Im Duisburger Lehmbruck-Museum trifft Gefühl den Verstand

Das Buch zur Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ wurde am Donnerstag vorgestellt von Autor Thomas Buchardt, Herausgeberin Söke Dinkla und Verleger Michael Wienand.
Das Buch zur Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ wurde am Donnerstag vorgestellt von Autor Thomas Buchardt, Herausgeberin Söke Dinkla und Verleger Michael Wienand.
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Was wir bereits wissen
Das Programm im Duisburger Lehmbruck-Museum führt in die „Welt der Emotionen“. 2014 wurden 29 300 Besucher gezählt, knapp 1000 mehr als 2013.

Duisburg.. Im Lehmbruck-Museum wurden 2014 mit 29.300 Besuchern knapp 1000 mehr gezählt als 2013. Weil beide Jahre durch die Renovierung und Teilschließungen beeinträchtigt waren, ist Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla froh, dass der Besucherzuspruch sogar etwas größer ausgefallen ist als 2012. Der rote Faden, der sich thematisch durch das Ausstellungsjahr 2015 zieht, ist das Zusammentreffen von Gefühl und Verstand. „Das Museum öffnet die Welt der Emotionen“, sagt Dinkla.

Die erste Ausstellung kommt im Rahmen des Projekts 25/25/25, zu dem die NRW-Kunststiftung anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens 25 internationale Künstler in 25 städtischen Kunstmuseen des Landes eingeladen hat. Ab 21. Februar ist die Installation „Being Rational“ des jungen französischen Künstlers Neil Beloufa zu sehen. Bereits am 13. Februar startet eine Plakataktion.

Einzelausstellung von Wiebke Siem

Im Rahmen der „Akzente“ hat das Museum Wiebke Siem zu einer Einzelausstellung eingeladen (7. März bis 19. April). Die 1954 geborene Bildhauerin, die kürzlich in Goslar mit dem Kaiserring ausgezeichnet worden ist, spielt mit den Themen Heimat und Erinnerung. Dabei arbeitet sie etwa mit Möbeln, die zum einen für die Sicherheit des Zuhauses stehen – und verfremdet sie zugleich, so dass das Gefühl einer Bedrohung entsteht.

Beim Projekt „China 8“, an dem sich acht Städte mit neun Museen in Rhein und Ruhr beteiligen, ist das Lehmbruck-Museum natürlich der Ort für Skulpturen. Es lohne sich, bei zeitgenössischer chinesischer Kunst genau hinzuschauen, so Dinkla. Auch kritische Positionen seien vertreten (15. Mai bis 13. September).

Wahlverwandschaften

Der regionalen Szene wendet sich die Ausstellung „Wahlverwandtschaften“ (3. Oktober bis 15. November) zu. Kuratorin Dr. Marion Bornscheuer hat das Konzept entwickelt, nicht einfach einen Querschnitt zu zeigen, sondern auch zehn junge Talente vorzustellen. Dabei sollen die Duisburger Künstler Kandidaten benennen, sozusagen „geistige Patenschaften“ übernehmen. Auch Bewerbungen sind möglich. Eine Fachjury entscheidet, welche Kunst von 30 etablierten Künstlern und zehn Talenten ausgestellt werden.

Sieben Monate bleibt die Ausstellung „Blackbox“ (3. September bis 28. März), die die Kunstvermittlung entwickelt hat. Dabei geht es um unterschiedliche Deutungen und Kunst-Präsentationen. „Was nehmen Besucher mit?“, nennt Claudia Thümler eine der Fragen.

Das Buch „Zeichen gegen den Krieg“

Zur Finissage der Ausstellung „Zeichen gegen den Krieg“ lädt das Lehmbruck-Museum am Sonntag, 1. Februar, um 15 Uhr ein. Bei einer Gesprächsrunde mit Söke Dinkla geben die Künstler Gil Shachar und Danica Dakić Einblicke in ihre Arbeiten. Noch einmal sind am Sonntag Werke von insgesamt 21 Künstlern aus Ländern wie Libanon, Israel, USA, Deutschland, Chile, Bosnien und Herzegowina, England, Peru, Serbien, Spanien, Tschechien und Vietnam zu sehen, von denen sich einige auch mit eigenen Kriegserfahrungen auseinandersetzen.

Außerdem sendet WDR 3 am Sonntag um 19.05 Uhr die Talkrunde „Zeichen gegen den Krieg“ aus, an der Söke Dinkla teilnimmt.

Erstmals ist am Sonntag auch das Buch zur Ausstellung im Museum erhältlich. „Wir machen etwa 50 Bücher pro Jahr; dieses ist eines der wichtigsten der letzten Jahre“, so Verleger Michael Wienand. Das Buch rüttle auf, es zeige, wie nah Krieg, Tod und Zerstörung seien. „Die Künstler erzeugen eine unmittelbare Betroffenheit“, sagt Wienand. Deutlich wird dabei, wie die Künstler den Krieg in ihren Heimatländern verarbeiten. Wienand nennt das Buch einen „wunderbaren Beitrag zur Nachdenklichkeit.“

Söke Dinkla (Hg.): Zeichen gegen den Krieg, 192 Seiten, 118 Abbildungen, 36 Euro, ISBN 978-3-86832-254-5