Im Literatur-Labyrinth
05.08.2008 | 18:46 Uhr 2008-08-05T18:46:58+0200Etwas angestaubt riecht es in der Uni-Bibliothek schon. Zwischen Wirtschaftswissenschaften, Buchstaben PUK bis PUM, und Japanistik erfahren die WAZ-Leser Wissenswertes über die Arbeit mit den Nachschlagewerken
WAZ-SOMMERAKTION Die aufgeheizte Luft riecht nach altem Papier, Kabel hängen von der Decke, Regale sind verrückt. Ein bisschen erinnert diese Ausgabe der WAZ-Sommerferienaktion an eine Baustellentour. Doch Uni-Bibliotheksleiter Sigurd Praetorius, die Studenten und auch die Sommertour-Besucher nehmen's gelassen: Endlich wird nach 20 Jahren der Teppich ausgetauscht. Und wenn die Bücher schon einmal komplett von links nach rechts geräumt werden müssen, dann können sie wenigstens auch neu sortiert werden.
"Wir waren in der Firma ja immer stolz auf unsere volle Bücherwand mit gebunden Zeitschriften. Aber das ist ja hier ein Irrgarten voller Bücher. Und Zeitschriften gibt's hier massenweise", sagt Jürgen Schlechtriem ganz erstaunt. Er und seine Frau Karin sind nicht das erste Mal auf Sommertour mit der WAZ. Zur Uni-Bibliothek sind sie aus reiner Neugierde gekommen. "Wir wohnen in Rheinhausen und waren noch nie an der Universität. Deshalb waren wir gespannt, wie es hier aussieht", erklärt Karin Schlechtriem. Rita Zeltner wandelt indes auf den Spuren ihrer Tochter. Die hat früher in Duisburg die Fächer Anglistik und Politik studiert.
Vorbei geht's an Japanistik, Buchstaben HESN bis MESE, hindurch durch Gänge mit wirtschaftswissenschaftlicher Literatur, PUM bis PUK. Am Ende eines Flures steht ein Wagen mit diversen Nachschlagewerken, die zurückgegeben wurden und nun wieder einsortiert werden müssen. Das Exemplar "Nonverbale Kommunikation in der Fernsehwerbung" hat seine Dienste getan, ebenso wird der "Leitfaden zur Erhöhung der Logistikqualität" für eine Hausarbeit nicht mehr gebraucht. Mehr als 2 500 000 Bände und Zeitschriften verteilen sich auf insgesamt acht Bibliotheks-Standorte in Duisburg und Essen. Im LK-Gebäude an der Lotharstraße sind vor allem Geistes- und Gesellschaftswissenschaften untergebracht. Die Ingenieure finden ihre Fachliteratur an der Mülheimer Straße.
"Und wie findet man die Bücher hier?", bringt Karin Schlechtriem die Fragen aller Fragen auf den Punkt. Dazu muss man keineswegs ein abgeschlossenes Studium vorweisen. Das Prinzip, erklärt Uni-Bibliotheksdirektor Sigurd Praetorius, sei ganz einfach. "Alle Bände sind in einem Katalog verzeichnet und haben eine Signatur. Mit dieser weiß man, wo die Bücher stehen." Solche mit ungeraden Ziffern darf man ausleihen, die geraden Nummer zeigen an, dass sie zur Bestandsliteratur gehören und nur in den Arbeitsräumen der Bibliothek gelesen werden dürfen.
Mitnehmen darf die Werke übrigens jeder, der sich registriert und einen entsprechenden Leihausweis vorweisen kann. Doch auch im Reich der tausend Seiten bleibt die technische Revolution nicht aus. Immer mehr Texte können auch online nachgeschlagen werden. Diverse Datenbanken unterstützen die Informations-Recherche. In dieser Hinsicht ist Praetorius Traditionalist: "Ich lese nicht so gerne am Bildschirm, sondern halte lieber Seiten in der Hand."

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