Ignorierten die Behörden die Loveparade-Rampe in Duisburg absichtlich?
09.08.2011 | 16:32 Uhr 2011-08-09T16:32:00+0200
Duisburg. Die Mitarbeiter der Stadt Duisburg „haben sich bemüht, die vorhandenen Gefahren nicht zu sehen.“ Schreibt Lothar Evers. Auf seiner Plattform hat der Journalist Indizien dafür gesammelt, dass die Behörden die gefährliche Loveparade-Rampe ignorierten.
„Tod im Niemandsland“ - so hat Lothar Evers seine jüngste Analyse zur Aufarbeitung der Duisburger Loveparade-Katastrophe betitelt, die er auf der Recherche-Plattform „DocuNews“ veröffentlicht hat. Evers will darin mit Aussagen eines städtischen Mitarbeiters aus dem Einleitungsvermerk der Staatsanwaltschaft und Planungsunterlagen belegen, was er Gästen des Kongresses „Runder Tisch Loveparade “ im Februar bereits angedeutet hatte: dass die Loveparade-Veranstalter und die Duisburger Behörden die Rampe, auf der die meisten der 21 Todesopfer ihr Leben ließen, während des Genehmigungsprozesses - und somit auch am Wochenende der Tragödie - absichtlich nicht berücksichtigten. „Vielmehr bemühten sich alle Beteiligten, die vorhandenen Gefahren nicht zu sehen, indem sie die eigene Zuständigkeit erst jenseits dieser Zone definierten“, kritisiert der Kölner Journalist.
Im Detail meint Lothar Evers : Für das Bezirksamt Mitte endete die Genehmigung zur Sondernutzung der Karl-Lehr-Straße, die durch die Tunnel zur Rampe führt, am Bürgersteig der Straße. Und das Amt für Baurecht und Bauberatung habe sich nur ab dem obereren Drittel der Rampe für das Loveparade-Gelände zuständig gefühlt. Evers’ Vorwurf: „Das zwischen diesen beiden Zuständigkeiten sich auftuende ‘Niemandsland’ straften die Duisburger Behörden mit ‘Nichtbefassung’“.
„Unzuständigkeit“ zur Umgehung der Sonderbauverordnung?
Als einen Beleg für diese „Unzuständigkeit“ führt Evers auf DocuNews den Plan „Veranstaltungszonen, Entfluchtungszonen, Notausgänge” an (siehe Download-Box). Auf der Grundlage der Karte mit Lopavent-Signatur erstellte die Firma Traffgo vor dem Techno-Spektakel die Entfluchtungsanalyse für das Güterbahnhof-Gelände. Die Duisburger Stadtverwaltung hatte den Plan auch ihrem umstrittenen „Abschlussbericht “ angehängt, mit dem sie sich fünf Wochen nach der Katastrophe attestiert hatte, nicht gegen Amtspflichten verstoßen zu haben.
.Der Plan teilt das Gelände in „Veranstaltungszonen“ und „Entfluchtungszonen“ ein. Die große Rampe ist darin aber lediglich als 18 Meter breiter Ausgang des Veranstaltungsgeländes eingezeichnet. Dass das „Feld F“ nicht mal bis zu einem Grünstreifen im oberen Bereich der Rampe reicht und entsprechend nur das obere Rampendrittel (aber nicht den späteren Ort der Katastrophe ) umfasst, führt Lothar Evers zu dem Schluss: „Mit diesem Ausgang endet das Veranstaltungsgelände für das Duisburger Bauamt als Genehmigungsbehörde scheinbar im oberen Rampendrittel.“
Mit dieser Aufteilung des Geländes hat sich das Bauamt nach seiner Ansicht aus einer Zwickmühle befreit: Weil es für den unteren Teil der Rampe keine Flucht- und Rettungswege gab, hätte es als Teil des Veranstaltungsgeländes entsprechend der Sonderbauverordnung des Landes NRW nicht genehmigt werden dürfen. „Stattdessen erklären die Pläne und die Genehmigung diesen gefährlichsten Teil des Veranstaltungsgeländes zur öffentlichen Verkehrsfläche, die man über die vermeintlichen Ausgänge des Feldes ‘F’ kurzfristig erreichen kann.“
Eingesackter Gully und Bauzäune als gefährliche Hindernisse
Weil das Bauamt also die Karl-Lehr-Straße zwischen den Tunnel-Eingängen im Osten und Westen und den Großteil der Rampe nicht betrachtet, kontrolliert und somit „genehmigungsfrei gestellt“ habe, sei es zu zwei weiteren schweren Versäumnissen gekommen:
Kein Mitarbeiter der Behörde habe diesen Bereich inspiziert, weshalb auch der eingesackte Gullydeckel am Fuße des Rampe , am Tunnelausgang der westlichen Röhre, unentdeckt blieb und mit einem Bauzaun gefährlich unzureichend abgedeckt wurde. In diesem Bereich wurden die meisten Menschen tödlich verletzt.
Das behördliche Niemandsland wurde nach den Erkenntnissen der Duisburger Staatsanwälte auch nicht beim Rundgang zur Abnahme am Tag vor der Loveparade besichtigt. In Evers’ Rekonstruktion führte dies zu einer weiteren Schlamperei: Die Bauzäune, mit denen das Gelände während bis zur Sperrung der Tunnel-Eingänge abgeriegelt wurden, blieben auf der Rampe stehen.
Dabei hatte ein beschuldigter Mitarbeiter des Bauamtes einem Lopavent-Mitarbeiter nach eigenen Angaben noch am 21. Juli mit der Beseitigung dieses Engpasses beauftragt. Von den Ermittlern nach der Bauzustandsbesichtigung am 23. Juli befragt, gab er zu Protokoll: „Nachmittags wurde die Rampe nicht kontrolliert, weil die Sondernutzung (der Karl-Lehr-Straße, d. Red.) erst um 18 Uhr zum Tragen kam. Abends war ich nicht dabei. Ich gehe davon aus, dass die Sperren auf den Zuwegungsstraßen erst in der Nacht komplett erfolgten und damit die Rampe möglicherweise noch nicht frei war. Da jedoch die Fa. Lopavent sämtlichen Aufforderungen zur Mängelbeseitigung in der letzten Woche umgehend gefolgt ist, bestanden auch keine Bedenken, dass der Hauptzugangsbereich frei geräumt wird.”
„Organisierte Ignoranz“
Für Lothar Evers dokumentieren diese Äußerungen „organisierte Ignoranz“: „Oben von der Rampe betrachtet sieht dieser Mitarbeiter diese Zäune also nicht als Teil des von ihm abzunehmenden ‘Veranstaltungsgeländes’, vielmehr als Teil des ‘öffentlichen Straßenlandes’, obwohl die Zäune eindeutig auf Privatgelände stehen. Daher fühlt er sich auch nicht für die Entfernung der Bauzäune zuständig.“
Evers’ Fazit: Die Mängel auf der Rampe „sind daher weder betrachtet, geschweige denn gewürdigt und beseitigt worden. Diese völlig willkürliche Filetierung des Veranstaltungsgeländes lieferte die Besucher schutzlos und ignorant den Gefahren dieses Teils der Loveparade 2010 aus. Mit den bekannten Folgen.“

17:44
Natürlich kann unser OB nicht alles wissen aber wie sagte schon die Mama, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!!! Fachleute??? Ja genau, hat er ja zu Rate gezogen, der Eine heißt Wolfgang Rabe, eiskalt und berechnend, der gute Dressler hat sich hier und da vermesssen, seine Mitarbeiter angewiesen nicht am Eventtag auf oder am Gelände zu erscheinen und der gute Herr Bölling hat von Beginn an den Amtsstubenschlaf weiter geführt. Et is ja bis getz immer jut jejange.. Okay, für 21 junge Menschen nicht aber wer eben mit einem übersteigertem Ego durchs Leben geht, den interessiert es nicht denn morgen ist ein neuer Tage... Adolf Sauerland erlöse uns Duisburger von deiner Anwesenheit und nimm deine Freunde gleich mit!!!!!!
10:41
@#125 wattearvolt
Der Oberbürgermeister kann doch nicht alles wissen, und er muss sich doch auf seine Fachleute verlassen können.
Stimmt, man muss dann aber auch auf die Fachleute hören wollen und nicht missliebige Mitarbeiter (Stv. Amtsleiter, die sich aus gutem Grund weigern, eine Genehmigung zu unterschreiben) strafversetzen!
10:05
Denn Unwissende - Leute, die nicht sehen wollen, was da passiert ist und wer die Verantwortung dafür trägt, gibt es hier immer noch reichlich!
Deshalb ist die Gebetsmühle ja so nötig ...
#123 von petrag67 , am 14.08.2011 um 09:23
Diese Aussage kann ich nur unterstreichen (ist tagtäglich zu erleben). Zitat gefällig ?
Der Oberbürgermeister kann doch nicht alles wissen, und er muss sich doch auf seine Fachleute verlassen können.
Und das bei einem solchen Großevent wie im Juli letzten Jahres..., als der gesunde Menschenverstand wissentlich ausgeschaltet wurde.
09:23
@#122 rickylee
Du meinst den kleinen Scherz des Hofnarren, aus dessen Mund die Wahrheit spricht!
Denn Unwissende - Leute, die nicht sehen wollen, was da passiert ist und wer die Verantwortung dafür trägt, gibt es hier immer noch reichlich!
Deshalb ist die Gebetsmühle ja so nötig ...
22:52
@121 von petrag67
Wat mut, dat mut, sagen wir hier so !
Und wir leisten ja schließlich gewaltlosen Widerstand.
Und es gibt immer noch genug Unwissende(Kleiner Scherz).
17:46
@#119 von rickylee
Danke fü die Gebetsmühle! - So komme ich mir nämlich langsam vor, wenn ich es hier (und woanders) ... immer und immer wieder ... ;-)
11:34
Es wurde wissentlich ignoriert und dafür gibt es sogar Beweise in Form von Filmaterial. Wenn ein Herr Wolfgang Rabe sich auch noch vor die Kameras stellt, von der tollen Entwicklung & den hervorragenden Arbeiten im Rahmen der Erstellung des Veranstaltungsgeländes (Duisburger Freiheit) spricht, wenn gezeigt wird, das auf eine Begehung des Südteils (Todestunnel) verzichtet wird weil es dort nichts relevantes zu sehen gibt, dann ist der Tatbestand des Vorsatzes erfüllt. Wenn Vorschriften wie, garantierte Rettungswege nicht eingehalten werden ist das vorsätzlich, wenn Bauvorschriften so aufgeweicht werden die eine Entfluchtung nicht mehr garantieren, dann ist das vorsätzlich und wenn Bedienstete des Bauordnungsamtes angewiesen werden, am Veranstaltungstag dem Gelände fern zu bleiben ist das vorsätzlich und wenn das Ordnungsamt weder im Vorfeld der Veranstaltung noch im Laufe der Veranstaltung keine Überprüfung der Qualifikationen des Sicherheitspersonals vornimmt, so ist auch das vorsätzlich. Herr Rabe, sie hatten in den Interviews im Vorfeld der LoPa vollkommen Recht, wir standen wirklich im Fokus, die Augen Europas waren wirklich auf unsere Stadt gerichtet aber leider nicht wie von ihnen betont für diesen Tag, nein, sie und ihr unfähiges Gefolge haben es geschafft unsere Stadt für lange Zeit im Fokus zu halten. Respekt aber zum Glück wird man sie vor den Kadi ziehen und dann geht es für sie um alles....
12:35
@wattearvolt
Ich unterstreiche das noch einmal:
Abwahl UND Anklage
Es wird nur, bei den langsam mahlenden Mühlen der Justiz, zuerst zur Abwahl kommen.
Und die wird gelingen.
Eine Verjährungsfrist bezüglich einer Anklage dürfte ja wohl zu lange dauern!
So weit wird die STADu es ja wohl nicht kommen lassen.
Trotzdem wäre es in Euren Gremien gut ,anzudenken oder anzufragen ob nicht wirklich eine andere STA beauftragt /eingeschaltet werden könnte.
Ist da nicht schon ein Befangenenantraggegen die STADu gestellt worden ?
-
Danke für alle die, die hier immer noch mal alles wiederholen.ich nannte das einmal Gebetsmühlen. Die sind wichtig, weil sonst zuviel verdreht und vertuscht wuürde.
09:21
Meine Kinder sind nach Hause gekommen,mehr oder weniger mit Blessuren,...
#116 von altesocke , am 11.08.2011 um 01:23
Ihre Aussage -@altesocke- gilt uneingeschränkt auch für mich !!
Bei uns war es eins unserer Kinder, aber mit ca. 10 Gästen.
01:27
Herr Adolf Sauerland,Sie sind doch Vater.Wie würden Sie sich fühlen,wenn eines Ihrer Kinder unter
den Opfern wäre?Ich kann gar nicht so viel essen,wie ich k...... möchte.