Im Speisewagen der D-Bahn zwischen Duisburg und Düsseldorf
24.02.2013 | 11:00 Uhr 2013-02-24T11:00:00+0100
Duisburg/Düsseldorf. Die Diskussion um die Zukunft der U 79, die Duisburg mit Düsseldorf verbindet, hat bei unseren Lesern für Aufregung gesorgt. Denn auch wenn die Linie als U 79 erst seit 1992 in Betrieb ist, gibt es die Straßenbahn-Verbindung zwischen beiden Städten schon sehr lange und sie scheint legendär zu sein, wie die Leserreaktionen zeigten. Stichwort: D-Bahn.
D-Bahn wird manch einer aus der jüngeren Generation verdutzt fragen? Die Älteren dagegen, die gestern und vorgestern zum Telefonhörer griffen, gerieten regelrecht ins Schwärmen. Vor allem der Speisewagen, der hatte es ihnen angetan. So erzählte ein älterer Herr, der 40 Jahre von Duisburg nach Düsseldorf pendelte, begeistert von den ganzen Verkäuferinnen, die ab 18.30 Uhr die Sitzplätze im Speisewagen belegten, von der schlechten Stimmung, nachdem ein anderes Altbier ausgeschenkt wurde und von der Weiberfastnacht, da er nachmittags („Mir taten die Füße von Tanzen weh“) in den Speisewagen Richtung Duisburg stieg und erst kurz vor Mitternacht in Wittlaer ausstieg.
Schon 1899 rollten die ersten Züge
Die Geschichte der U 79 beginnt bereits 1899: Am 31. Oktober rollten seinerzeit die ersten Züge der Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn GmbH vom Düsseldorfer Hauptbahnhof aus Richtung Norden. Endstation damals: Kaiserswerth. Über die Stadtgrenze hinweg fuhren Kleinbahnen erstmals am 26. August 1900, da war die Strecke bereits 24 Kilometer lang. Um 6.30 Uhr ging es von Düsseldorf los, um 7 Uhr von Duisburg.
48 Haltestellen auf 41,3 Kilometern: Die U 79 ist die langsamste Bahnverbindung zwischen Duisburg und Düsseldorf. In ihrer 113-jährigen Geschichte gibt’s so viel zu entdecken wie am Streckenrand. Von Derby-Randale, einem Speisewagen und einem Geisterbahnhof.
Als die Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn 1938 am Ende war, übernahmen Rheinbahn und die „Duisburger Straßenbahn“ die Strecke und nannten die Verbindung in „D-Bahn“ um. Die legendären Speisewagen gab es ab Pfingsten 1950.
Außen waren die Wagen violett mit elfenbeinfarbigem Fensterband gestrichen und mit der seitlichen Aufschrift „Speisewagen“ versehen. Innen gab es – etwa wie bei den Mitropa-Speisewagen – eine Kombüse, mit braunem Lederpolster versehene Sitzbänke und Tische mit Tischstehlämpchen.
Man bekam Frühstück, Suppen, kleine Tellergerichte wie Wiener Würstchen mit Brötchen oder Kartoffelsalat und natürlich heiße und kalte Getränke. Die Fenster waren mit gerafften Gardinen versehen, die Wände im braunen Mahagoni, die Decke mit hellem Birkenholz. In entsprechenden Haltern hingen an Wandhaken sämtliche Duisburger und Düsseldorfer Tageszeitungen.“ So beschreibt der Duisburger Heimatforscher Harald Molder die Speisewagen der D-Bahn zum 110-jährigen Bestehen der Linie 2009. Es muss schön gewesen sein.

09:39
Meine Frau und ich haben den Speisewagen geliebt und oft genutzt, obwohl es gegen Ende nur noch Getränke gab und das Rauchen auch verboten war.
Das Ende kam, nachdem die DVG die Bewirtschaftung in private Hände abgegeben hatte und diese(r) Pächter nicht immer dafür gesorgt hatte(n), dass genug Waren vorhanden waren. Auch mit der fairen Entlohung der Bedienungen soll es nicht sauber gelaufen sein.
Schade!
08:27
Kann mich #2 nur anschließen, wenn die Bahn überfüllt war, störte der Speisewagen nur.
Aber morgens auf dem Weg zur Schue war er meist noch geschlossen, so dass man an den Tischen noch wunderbar vergessene hausaufgaben erledigen konnte.
Das waren noch Zeiten...
13:14
Als Schüler habe ich den Speisewagen gehasst. War die Bahn brechend voll, war der Speisewagen meistens leer und eine zumeist recht kompromisslose Angestellte hat resolut darauf geachtet, dass sich ja niemand dort herein setzt, der nichts essen/ trinken möchte.
Später, als ich regelmäßig nach Ddorf gependelt bin, habe ich es schätzen gelernt, gemütlich zum Feierabend noch einen Kaffee (manchmal ein Bierchen) zu trinken.
Die Abschaffung der Speisewagen fand ich ökonomisch nachvollziehbar, traurig war es trotzdem. Dass man jetzt darüber nachdenkt die ganze Linie einzustellen, erschreckt mich auf das Äußerste. So weit darf es nicht kommen. Die U79 ist eine sehr gute Alternative zu Zug und Auto.
12:07
destotrotz....die U79 muss bestehen bleiben