Im Marathon-Schritt um die Welt29.928 Kilometer und 39 Paar Sportschuhe: Wettlauf um die Welt

„Gerade habe ich nasse Füße, denn ich stehe mitten im pazifischen Ozean.“ Auf einer Grafik an seinem Computer misst Jürgen Binias genau aus, an welchem Punkt der Erde er gerade steht. Seine Leidenschaft ist das Dauerlaufen. Jeden einzelnen Kilometer, den er hinter sich gebracht hat, erfasst er in einer Excel Tabelle. Sein Ziel ist es einmal die Erde zu umkreisen. Und das hat er fast geschafft. Es fehlen noch 10.000 Kilometer, um die Länge des Äquatorkreises zu erreichen. Denn die beträgt 40.075,017 Kilometer.

Schon 137 Marathonsin zehn Jahren

„Ein Arbeitskollege motivierte mich damals, mit zu dem Lauftreff des LC Duisburg zu kommen. Das war 1996.“ Begeistert war der heute 54-Jährige nicht von der Idee, ließ sich aber überreden. 5,5 Kilometer mit 20 Gehpausen. „Danach war ich ganz schön außer Atem“, erinnert sich Binias lachend. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er nie Sport betrieben. Doch nach jenem ersten Training packte ihn die Motivation. Binias wurde Mitglied im Laufclub, steigerte sich von Woche zu Woche. Das Laufen ist seitdem zu einem wichtigen Teil seines Lebens geworden. Der gebürtige Rheinhausener fand im Laufen seinen Weg, den Alltagsstress und ein paar überflüssige Pfunde loszuwerden. „Als ich anfing, wog ich noch 118 Kilogramm, jetzt bin ich bei 88.“

2005 lief der Athlet dann seinen ersten Marathon. Darauf folgten 137 in den letzten zehn Jahren. Bei den knapp 42 Kilometern pro Wettkamp kommt es Binias nicht auf eine Bestzeit an. „Es soll Spaß und Freude machen. Vier Stunden ist zwar meine magische Zahl, aber Ankommen ist das eigentliche Ziel.“ Die Zielgerade erreichte er nicht nur in Deutschland: Läufe in New York, Paris, Luxemburg und um den Wolfgangsee in Österreich hat er schon abgehakt. Doch auf seiner Liste sind noch einige Wunschstädte offen. Wenn er einen Marathon beendet hat, meldet er sich sofort für den nächsten an. Der Königsforst und der Viva West Marathon durch das Revier sind als nächstes an der Reihe.

Allerdings sind diese Wettkämpfe noch lange nicht alles. Während der Marathon für die meisten Läufer die Königsdisziplin ist, gibt es für Jürgen Binias noch „kleine“ Steigerungen. Stichwort: Ultramarathon. Der Duisburger hat sechs Strecken zwischen 50 und 160 Kilometer bezwungen. Einen 50-Kilometer-Lauf in Georgsmarienhütte, den legendären 100-Kilometer-Nachtlauf in Biel, zwei 101-Kilometer Wettkämpfe in Bödefeld (inklusive 2200 Höhenmeter) und zwei Mauerwegläufe in Berlin (100 Meilen beziehungsweise knapp 160 Kilometer).

Für die 160 Kilometer brauchte der Hochleistungssportler 23 Stunden und elf Minuten. „Der Trainingsplan für diesen Tag beinhaltete einige Marathons und Nachtläufe um die Regattabahn, die sich von 50 auf 70 Kilometer steigerten“, erklärt Binias. Solche Rennen und die entsprechende Vorbereitung unternimmt er aber nicht allein. „Zu zweit oder zu dritt macht es mehr Spaß.“ Auch seine Freundin ist laufbegeistert, doch sie bleibt bei den Halbmarathons. Davon hat sie schon 22 absolviert. „Wir melden uns oft gemeinsam an, laufen aber jeder unsere eigene Strecke.“ Sie den Halben, er den Ganzen.

Laufen ist einepositive Sucht

„Laufen ist einfach schön. Ich kann abschalten, fühle mich frei“, sagt der Sportliebhaber mit einem Funkeln in den Augen. Zu seinem fünfzigsten Geburtstag war das Ziel 50 Marathonläufe vollendet zu haben. Doch danach war noch lange nicht Schluss.

Allein im vergangenen Jahr lief der Rheinhausener sogar 21 Marathonläufe. Um diese Erfolge gebührend aufzubewahren, hat er eine Medaillenwand in seiner Wohnung. 92 Stück hängen schon an der Pinnwand und es sollen noch viele weitere hinzukommen. Für solch eine Anhäufung an Kilometern, musste die ein oder andere Sohle herhalten: 39 Paar Joggingschuhe hat die Sportskanone schon abgelaufen.

„Es ist eine positive Sucht. Wenn ich eine Zeit lang überhaupt nicht gelaufen bin, dann kratzen mir die Füße.“ Doch das kommt selten vor. Binias läuft zwei bis drei Mal die Woche. So hat er auch Abwechslung zu seinem bewegungsarmen Bürojob: Bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann sitzt der technische Angestellte viel am Computer. Wenn er dann nach Hause kommt, ist Sport für ihn der Ausgleich.

„Und bisher habe ich keine Probleme mit den Knien“, sagt er. Trotzdem solle man sich kein Beispiel an ihn nehmen. „Jeder soll so viel laufen wie er kann. Wichtig ist nur, dass man sich bewegt. Denn wer rastet, der rostet.“