisburg zu berichten. Wenngleich er klarstellen muss, dass es Duisburg weit weniger hart trifft als zum Beispiel die Dortmunder Wirtshäuser. Der Grund: Es gibt weniger Kneipen in der Innenstadt und somit auch weniger Laufkundschaft. „Stammgäste verhindern diese Art der Zechprellerei. Aber der Betrieb muss sich natürlich auch anders organisieren, wenn es ‘Pendler’ vorher nicht gegeben hat.“ Was Weber meint, sind beispielsweise „Codes“, die zwischen Wirt und Gast gelten müssten, wenn dieser zur Zigarette raus geht: „Die Zigarettenschachtel im Lokal lassen.“

Oder einen Aufpasser beschäftigen, was für Katrin Müller allerdings kein Thema ist. So gehen die Zechpreller ihr vor allem ans Geld. Und den Kellnerinnen ins Portemonnaie. „Sie legen das Geld für die Getränke nämlich aus.“ Eine Lösung hat die Kneipe aber scheinbar gefunden, wenn auch nicht unbedingt zum Gefallen der Gäste. Müller: „Wir verlangen jetzt immer, dass bezahlt wird, bevor man den Raum zum Rauchen verlässt.“ Ausnahmen gelten nur für alte Stammgäste. „Uns ist klar, dass das nicht bei allen auf Verständnis stößt. Aber, was sollen wir machen? Wir stehen bei dem Thema Rauchen immer zwischen Gast und Beschlüssen der Politik.“

Polizei kann bei Pendlerproblem nicht Helfen

Auch Polizeisprecher Stefan Hausch weiß von dem Problem der unbekannten Zechpreller: Die Behörde hat allerdings keine große Handhabe dagegen. Denn „es wäre realitätsfremd, eine Anzeige gegen Unbekannt zu stellen. Der Wirt möchte ja sein Geld wieder bekommen. Nur wenn der Name des Zechprellers bekannt ist, können wir tätig werden“, erklärt Hausch.

Dass die Polizei auch dann meist nur bedingt helfen kann, zeigen indes die Worte von Müller . „Selbst wenn der Zechpreller nicht verschwindet, sondern noch im Laden sitzt, heißt es von den Beamten oft: ’Ach, der schon wieder’. Da weiß ich, das Geld ist weg“, resigniert Müller.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Duisburger Süden. Auch im „Gleis 3“ an der Angermunder Straße hat man schon Erfahrungen mit Zechprellern gemacht. Und zwar kurz nach der Eröffnung. „Das war aber auch unsere eigene Schuld. Teilweise mussten die Leute sehr lange auf ihre Rechnung warten und sind dann einfach gegangen“, erklärt Inhaber Yakup Erdogan. Doch nach den anfänglichen Problemen bereiten die nicht-zahlenden Gäste zumindest im Tagesgeschäft nur noch weniger Probleme. Anders sieht es aus, wenn der alte Bahnhof zu Großveranstaltungen ruft. Erdogan: „Wenn es richtig voll wird, geben wir nur noch Verzehrkarten aus.“ Das heißt ein Gast bezahlt im Voraus eine bestimmte Summe und Zechpreller haben keine Chance: „Mit dieser Strategie fahren wir sehr gut.“ Denn auch im „Gleis 3“ bezahlen die Zeche am Ende die Kellner. „Bei höheren Beträgen schmeißen die Kellner dann ihr Trinkgeld zusammen“, berichtet Erdogan.

Stammgäste geben Acht

Im „Jedermann“ auf der Schweizer Straße indes kennt man das Problem der Zechprellerei nicht: „Wir haben allerdings auch viele Stammgäste. Und wenn jemand neues in den Laden kommt, dann merkt dieser schnell, dass man aufeinander aufpasst“, sagt Silvia Schneider-Welskop.

Dennoch: Generell hat die Zechprellerei in Duisburg in diesem Jahr etwas zugenommen, weiß Polizeisprecher Hausch. Doch auf der offiziellen Statistik lastet „der Fluch der kleinen Zahlen“, wie er sofort hinterher schiebt: „Bis September sind bei uns 35 Anzeigen eingangen. Im Vorjahr waren es nur 28. Im Jahr davor 24.“

Doch der Polizist geht davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. Viele Wirte nämlich würden den Anruf bei der Polizei gar nicht mehr tätigen. Das bestätigt auch Erdogan: „Der ganze Terz lohnt sich ja bei den kleinen Beträgen auch nicht.“