Im Spinnennetz des Liebeswahns
05.01.2012 | 11:31 Uhr 2012-01-05T11:31:00+0100Duisburg. Der Jugendclub des Duisburger Theaters überzeugt bei seiner neuesten Aufführung „Rosen und Regen, Schwert und Wut“ mit außerordentlich filigraner Schauspielkunst.
Shakespeares „Sommernachtstraum“, skelettiert auf den Handlungskern, den der polnische Theaterwissenschaftler Jan Kott als „Rosen und Regen, Schwert und Wunde“ bezeichnete: So heißt eine Bearbeitung, die Beat Fäh 1989 für fünf Schauspieler und einen Haufen Schuhe mit großem Erfolg in München aus der Taufe gehoben hat und die jetzt auch der „Spieltrieb“, der Jugendclub im Theater Duisburg, in einer nicht minder beeindruckenden Inszenierung zeigt.
Seelenschau
Entstanden ist die Produktion im Rahmen einer Probenwoche in Südfrankreich, zu der die Gruppe unter Leitung von Regisseur Michael Steindl als „artistes in résidence“ eingeladen war. Das Resultat ist eine Stunde intensiver, spannender und handwerklich außerordentlich filigran ausgearbeiteter Schauspielkunst. Die Kürze der extrem verdichteten Handlung fordert den hoch motivierten Akteuren zusätzliche Konzentration ab. Verschnaufpausen gibt es nicht, indem Fäh das Stück auf den schadenfrohen Liebes-Kobold Puck und die beiden menschlichen Liebespaare um Hermia und Demetrius, Helena und Lysander reduziert. Die Handwerker und das märchenhaft-mythische Personal um Oberon und Theseus bleiben ausgespart.
Die nächsten Aufführungen im Foyer III: 9. und 18. Januar sowie am 8. Februar (Infos und Ticket: www.duisburg.de/theater/start.php). Am Donnerstag, 5. Januar, um 20 Uhr steht bereits die nächste Premiere des „Spieltriebs“ an: „Ein Spiel vom Jedermann“.
Vier junge Leute zappeln in einem Spinnennetz gesellschaftlicher Ansprüche, persönlicher Bedürfnisse und emotionaler Irritationen. Eine Situation, die Puck in einer alptraumhaften Nacht in ein kaum zu entwirrendes Gefühlschaos steigert.
Das Ensemble des „Spieltriebs“ vermag nicht nur die Jugendlichkeit der verstörten und heiß liebenden jungen Leute überzeugend zu vermitteln, sondern auch deren seelische Irrungen und Wirrungen. Das alles arbeitete Michel Steindl mit beeindruckender Detailgenauigkeit heraus. Und Puck, der Strippenzieher des Wirrwarrs, leitet mit Charme und einem bösartigen Unterton durch die Geschichte, angereichert durch einige zarte Liebessongs zu Akkordeon und Gitarre.
Eine Seelenschau, die nicht viel Dekor braucht. Ein Haufen Schuhe als Anspielung auf die erotische Symbolik des Kleidungsstücks und ein paar Trennwände reichen vollauf, um die räumlichen Verhältnisse samt Sitz- und Liegegelegenheiten klar zu umreißen. Kompliment für die fünf Darsteller: Kevin Barz (Puck), Hanna Kertesz (Hermia), Jennifer Riahi (Helena), Behzad Sharifi (Lysander) und Stefan Kolkenbrock (Demetrius), wobei die jungen Frauen auch die Ausstattung besorgten.

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