Im Rhein bei Duisburg herrschen lebensgefährliche Strömungen

Das Rheinufer in Rheinhausen, auf der anderen Flussseite die Industrieanlagen in Hochfeld.
Das Rheinufer in Rheinhausen, auf der anderen Flussseite die Industrieanlagen in Hochfeld.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bei bis zu 35 Grad werden heute wieder viele Duisburger Abkühlung in den zahlreichen Gewässern suchen. Doch das Baden birgt auch Gefahren. Das Schwimmen im Rhein ist grundsätzlich nicht verboten, doch die Polizei rät davon ab. Der Sog der vorbeifahrenden Schiffe kann tödlich sein.

Duisburg.. Bei fast tropischen Temperaturen von bis zu 35 Grad werden heute wieder zahlreiche Wasserratten die Abkühlung in einem der zahlreichen Duisburger Gewässer suchen. Doch mancherorts droht Gefahr beim Baden. Wir widmen uns deshalb dem Thema Sicherheit.

„Das Schwimmen im Rhein ist zwar nicht grundsätzlich verboten, es ist aber fast überall so gefährlich, dass wir davon abraten“, erklärte Polizeisprecher Ramon van der Maat. Ein Verbot gelte jedoch für den Bereich der Duisburger Reede, die einen Großteil der 42 Rhein-Kilometer im Stadtgebiet umfasst. Hafenbecken, Hafenein- und -ausfahrten sowie Schiffsliegeplätze seien Risikobereiche. „Das Gefährlichste ist aber der Sog, den die vorbeifahrenden Schiffe erzeugen. Da reicht es schon, nur bis zu den Knien im Wasser zu stehen – und trotzdem kann man mitgerissen werden“, warnt van der Maat.

Im Vorjahr habe es zwei Todesfälle gegeben. „Normalerweise sind es im Schnitt fünf bis sechs Tote pro Jahr. Der Negativrekord waren 19 Badetote auf allen schiffbaren Wasserstraßen in NRW im Jahr 2003“, so der Polizeisprecher.

Kaum Strömung im Kanal

Die Boote 1, 8, 11 und 12 der Wasserschutzpolizei fahren nicht nur heute rund um die Uhr Patrouille auf dem großen Strom. Bei Bedarf können die Polizisten an Bord allzu kühne Schwimmer per Lautsprecher-Durchsage warnen. Die Rheinauen-Besucher sollten sich auch durch den derzeit niedrigen Wasserstand von etwa vier Metern nicht verleiten lassen. „In der Fahrrinne geht es sofort steil bergab. Dort herrschen lebensgefährliche Strömungen.“

„Wir dulden es“ – heißt es beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) zum Schwimmen im Rhein-Herne-Kanal, zärtlich auch „Riviera des Nordens“ genannt. Verboten sei der Wasserspaß 100 Meter vor und hinter Brücken, an Hafenanlagen und an Schleusen. Schiffsbesatzungen von Wasserbehörde und Wasserschutzpolizei würden bei Missbrauch einschreiten, sagt WSA-Sprecher Dirk Radermacher.

Gefährlich sei es im Kanal nicht – so lange kein Schiff kommt. Durch den Schleusenbetrieb entstehe kaum Strömung. Und: Die Wasserqualität ist gut. Der Kanal wird von der Lippe gespeist, nur bei Wasserknappheit wird Rheinwasser kanalaufwärts gepumpt. Auch an der Ruhr ist das Schwimmen erlaubt, flussaufwärts gibt es sogar Campingplätze am Ufer, die über eigene Badestege verfügen.

DLRG überwacht nicht jedes Gewässer

Nicht überall dort, wo man theoretisch baden gehen kann, ist auch automatisch die DLRG im Einsatz. Andreas Mikolajczak, Ausbildungsleiter der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Duisburg: „In der Regel kommen wir nur auf Anforderung. So zum Beispiel beim Ruhrorter Hafenfest oder zur Kanu-WM.“ Es sei nicht vorgesehen, dass die DLRG alle potenziellen Badeseen überwacht. „In den meisten Seen herrscht ohnehin Badeverbot.“

Baden erlaubt ist nur im Kruppsee und im Wolfssee, wie die Pressesprecherin der Stadt, Anja Huntgeburth, betont. Dort werde auch die Wasserqualität begutachtet.

Die DLRG ist in Duisburg auf die Bereiche West, Nord und Mitte/Süd aufgeteilt. Die Besetzung der Rettungswachen wird von der jeweiligen Ortsgruppe entschieden. Andreas Mikolajczak: „Unsere Funktion ist mit der des Deutschen Roten Kreuzes vergleichbar.“ Natürlich gebe es auch freiwillige Einsätze von Mitgliedern. „Das ist dann reines Ehrenamt. Die Grillwurst am Abend zahlt dann aber meist der Verein.“

Silberabzeichen ist Pflicht

Die Freibäder müssen Sicherheit garantierten. Im Freibad Großenbaum seien 24 Rettungsschwimmer, die alle das DLRG- Abzeichen in Silber besitzen. „Wir haben ein Boot auf dem Wasser, nach einer halben Stunden wird die Aufsicht abgelöst“, sagt Vorstandsmitglied Jürgen Dorloff. Strandläufer sind zudem im Einsatz. Sie müssen ständig ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen.

Immer wieder Leute für die Aufsicht zu rekrutieren, sei teils ein schwieriges Unterfangen, so Frank Skrube vom Wolfssee. Das Freibad habe Ehrenamtliche, die auf Abruf arbeiten – man bräuchte aber immer Leute in der Hinterhand. An Spitzentagen wären allein für die Wasseraufsicht im Schichtdienst 16 Leute vor Ort. Ein DLRG-Abzeichen in Silber sei Pflicht.